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Das neue Kinderspital in ZĂŒrich setzt besondere MassstĂ€be

Sursee, Oktober 2024

Mit dem Neubau des UniversitĂ€ts-Kinderspitals ZĂŒrich im ZĂŒrcher Lengg Quartier rĂŒckt das architektonische Konzept von Herzog & de Meuron die jungen Patientinnen und Patienten in den Fokus – und mit ihnen die Menschen, die dort arbeiten. PIRMIN JUNG war fĂŒr die Fassadenplanung in Holz verantwortlich.

Ein Ort mit Ausstrahlung

Das alte UniversitĂ€ts-Kinderspital ZĂŒrich im ZĂŒrcher Hottinger Quartier war seinen bisherigen KapazitĂ€ten lĂ€ngst entwachsen und auf Provisorien angewiesen. GewĂŒnscht wurde die Erschaffung eines Ortes mit Ausstrahlung, an dem sich sowohl Kleinkinder als auch Jugendliche und deren Eltern trotz ihres individuellen Schicksals wohl und geborgen fĂŒhlen. Mit architektonischer und funktionaler Ausgestaltung sollen der Behandlungsprozess der Patientinnen und Patienten sowie die Arbeiten des medizinischen Personals unterstĂŒtzt werden und verbunden mit den positiven Eigenschaften von Holz eine heilende Wirkung erzeugen. Das Team des Schweizer ArchitekturbĂŒros Herzog & de Meuron hat im zweistufigen Wettbewerb, welcher 2011 lanciert wurde, mit seinem Vorschlag ĂŒberzeugt. Es ist ein Kinderspital entstanden, welches seiner Zeit weit voraus ist und noch nirgends auf der Welt gebaut wurde – offen, luftig und natĂŒrlich eingerichtete RĂ€ume mit Blick ins GrĂŒne.

  • Ein Blick auf die DachbegrĂŒnung und die Lichthöfe. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel
    Ein Blick auf die DachbegrĂŒnung und die Lichthöfe. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel

Spezielles Konzept von Herzog & de Meuron

Eines war von Beginn an klar – die Patientinnen und Patienten, aber auch die Mitarbeitenden des Spitals, insbesondere die Ärztinnen und Ärzte, mĂŒssen ab Idee und Entwurf involviert sein. Mit ihrem Konzept verfolgen Herzog & de Meuron ein Ziel, welches auch in der Medizin eine wichtige Rolle spielt: die Ganzheitlichkeit. Sie spiegelt sich in einer horizontal organisierten Grossform sowie in einer von innen nach aussen durchgĂ€ngigen, feingliedrigen Materialisierung wider. Sowohl die HorizontalitĂ€t als auch die Ganzheitlichkeit sind gemĂ€ss Herzog & de Meuron aus dem Bewusstsein fĂŒr Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende entwickelte Ziele und AnsprĂŒche an die Architektur von Spitalbauten.

  • Der Eingangsrundhof sorgt fĂŒr Tageslicht und Orientierung. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel
    Der Eingangsrundhof sorgt fĂŒr Tageslicht und Orientierung. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel

Das Spital ist vergleichbar mit einer kleinen Stadt – es gibt Strassen, Kreuzungen und PlĂ€tze. Die Funktionsbereiche sind Quartiere und jedes Geschoss verfĂŒgt ĂŒber eine Hauptstrasse. Eine Vielzahl von bepflanzten Innenhöfen unterschiedlicher Grösse belichten und strukturieren das rechtwinklig organisierte RaumgefĂŒge, wobei die Natur tief ins GebĂ€ude eindringt. Das Erdgeschoss mit seinem grossen, runden Eingangshof ist die öffentliche Zone innerhalb des Spitals. Hier befinden sich zentrale Untersuchungs- und Behandlungsbereiche inklusive der Notfall- und Intensivpflegestationen sowie den OperationssĂ€len. Dieser GebĂ€udeteil erlebt damit die höchste Frequenz an Besucherinnen und Besuchern, aber auch an Patientinnen und Patienten. In unmittelbarer NĂ€he zum Eingang liegen das Restaurant sowie der Zugang zu den Therapiebereichen.

Fassade als ein Baustein vom Ganzen

PIRMIN JUNG hat das ArchitekturbĂŒro bei der Planung der Holzfassade unterstĂŒtzt. Die Abwicklung mit den 150 verschiedenen Raumtypen und die Geometrie der unterschiedlich orientierten und ausgestalteten Innenhöfe hat die Planung zu einer komplexen Aufgabe gemacht. Entstanden ist eine Fassade, die in ihrer Form einmalig ist und planerisch sowie technisch einen hohen Detailgrad aufweist. Die aus Holz und Faserzement bestehende Fassade sowie die mit dem Licht spielenden Holzlamellen-Schirme in den Innenhöfen schaffen ein ganz besonderes Ambiente. Verbaut wurden insgesamt 10'000 Quadratmeter Elemente mit höchsten architektonischen und technischen Anforderungen.

