Alles begann mit der Schule in Buchs, welche ursprünglich «Scuola Vivante» hiess und für eine «lebendige Schule» stand. Die seinerzeitige Idee war, das bestehende Schulgebäude aufzustocken, um dem wachsenden Platzbedarf gerecht zu werden. Schon bald war klar, dass die Aufstockung statisch und brandschutztechnisch nicht umsetzbar ist. Der Architekt Carlos Martinez hatte bereits zu Beginn des Projekts klare Vorstellungen davon, wie der Schulhausneubau aussehen soll. Seine händischen Skizzen imponierten und präsentierten bereits deutlich die organische Form und das Erscheinungsbild, welches sich heute fertiggebaut zeigt – ein schiffsähnlicher Bau, welcher symbolisch für den Namen «La Nave», übersetzt «das Boot» und für eine Schule steht, die bewegt.
Detailreiches Konzept und wachsende Ideen
Gewünscht wurde ein Schulhausneubau mit hochwertigen Materialien und möglichst viel Holz, wobei die Regionalität eine grosse Rolle spielt und Firmen aus der nahen Umgebung im Projekt mitwirken sollen. Früh hat sich abgezeichnet, dass der Schulhausneubau keineswegs ein klassischer Bau werden wird. Mit seinen händischen Skizzen vermochte es Carlos Martinez früh, sämtliche Projektbeteiligten zu überzeugen, ja gar zu begeistern und damit wortwörtlich alle mit ins Boot aufzunehmen. Zur Realisierung des Baus diente ein sehr detailreiches Konzept mit vielen Innovationen und speziell für dieses Projekt entwickelten Konstruktionen. Entstanden ist ein imposanter Schulhausneubau, welcher ab der Bodenplatte komplett in Holzbauweise realisiert wurde.
Die grosse Motivation aller Projektbeteiligten zeigte sich packend und mitreissend zugleich. Viele Ideen sind während den Projektsitzungen entstanden und wurden weiterverfolgt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Rutschbahn, welche die oberen beiden Geschosse miteinander verbindet. In der Umsetzung der vielen wachsenden Ideen wurden neue Wege gegangen und eigens für dieses Projekt Konstruktionen entwickelt. Die Formfindung der Stützenfüsse, das Eruieren der passenden Verbindungen und Elemente, wie auch die Dauerhaftigkeit gegen Regenwasser waren wichtige Faktoren, welche in der Planung und Entwicklung hohe Aufmerksamkeit genossen. Die Verflechtungen der Innen- und Aussenräume, insbesondere die tragenden Elemente, welche ins Freie verlaufen und wieder in den Innenraum kehren, erforderten eine projektspezifische Planung. Unterschiedliche Varianten wurden ausgearbeitet und verfeinert und auch die Bemusterung, unter anderem von Stützenfüssen und Holzschindeln, war ein bedeutender Teil im Entscheidungsprozess. Damit konnten Erfahrungswerte gesammelt werden und flossen direkt in die Realisierung des Projekts ein. Das Ausprobieren von neuen Wegen und Möglichkeiten ist zwar zeitintensiv, aber in jedem Fall wichtig und gewinnbringend.
Die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro, der Bauherrschaft sowie den ausführenden Unternehmen war stets sehr wertschätzend und offen und bot viel Spielraum für Kreativität. Die Einbindung der Fachplanenden war vorbildlich und zielführend. Die Nähe zur Bauherrschaft und zum Architekturbüro hat kurze Entscheidungswege ermöglicht.
Zusammenspiel verschiedener Holzarten und Elemente
Bereits von Weitem lässt sich das spezielle Tragwerk mit den organisch gefrästen Stützen und dem geschwungenen Attikadach erkennen. Die gesamte Aussteifung ist in Holzbauweise erfolgt, genauer über Brettsperrholz Wandscheiben, welche im Gebäude integriert sind und mit Unterzugsachsen aus Stabschichtholz in Esche. Im Innenbereich sind sichtbare Holzrippendecken montiert mit Kalksplittschüttung als Masse für den Schallschutz. Die versetzten Kalt- und Warm-Bereiche gestalteten die Planung herausfordernd, weil die komplexen Vorgaben in konstruktiven Lösungen ausgearbeitet werden mussten. Beim bewitterten Tragwerk wurde zwecks eines ruhigen Querschnitts und um den wechselnden klimatischen Beanspruchungen gerecht zu werden, mit speziellen Verklebungen sowie mit hochwertigeren Holzwerkstoffen gearbeitet. Die Gebäudehülle ist mit 63'667 verschieden grossen Schindeln aus Lärchenholz bekleidet, was ein zusätzliches optisches Highlight in der Gesamterscheinung des Gebäudes ist und im Weiteren die Einzigartigkeit und Lebhaftigkeit der Schule widerspiegelt.
