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Feuerwache Wegberg – Brandschutz im wahrsten Sinne

Britta Bach und Sascha Loor, Mai 2021

Mit der neuen Feuerwache erhält die Stadt Wegberg an der Maaseiker Straße einen prägnanten Neubau. Besonders die verkohlte Holzfassade verkörpert das Thema Brandschutz auf eine ganz spezielle Weise. Aber der Reihe nach…

Der Weg zum fertigen Projekt

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde 2014 der Raumbedarf und die Beispielplanung fĂĽr die neue Feuerwache ermittelt. Hierbei mussten neben den Belangen der zentralen Funktionen auch die rechtlichen Notwendigkeiten berĂĽcksichtigt werden, die bei dem Bau einer Feuerwehr vielen gesetzlichen Normen unterliegen.

Die oberste Priorität einer Feuerwehr liegt in der Rettung von Leben, die Verantwortung der Gemeinde in einer leistungsfähigen Feuerwehr. Diese und viele weitere Aspekte wollten berücksichtigt werden.

  • Planansicht Scheidt Kaspruch Architekten
    Planansicht Scheidt Kaspruch Architekten
  • Planansicht Scheidt Kaspruch Architekten
    Planansicht Scheidt Kaspruch Architekten
  • Planansicht Scheidt Kaspruch Architekten
    Planansicht Scheidt Kaspruch Architekten

Selbstbewusster Siegerentwurf

In 2018 fĂĽhrte die Stadt Wegberg dann ein aufwendiges Vergabeverfahren mit Planungswettbewerb durch, an dem sich 14 ArchitekturbĂĽros aus ganz Deutschland beteiligten. Schlussendlich hat sich der Entwurf des Berliner ArchitekturbĂĽros Scheidt Kasprusch durchgesetzt und wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Der selbstbewusste Siegerentwurf sieht den Neubau der Feuerwache als Holzbau vor, der durch seine Vereinigung von Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und nachhaltiger Architektur überzeugt.

Hohe ökologische Standards

Als Passivhaus konzipiert, steht bei der zweigeschossigen Feuerwache die nachhaltige Verwendung von Materialien und Ressourcen im Vordergrund. Wiederverwendbare und recycelbare Baumaterialien sowie energetisch optimierte Ausstattungen sind entscheidende Faktoren zur Sicherung eines hohen ökologischen Standards.
Darüber hinaus wird die ökonomische Qualität zum großen Teil über wartungsarme Bauteile und Materialien sichergestellt.

Ingenieurstechnische Herausforderungen

Da sich das Gebäude in einem Erdbebengebiet befindet, muss es für diese Beanspruchung ausgesteift und bemessen werden. Eine Feuerwache wird in die Bedeutungskategorie IV eingeordnet, ein Bauwerk, dessen Unversehrtheit im Erdbebenfall von hoher Bedeutung für den Schutz der Allgemeinheit ist.

Das angestrebte Sicherheitsniveau ist hier höher als z.B. bei Wohngebäuden.

Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt hauptsächlich über Stahlbeton-Fertigteilwände. Die vorgefertigte Betonschalung wird vor Ort aufgestellt und mit Beton gefüllt. Diese Schalung dient dann als Auflager für die Holzbauteile. Die Holzunterzüge und die Decken werden darauf aufgelegt und angeschlossen.

  • Detailansicht: Auflagerung HBV Decke auf Stahlbeton-Fertigteilwand
    Detailansicht: Auflagerung HBV Decke auf Stahlbeton-Fertigteilwand
  • Detailansicht: Auflagerung Dachbauteile auf Stahlbeton-Fertigteilwand
    Detailansicht: Auflagerung Dachbauteile auf Stahlbeton-Fertigteilwand
  • Detailansicht: Auflagerung Dachbauteile auf Stahlbeton-Fertigteilwand
    Detailansicht: Auflagerung Dachbauteile auf Stahlbeton-Fertigteilwand
  • Detailansicht: Schubkerve
    Detailansicht: Schubkerve

Wir gewinnen durch den hohen Grad an Vorfertigung eine vergleichsweise kurze Montagezeit.

Aufwendige Planung durch genaue Definierung der Auflagerpunkte

Das vorgefertigte Holzdach kann auf die schräg zur Gebäudesüdseite abfallenden Wand aufgelegt und durch im Holz ausgebildete Schubnocken verbunden werden. Durch die Verzahnung des Holzes mit dem Beton wird so die Kraft übertragen. Die Planung hierfür ist sehr aufwändig, da jeder Auflagerpunkt genau definiert und in seiner Lage beschrieben sein muss.