  • Die Holzlamellen-Schirme in den Innenhöfen lassen das Licht tief ins Innere des GebĂ€udes eindringen. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel
    Die Holzlamellen-Schirme in den Innenhöfen lassen das Licht tief ins Innere des GebÀudes eindringen. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel

Um die Herzen der jungen Forscherinnen und Forscher höherschlagen zu lassen, wurden in den Zimmern Gucklöcher, sogenannte Bullaugen wie man sie ursprĂŒnglich aus dem Schiffsbau kennt, eingebaut. Die geöffneten Bullaugen bieten Ausblick auf die Holzfassade und die DachbegrĂŒnung, welche bewusst auf die einheimische Sorten- und Artenvielfalt angepasst ist. FĂŒr die elf eckigen Innenhöfe, welche unterschiedlich ausgerichtet sind, wurden verschiedene Fassadentypen entwickelt und mit Typologien gespielt.

  • Ausblick durch die Bullaugen auf die Fassade und die BegrĂŒnung. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel
    Ausblick durch die Bullaugen auf die Fassade und die BegrĂŒnung. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel

Die Holzstruktur an der Aussenfassade im Erd- und Obergeschoss verbindet die Funktion der Gliederung mit dem RankgerĂŒst und der Absturzsicherung. Alle sichtbaren und bewitterten Fassadenbauteile in Holz wurden aus Douglasien gefertigt. Die Schalung ist bewusst pragmatisch, sĂ€geroh und sichtbar geschraubt verbaut worden. Die HolzqualitĂ€ten wurden entsprechend ihrer Exposition, Querschnitte und Einsehbarkeit bestimmt und eingesetzt, um ein möglichst breites Spektrum an QualitĂ€t nutzen zu können und mit dem Werkstoff Holz ressourcenschonend und nachhaltig umzugehen.

  • Das Mockup macht die Fassade sichtbar und spĂŒrbar. Visualisierung & Fotografie: Herzog & de Meuron Ltd., Basel
    Das Mockup macht die Fassade sichtbar und spĂŒrbar. Visualisierung & Fotografie: Herzog & de Meuron Ltd., Basel

Die auf einem hohen Level architektonische Erscheinung in Kombination mit der langen Projektdauer und seinen Herausforderungen erforderten eine gute Abstimmung mit dem ArchitekturbĂŒro sowie den ausfĂŒhrenden Unternehmen. Es war zudem wichtig, die Bauherrschaft und deren Vertreter von Anfang an im Boot zu haben, regelmĂ€ssige Besprechungen zu fĂŒhren und die Fassade mittels eines Mockups vorab spĂŒrbar zu machen. Insgesamt standen bei diesem Projekt ĂŒber 50 verschiedene Teams im Einsatz. Die jetzige Erscheinung der Fassade mit ihrer Einfachheit war ein langer und intensiver gemeinsamer Prozess zusammen mit dem ArchitekturbĂŒro und der Nutzerschaft.

  • Andreas Zweifel, Mitglied FĂŒhrungsteam
    Andreas Zweifel, Mitglied FĂŒhrungsteam

«Besonders an diesem Projekt war die hervorragende und prĂ€gende Zusammenarbeit mit dem ArchitekturbĂŒro, spĂ€ter mit dem Holzbauunternehmen und allen ausfĂŒhrenden Unternehmen. Gemeinsam und als Team haben wir imposante Lösungen erarbeitet.»

Ein Meilenstein in der Kindermedizin

Das alte Kinderspital war 150 Jahre in Betrieb. Der Neubau mit separatem Labor- und ForschungsgebĂ€ude ist wegweisend fĂŒr die hochspezialisierte Kindermedizin. Die Eröffnung ist ein historischer Moment und ein Jahrhundertschritt. Gebaut wurde fĂŒr Generationen.

Mit dem neuen Kinderspital wurde ein Ort erschaffen, wo Kinder und Jugendliche in traumatisierenden Situationen eine besondere AtmosphĂ€re, ein warmes Ambiente und Geborgenheit erleben. Die geringe GebĂ€udehöhe soll den jungen Patientinnen und Patienten die Angst vor dem Spital nehmen. NatĂŒrliche Materialien wie Holz schaffen eine wohnliche AtmosphĂ€re. Eine mit KinderbĂŒchern und Spielsachen ausgestattete Koje in der Wand, welche liebevoll «Harry-Potter-Ecke» genannt wird, sowie begrĂŒnte Begegnungsorte laden zum Verweilen ein, wecken Neugier und lenken vom Spitalalltag ab.

  • Der horizontale Baukörper fĂŒgt sich in die Umgebung ein.  Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel
    Der horizontale Baukörper fĂŒgt sich in die Umgebung ein. Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, Basel

Zahlen und Fakten

Bauzeit: 6 Jahre
Baukosten: 761 Mio. CHF
GeschossflĂ€che: 79’215 mÂČ
GebĂ€udevolumen: 346’307 mÂł
LĂ€nge/Breite: 200 m x 110 m
Stockwerke: 5, davon 2 im Untergrund
Zertifizierung: SGNI-Platin-Standard
Anzahl Patientenbetten: 200
Anzahl Mitarbeitende: 2‘600
StationĂ€re Behandlungen jĂ€hrlich: 8’500
Ambulante Behandlungen jĂ€hrlich: 100’000

Bauherrschaft: Kinderspital ZĂŒrich – Eleonorenstiftung, CH-8032 ZĂŒrich
Architektur: Herzog & de Meuron Ltd, CH-4056 Basel
Holzbau: KĂŒnzli Davos AG, CH-7260 Davos Dorf
Fotografie: Maris Mezulis Visual Studio, CH-4057 Basel

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