Den Wald im Blick, sein Holz unter den Füssen
Der Schlaufensteg, der seinen Namen durch die schlaufenförmig angeordneten Verbindungselemente hat, misst eine Gesamtlänge von rund 350 Metern. Er besteht aus einem Treppenturm und einer Aussichtsplattform, einer Brücke, den Stegsegmenten mit den Schlaufen sowie Treppen mit insgesamt 265 Stufen. Der Ein- und Ausstieg dient mit einer Aussichtsplattform als Anziehungs- und Aussichtspunkt.
Sein Verlauf in stark unterschiedlichen Höhen über dem Waldboden machte ein individuell an die Topografie angepasstes Tragwerkssystem erforderlich. Dabei galt es, die minimale Anzahl Abstützungspunkte für die geschlaufte Geometrie zu identifizieren. Das Modell aus Karton und Zahnstocher (s. Foto) hat in einem ersten Schritt dazu gedient, die Anordnung der Stege und Treppen zu verifizieren sowie die geometrische Machbarkeit zu prüfen. Ein schönes Beispiel dafür, dass die Planung mit physischen Modellen, nebst der digitalen Planung, immer noch ein starkes Hilfsmittel im Entwurf und zur Überprüfung der Statik ist.
Darüber hinaus mussten die rund 40 Meter langen und gerade verlaufenden Stegsegmente horizontal stabilisiert werden, um das Auftreten von seitlichen Schwankungen zu verhindern. Dafür wurden die Holzstützen so positioniert und geneigt, dass sie einen massgebenden Beitrag an der horizontalen Stabilisierung leisten. Jede Schlaufe wird so von drei gegeneinander gedrehten Dreibeinen getragen.
«Jede Stütze hat ihre eigene Ausrichtung und Länge, welche mit den Mikropfählen für den Lastabtrag genau übereinstimmen muss. Die Planung dieser Art war für uns erstmalig und herausfordernd. Umso eindrücklicher war es, zu sehen, wie schlussendlich beim Bau alles massgenau zusammengepasst hat und montiert werden konnte. Alle Beteiligten haben eine ausserordentliche Leistung erbracht», Lukas Schmid, Tragwerksplanung bei PIRMIN JUNG.
Dort, wo die Stützpunkte eine grosse Spannweite überbrücken, unterspannt ausserdem ein Zugband aus Flachstahl die Holzbalken der Gehfläche, was einen sicheren Spaziergang durch die Baumwipfel ermöglicht.
Architektonische Highlights
Der Treppenturm und die Aussichtsplattform des Schlaufenstegs geben durch die fächerartig angeordneten Holzlamellen einen freien Blick auf ihr Holztragwerk. Je nach Betrachtung wirkt der Turm so filigran und durchlässig oder aber kräftig und standhaft. Die herausstechenden Knicke in der Struktur spiegeln die Wegführung des Stegs auf architektonische Weise wider.
Die Schlaufen selbst dienen zum einen dem Zweck der Höhenüberwindung von jeweils drei Metern. Zum anderen drehen sich die Besuchenden um ihre eigene Achse und erhalten so einen Rundumblick in den Wald.
Der Witterung zum Trotz – mit Holz aus dem einheimischen Wald
Bei der Auswahl des zu verwendenden Holzes war dem konstruktiven Holzschutz höchste Priorität beizumessen. «Um die witterungstechnischen Anforderungen zu erfüllen wurden Douglasienstämme für die Gehbeläge und Fassaden verwendet», erklärt Thomas Rimer, Tragwerksplanung bei PIRMIN JUNG. Das Holz der Douglasie besitzt einen natürlichen Schutz gegen Schimmelpilze und Fäulnis und bietet ausserdem den Vorteil einer langen Haltbarkeit und Stabilität. «Für die Rundholzstützen wurden sorgfältig ausgewählte Fichtenstämme eingesetzt. Diese sind geradwüchsig, nahezu kreisrund und haben wenig Äste. Damit konnten die nötigen statischen und geometrischen Anforderungen erfüllt werden, aber auch die Voraussetzung einer langen Nutzungsdauer.»
Für die Verwendung von regionalem Holz aus dem Wald der benachbarten Korporation Blickensdorf wurde der Schlaufensteg mit dem Label Schweizer Holz ausgezeichnet. Insgesamt wurden 279 m3 Holz aus der Schweiz verbaut – eine solche Menge benötigt etwa 13 Minuten, bis sie in den Schweizern Wäldern nachgewachsen ist.
Ein Erlebnis für Herz und Seele: Die Idee hinter dem Schlaufensteg
Der Schlaufensteg ist viel mehr als nur ein erlebnisreicher Verbindungssteg. Insbesondere seine Funktion für die Gesundheit spielte eine bedeutende Rolle im Entstehungsprozess des Steges, so wie er heute im Höllwald zu entdecken ist. Zwar hatte die Bauherrschaft Korporation Baar-Dorf bereits länger die Vision eines Aussichtspunktes über den Zugersee, den ausschlaggebenden Input lieferte schlussendlich jedoch ein Kardiologe, der nach einem geeigneten Gebiet für ein intensives Herz-Treppentraining gesucht hat. So wurde der Grundstein für den heutigen Schlaufensteg gelegt.
Der Schlaufensteg hebt den Spaziergang – im wahrsten Sinne des Wortes – auf eine neue Ebene. Er bringt Mensch und Natur zusammen, bietet Möglichkeiten zum Begegnen, zur Bewegung und zum gemeinsamen Staunen. Oder, wie es Walter W. Andermatt, Präsident Korporation Baar-Dorf, zusammenfasst: «Der Schlaufensteg ist ein Geschenk der Korporation Baar-Dorf für die Bevölkerung».
Der Schlaufensteg im Video – Ein Film der Korporation Baar-Dorf
Facts
Bauherrschaft: Korporation Baar-Dorf
Architekten: 2ECK Architekten, Baar
Holzbau: Abt Holzbau AG und neue Holzbau AG
Leistungen PIRMIN JUNG: Tragwerksplanung
Schweizer Holz: 279 m3
