  • Die Abstimmung zwischen Holz- und Massivbauplanung mit dem ArchitekturbĂĽro und später auf der Baustelle muss perfekt koordiniert sein, um den Bauablauf gut einzutakten und die Bautoleranzen gering zu halten.
    Die Abstimmung zwischen Holz- und Massivbauplanung mit dem Architekturbüro und später auf der Baustelle muss perfekt koordiniert sein, um den Bauablauf gut einzutakten und die Bautoleranzen gering zu halten.

Durch die vorhandene Planung mit Einsatz dieser Stahlbeton-Fertigteilwände und den Einsatz von Holzbetonverbunddecken muss bei diesem Projekt nur sehr wenig Betonschalung verbaut werden.

Multifunktionales Gebäude

Auch das Innere des Gebäudes soll überzeugen und wird den Einsatzkräften und Mitarbeitenden vor Ort durch eine gut organisierte Anordnung der verschiedenen Funktionsbereiche und durch kurze Wege Arbeitsabläufe optimieren.

Eine Feuerwache mit Ăśbungsturm

Südlich des Übungshofes liegt der Übungsturm mit dem danebenliegenden Übungs-Löschwasserbecken. Auch der Übungsturm wird mit einer Holzbrettschalung in Ortbeton ausgeführt, der ihn gegen den robusten Gebrauch wappnet. Der Turm wird schwarz gefärbt und erhält eine weithin sichtbare rote Schrift als Inlay. Somit fügt er sich hervorragend in die gesamte Optik des Gebäudekomplexes ein.

Stolze Veredelung des Rohstoffes Holz

Die besondere Fassadengestaltung des Gebäudes wird sicher ein Hingucker. Zugegebenermaßen klingt der Plan eines Verkohlungsprozesses der Holzoberflächen anfangs doch irritierend – und nicht nur, weil es sich bei dem Bau um eine Feuerwache handelt. Man denkt an Rauch, Feuer und Ruinen. Aber hier geht es nicht um eine verrückte Architekturidee. Es geht stattdessen um eine uralte, erprobte und völlig vernünftige Bauweise.

Diese Fassaden sind nicht nur schön, sondern auch nachhaltig.

Unter Vermeidung von Anstrichen oder chemischen Zusätzen wird die Holzoberfläche der Fassade durch eine Karbonisierung langfristig geschützt. Bei diesem traditionellen Verfahren wird die Oberfläche des Holzes einem kontrollierten Verkohlungsprozess ausgesetzt. Das Ergebnis ist eine schwarz-silbrig und seidig glänzende Oberfläche, die das Holz nicht nur vor eindringendem Wasser, sondern auch vor Schimmelpilzen und Schädlingen schützt.

Fast in Vergessenheit geraten

Das oberflächliche Ankohlen von Holz ist eine der ältesten Schutzmaßnahmen überhaupt. Schon im Altertum hat man Holz angekohlt, um es haltbarer zu machen. Das zeigen Funde bei Ausgrabungen etwa in Pompeji oder von Pfahlbauten. Im Ursprungsland Japan nennt man das gezielte Anbrennen beziehungsweise Karbonisieren von Holzfassaden "Yakisugi" und wird seit vielen Jahrhunderten genutzt. Aktuell ist es hierzulande noch wenig bekannt, erfreut sich aber wachsender Beliebtheit bei Architekturbüros und Bauherrn.

  • Ausschnitt/Ansicht einer karbonisierten Fassade
    Ausschnitt/Ansicht einer karbonisierten Fassade
  • Ausschnitt/Ansicht einer karbonisierten Fassade
    Ausschnitt/Ansicht einer karbonisierten Fassade

So wird dieses spannende Projekt neue Maßstäbe hinsichtlich Optik und Funktionalität setzen.

Spannende Facts & Figures

Bauherr: Stadt Wegberg, Wegberg

Architektur: Scheidt Kaspruch, Berlin

Tragwerksplanung/ Brandschutz/Bauphysik: PIRMIN JUNG Deutschland GmbH, Remagen

Quelle Visualisierungen, Fotos & Pläne: Scheidt Kaspruch, PIRMIN JUNG

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