Verwendet wurde Fichten-, Tannen-, Lärchen- und Eschenholz. Zum Einsatz kamen diese Holzarten in verschiedenen Ausführungen wie Stabschichtholz, Brettschichtholz und Brettsperrholz – die Aufzählung ist nicht abschliessend, die Bandbreite der verschiedenen Holzvarianten in diesem Bau enorm vielfältig. Die Vermischung der Materialien hat auf eindrückliche Weise jedes Element und jedes System mit seinen Eigenschaften den passenden Platz finden lassen.
So früh das Erscheinungsbild des neuen Schulgebäudes gegeben war, so wichtig war es auch, dieses mit einem schlüssigen Konzept und unter Einbezug des Brandschutzes zu planen. Die Konzentration der aus gekapselten Holzbauteilen konstruierten Fluchtwege auf die zentrale Mitte, ermöglichten eine offene und transparente Umsetzung ohne Feuerschutzanforderungen in den übrigen Bereichen. Das nicht alltägliche Brandschutzkonzept wurde objektspezifisch und in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Brandschutzbehörden erstellt.
Schritt fĂĽr Schritt
Im Zentrum des gesamten Projekts standen die Kinder mit ihren Bedürfnissen, die Lehrpersonen und die betreuenden Menschen sowie die zusätzlichen Ansprüche an die Räumlichkeiten und die Umgebung. Während die Jüngsten in der unteren Etage unterrichtet werden, befinden sich die Ältesten im oberen Teil. So bewegt sich jedes Kind während seiner Schullaufbahn im viergeschossigen Gebäude von unten nach oben. Zentrale Sitzstufen verbinden die verschiedenen Stockwerke und laden zum Verweilen, zum Lesen oder auch zum Lernen ein. Die oberen beiden Stockwerke sind spielerisch mit einer Rutschbahn verbunden. Die Treppe im obersten Stockwerk führt zum Aussenbereich auf dem Dach, welcher als Freiluft-Klassenzimmer oder für Outdoor-Programme genutzt werden kann. Die Aula wie auch die Mensa im Erdgeschoss führen Menschen an der Schule auch ausserhalb der Unterrichtszeiten zusammen und bilden einen wichtigen Begegnungsort. In verschiedenen Gebäudeteilen und Ecken befinden sich Rückzugsräume in Form von Nischen und Lernbereichen. Im Untergeschoss ist die «Tüftlerwerkstatt» einquartiert – eine Bastelwerkstatt, welche den Schülerinnen und Schülern auch ausserhalb der Schulzeit für Projektarbeiten zur Verfügung steht. Alles in allem ein Raumangebot, welches keine Wünsche offenlässt – durchdacht und in jedem kleinsten Detail behaglich umgesetzt. An dieser Schule können sich junge Menschen und ihre Ideen entfalten, auf ganz eigene Weise, in Räumlichkeiten, welche genügend Spielraum für Kreativität bieten, Ruhezonen, welche der Erholung dienen, aber auch an vielen Begegnungsorten, welche die persönliche und soziale Entwicklung unterstützen.
Spannende Zahlen und Fakten
Baubeginn: September 2022
Fertigstellung: Mai 2024
Netto-Geschossfläche: 1’940 m² (ohne alle Terrassen)
Gebäudevolumen: 9'767 m³
Verbautes Holz: 650 mÂł
Montierte Schindeln: 63’667
Bauherrschaft: Katvan Immo AG, Buchs
Architektur: Carlos Martinez Architekten AG, Berneck
Holzbau: Alpiger Holzbau AG, Sennwald










