Seit einem Vierteljahrhundert geht es beim Bauen mit Holz aufwärts. Wo früher aufgrund restriktiver Brandschutznormen mit Holz nur zweigeschossig gebaut werden durfte, sind heute Hochhäuser möglich. Holzbauingenieure und Unternehmer entwickelten über die Jahre neue Technologien für Tragwerke, Wände, Decken und Dächer, die ebenso dauerhaft und stabil sind, ebenso gut den Schall dämmen und vor allem ebenso brandsicher sind wie herkömmliche Massivbauten.
Nun wollen wir es genau wissen. Was passiert, wenn es im höchsten Holzhochhaus der Schweiz brennt? Lesen Sie im Interview, wie unser Projektleiter und Brandschutzexperte Christoph Elsässer mit einem durchdachten Brandschutzkonzept für das Holzhochhaus Arbo auf Nummer sicher geht.
Wie geht die Schweiz beim Brandschutz grundsätzlich vor?
Christoph Elsässer: In der Schweiz muss seit 2015 jeder Neubau von einer qualitätssicherheitsverantwortlichen Brandschutzfachperson begleitet werden. Diese erstellt das Brandschutzkonzept und legt fest, was gemacht werden muss und wie die jeweilige Lösung aussehen soll. Zusätzlich unterstützt sie die anderen Fachplaner in der Planungsphase und kontrolliert die geplanten und umgesetzten Massnahmen.
Welche Lösung haben Sie für das Holzhochhaus Arbo gewählt?
Eine technische Lösung: Das Gebäude besitzt eine Löschanlage. Dadurch ist es möglich, einzelne lineare Bauteile wie Stützen, Unterzüge und Rippen sichtbar in Holz zu belassen. Mit dem Löschanlagenprinzip erreichen wir zudem eine Reduktion des Feuerwiderstandes von 90 auf 60 Minuten. Dabei beziehen wir uns auf die Schweizer Normierung. Diese Möglichkeit hilft insbesondere im Bereich des Sachwertschutzes, die Brandschutzmassnahmen wirtschaftlich zu optimieren, ohne dass die Schutzziele gefährdet sind.
Und der Personenschutz?
Da gibt es keine Kompensationsmassnahmen. Auch mit Sprinkleranlage sähen die Massnahmen zur Personensicherheit gleich aus: Es gibt ein Sicherheitstreppenhaus, über welches jede Nutzungseinheit erschlossen ist. Ohne Sprinkleranlage hätten allerdings die Holzbauteile gekapselt ausgeführt werden müssen.
Grundsätzlich ist der Personenschutz im Brandfall bei einem Hochhaus in Holz bzw. Holz-Hybrid-Bauweise genauso geregelt wie bei einem in Massivbauweise.
Wie sieht es mit anderen Massnahmen aus, zum Beispiel gegen geschossweisen BrandĂĽberschlag?
Mit einem Sprinklervollschutz kann man auf weitere Massnahmen verzichten, da die Anlage den sogenannten «Flash Over», einen Vollbrand, verhindert. Die Brandgefahr für die Fassade aus dem Innern ist somit nahezu ausgeschlossen. Zusätzlich besteht die Fassade im Fall von Arbo aus nicht brennbaren Baustoffen.
Wie ist das Sicherheitstreppenhaus aufgebaut?
Das Sicherheitstreppenhaus ist mit einer Brandmeldeanlage mit VollĂĽberwachung verbunden. DarĂĽber hinaus ist es gegen das Eindringen von Rauch geschĂĽtzt. Sobald Rauch detektiert wird, wird das Sicherheitstreppenhaus in Ăśberdruck versetzt, um das Eindringen der Rauchgase zu verhindern.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass inzwischen beim Brandschutz der Holzbau dem Massivbau gleichgestellt ist und die Auflagen der Schweizer Normen erfĂĽllen kann - beim Arbo sogar mit sichtbaren Holzbauteilen im Innern.
Wir freuen uns auf viele weitere spannende, brandschutztechnische Herausforderungen. Projektabhängig erstellen wir Brandschutzkonzepte im Holz- und Massivbau – eben auch für Sonderbauten wie Hochhäuser oder Gebäude mit grossen Personenbelegungen. PIRMIN JUNG unterstützt auch Ihr Bauvorhaben. Wir freuen uns auf Sie. Sicher.
Tag der offenen TĂĽren
Am 14. September 2019 öffnet das Suurstoffi-Areal ihre Türen – unter anderem auch das Holzhochhaus Arbo, welches zum Campus der Hochschule Luzern gehört.
Weitere Informationen finden Sie hier: www.suurstoffi.ch/openday
Quellen
- Titelbild: Zug Estates AG
- MIKADO, 12.2018














