Weltweiter COâ‚‚-AusstoĂź bis 2022
Weltweit nimmt der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid kontinuierlich zu und erreichte 2022 einen Rekordwert von circa 37,2 Mrd. Tonnen CO₂, Tendenz weiter steigend. Bis zum Jahr 2050 liegen die aktuellen Schätzungen bei über 42,8 Mrd. Tonnen. (Quelle: Statista Research Department, 02.01.2024)
Dieser hohe Kohlenstoffdioxid-Ausstoß hat weitreichende Auswirkungen auf uns und unser Leben. Er bewirkt unter anderem einen Temperaturanstieg in der Erdatmosphäre, der sich wiederum auf die Umwelt und somit auch direkt auf uns auswirkt. Als Folge mehren sich Naturkatastrophen wie Hochwasser, Waldbrände und Dürren.
SchlĂĽsselrolle Bauwirtschaft
Die Baubranche verbraucht so viele Ressourcen und produziert so viel Abfall wie kein anderer Industriesektor. Klimawandel, Materialengpässe und Ressourcenknappheit verstärken zusätzlich den Druck auf die Bauwirtschaft.
Nach Angaben der Europäischen Union zeichnet die Baubranche circa 40% des Energieverbrauchs und ist ebenso für circa 36% der CO2-Emissionen in der EU verantwortlich. Im Jahr 2020 lag die statistisch erfasste Menge mineralischer Baustoffe bei über 220 Mio. Tonnen (Quelle: Umweltbundesamt).
Wenn wir sehen, welchen Effekt Bauen auf das Klima hat, dĂĽrfen wir dann in dieser Menge ĂĽberhaupt noch neu bauen?
Unbestritten ist sicher aber die Tatsache, dass vielerorts schon heute Wohnraum fehlt und nicht so schnell neue Wohnungen entstehen, wie benötigt werden. Der Wohnungsmangel ist längst zur sozialen Frage geworden. Besonders in den Ballungszentren ist der Bedarf an Wohnraum höher als das vorhandene Angebot.
Was aber gegen den Wohnraummangel tun?
Ein Neubau verursacht viel COâ‚‚
Die benötigte Energie für das Errichten eines Neubaus wird auch «graue Energie» genannt und in einem Neubau steckt viel davon. Mit dem Netto-Null-Ziel rückt die CO₂-Reduktion beim Bauen verstärkt in den Fokus. Vorausschauende Planung, nachwachsende Rohstoffe und wiederverwendbare Elemente können schon heute bis zur Hälfte der Treibhausgasemissionen einsparen.
Aber das reicht noch nicht!
Regionen mit hohem Zuzugsdruck müssen wir entlasten und Gegenden mit Wegzug attraktiver gestalten. Es kann keine Lösung sein, immer neue Baugebiete auszuweisen, die neue Infrastruktur erfordern und wertvolle Freiflächen versiegeln, während bereits bestehende Wohngebiete ganz oder teilweise nicht genutzt werden.
Eine denkbare Zukunft: sanierter Bestand
Es soll und wird natürlich weiterhin viel neu gebaut werden, um dem aktuellen Mangel an Wohnraum entgegenzuwirken. Aber selbst wenn all diese neuen Wohnungen besonders klimafreundlich gebaut werden, stehen sie einer riesigen Zahl von Wohnungen gegenüber, die zum allergrößten Teil noch unzureichend gedämmt sind und nicht mehr den heutigen Standards entsprechen. Auch ältere Büro- und Nutzflächen können wieder in attraktive Standorte verwandelt werden.
Brachliegende Potenziale nutzen und bisherige Gewohnheiten in Frage stellen
Der CO₂-Ausstoss, der bei Bau, Umbau und Abriss von Gebäuden entsteht, bildet aktuell ein brachliegendes Einsparpotenzial, das wir uns zu Nutze machen können. Derzeit werden jährlich nur etwa 1,0 bis 1,5% des europäischen Gebäudebestands saniert. Die Rate der Gebäudesanierung sollte mindestens zwei- oder besser noch dreimal so hoch sein, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.
Bei der Erreichung unserer Klimaziele hat die Baubranche die Chance eine entscheidende SchlĂĽsselrolle zu spielen.
Wir sollten uns öfters fragen, ob ein Abbruch immer notwendig ist.
Denn hier fallen Millionen Tonnen Bauabfall an, bei dem, trotz Anstrengungen beim Recyceln, ein zu hoher Verlust von grauer Energie und eine Menge an Sondermüll entsteht. Ein Grundgedanke muss daher lauten: Abriss vermeiden, wenn eine Sanierung und Ertüchtigung möglich ist und Sinn macht.
Die graue Energie, die in jedem Gebäude steckt, ist unwiederbringlich verloren, wenn es abgerissen wird.
PIRMIN JUNG hat schon mehr als 500 Projekte begleitet
In über 25 Jahren, haben wir inzwischen mehr als 500 Projekte begleitet, die saniert und energetisch ertüchtigt oder nachhaltig erweitert und aufgestockt wurden. Die steigende Tendenz freut uns sehr, denn bestehende Gebäude sind gewissermaßen Zeugen ihrer Zeit und haben oftmals auch einen architektonischen Wert, der nicht einfach entfernt werden sollte. Hier erlaubt uns der Holzbau die architektonische Ursprungsidee zu erhalten und den Bestand an die neuen Anforderungen optimal zu verändern.
Hier ein paar Beispiele aus den vergangenen Jahren:
In München-Neuperlach wird aus „FritzNeun“ das moderne „aer“
Durch unsere tragende Unterstützung entsteht hier aktuell in einer Revitalisierung eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes unter Einsatz verschiedener Holzkonstruktionen ein nachhaltiger und attraktiver neuer Bürostandort.
Ursprünglich für nur einen Nutzer konzipiert, erfüllte das Gebäude mit seinen 32.000 qm nicht mehr die heutigen Anforderungen an ein modernes Büro. Weite, offene Lufträume und zu wenig effektiv nutzbare Flächen reduzierten die Wirtschaftlichkeit und machten eine flexible Aufteilung in kleinere Nutzungsmöglichkeiten praktisch unmöglich. Nach der Sanierung und Umnutzung bietet das „aer“ künftig mit mehr als 42.000 qm Bürofläche Raum für einzelne Mietparteien als auch für größeren Bedarf.
Unterschiedliche Holzbauweisen fĂĽr verschiedene Bereiche
Die Verdichtung der Bestandsflächen, die Aufstockung der Satellitenbauten und ein zusätzlicher neuer Anbau wurden mit unterschiedlichen Holzbauweisen umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist hier sicherlich die teilweise Schließung der Atrien als luftige Holz-Skelettkonstruktion mit außen montierten Glasflächen. Als neue, zentrale Erschließungszone ist sie mit viel Tageslicht und den großen Spannweiten ein absoluter Hingucker.
Herausforderungen in der Tragwerksplanung
Hier musste unser Projektleiter Christoph Roderer angesichts der vielen Dachträger an den Kreuzungspunkten tüfteln, um die Verbindungsmittel unterzubringen. Sie sollten unsichtbar bleiben und durften sich dabei nicht überschneiden. An den mittleren Knoten in der Dachkonstruktion schließen vier Stäbe mit unterschiedlichen Querschnitten und Neigungen an. Dazu kommt von unten noch eine V-Stütze. Das ist nicht alltäglich und erfordert viel kreative Planung.
Im Endeffekt konnten aber auch neben diesen speziellen Tragwerksthemen alle weiteren Herausforderungen, die während der Planungs- und Bauphase aufkommen, durch eine gute Zusammenarbeit und Abstimmung mit allen Projektbeteiligten gemeinsam gemeistert werden.
Noch mehr Informationen und Details lesen Sie auch im mikado-Artikel "aer" - Revitalisierung Fritz-Schäffer-Straße 9.
In einer perfekten Bauwelt ist neben einem kreislauffähigen und nachhaltigen Neubau das Bauen im Bestand ein neues Normal.































