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Gstaad Airport

Die Flugplatzgenossenschaft Gstaad-Saanenland hat in den Neubau des Gstaad Airport rund 31 Millionen Franken investiert. Für das Neubauprojekt mit verschiedenen Teilbereichen wurde mehrheitlich Holz verarbeitet. Unser Büro in Thun begleitete das Projekt im Bereich Tragwerksplanung. Das zentrale Element bildet der zweigeschossige Terminal mit Flachdachkonstruktion aus Brettschichtholzträgern. An den Terminal grenzen total 4 Hangars mit frei überspannten Abmessungen von bis zu 36x36m, welche mit Fachwerkträgern von bis zu 6m Höhe überspannt werden.

  1. Generelle Info

    Der Flugplatz Saanen-Gstaad, der auf rund 1'000 Metern über Meer liegt, wurde in rekordverdächtigen 14 Monaten Bauzeit erneuert. Dabei sind neue Hangarbauten entstanden sowie ein nahezu verdreifachter Flugzeugpark mit Vorfläche, wovon verschiedene Teilbereiche mehrheitlich in Holz realisiert wurden. Der Alpen-Airport übernimmt damit seine Rolle als zeitgemässer regionaler «Bahnhof der Luft» wieder für viele Jahre. Das Gebäude gliedert sich in drei Teile – den Westhangar, den verbindenden Mittelteil mit dem Terminal, Büros, Mitarbeiterräumen und dem Gästebereich sowie drei weiteren Hangars auf der Ostseite. In den vier Hangars haben heute bis zu 30 Flugzeuge und Helikopter Platz.

  2. Tragwerksplanung

    Die Konstruktionen wurden einheitlich aus Holz erstellt und passen sich ideal ins Landschaftsbild ein. Orientiert an bisherigen Bauten von Schweizer Flughäfen flossen Ideen und Erfahrungen, wie beispielsweise der neue Drehteller für das geordnete Parkieren von Flugzeugen, ein. Der Drehteller verfügt über einen Durchmesser von 32 Metern und eine Tragkraft von 33 Tonnen und bietet Platz für vier bis sechs kleine bis mittelgrosse Geschäftsflugzeuge. Das zentrale Element bildet der zweigeschossige Terminal, welcher abgesehen von der Flachdachkonstruktion in massiver Bauweise erstellt wurde. Die Tragstruktur des Flachdaches besteht aus Brettschichtholzträgern und dazwischen integrierten Hohlkastenelementen in Holzbauweise. Auf der Westseite des Terminals befindet sich ein grosser Hangar mit den Abmessungen 24x35 Meter, welcher komplett in Holzbauweise erstellt wurde. Über dem Erdgeschoss gibt es eine Lagerdecke, welche über 17 Meter weit spannt. Das Dachtragwerk besteht aus Fachwerkträgern, darüber liegt eine Sparrenkonstruktion. Östlich des Terminals befinden sich drei weitere eingeschossige Hangars mit den Abmessungen 36x36 Meter pro Hangar, welche ebenfalls komplett in Holzbauweise erstellt wurden. Auch hier wurde das Dachtragwerk als Fachwerkkonstruktion mit Höhen von bis zu sechs Metern und einem Sparrendach ausgeführt. Die grossen Torfronten der Hangars wurden mit einer biegesteifen Rahmenkonstruktion ausgeführt, die gleichzeitig einen Teil der horizontalen Aussteifung übernimmt und zudem auch die vertikalen Verformungen im Bereich der Falttore reduziert. Die Falttore wurden mit einer gleitenden Führung ausgestattet, sodass die Schneelasten von bis zu 500 kg/m² zu keiner Einschränkung des Betriebes führen. Obwohl alle Gebäude direkt aneinander angrenzen, wurden sie unabhängig voneinander ausgesteift, sodass später ein phasenweiser Ausbau des Flugplatzgeländes möglich ist und die statischen Systeme getrennt betrachtet werden können. Die hinterlüftete Fassadenschalung ist in Fichte ausgeführt.


    Die Aussenwandelemente, bestehend aus einer Kombination von Dreischichtplatten und OSB-Platten, wurden im Werk vorfabriziert und auf der Baustelle von oben mit dem Pneukran zwischen die Holzstützen geschoben. Im Anschluss wurden die Wandelemente mit dem Stahl-Bodenanker auf dem Betonboden verbunden und befestigt. Bei den Hangars werden die horizontalen Lasten infolge Wind und Erdbeben über die Dachscheibe in die definierten Wandscheiben in Holzrahmenbauweise eingeleitet. Die resultierenden Zug- und Druckkräfte beziehungsweise die Schubkräfte werden am Fusse der Wandscheiben über Stahlteile in die Fundation eingeleitet. Das Dach beim Terminal wurde ebenfalls als statische Scheibe ausgebildet. Die horizontalen Schublasten werden direkt auf der Obergeschossebene in den Massivbau geleitet. Die Dachscheiben bestehen konkret aus einzelnen Dachelementen mit einer Beplankung aus Dreischichtplatten von 27 Millimetern, welche über die gesamte Dachfläche mit Nägeln zu einer grossen statischen Scheibe ausgebildet wurden. Die Dachscheibe ist an symmetrisch angeordnete Wandscheiben angeschlossen, wobei die statische Scheibenwirkung der Wandscheiben über eine OSB-Platte von 15 Millimetern erreicht wird. Die Normal- und Schubkraftverankerung der Wandscheiben erfolgt über eingeschlitzte Stahlteile mit Stabdübeln am Fundament.


    Abgestimmt auf die erhöhte Lage des Objekts auf 1'000 Metern über Meer wurden die Gebäude überdurchschnittlich gut gegen Wärmeverlust und Lärm gedämmt und so optimal auf die heutigen Bedürfnisse abgestimmt. Wichtig im Projekt und auch Vorgabe seitens der Bauherrschaft war es, einheimische Unternehmen in der Planung und Ausführung zu berücksichtigen, wodurch die gesamte Wertschöpfung im Saanenland blieb. Während der gesamten Bauphase konnte der Flugbetrieb aufrechterhalten werden. Aufgrund der speziellen Transport- und Montagezustände, der Logistik, Materialanlieferung und Umschlag in der Nähe des Flugbetriebs sowie der geltenden Vorschriften war die gute Abstimmung und Zusammenarbeit im Projekt sowie mit den verschiedenen Verantwortlichen und Behörden sehr wichtig.

  3. Innovation

    Der Airport Gstaad ist der erste Flugplatz, der durch PIRMIN JUNG geplant wurde. Ein repräsentativer Bau, der mit seinen imposanten Fachwerken symbolisch für unsere Ingenieurs- und Planungsleistung steht.

Projektinformationen
Standort
3792 Saanen
Fertigstellung
2018
Bauherrschaft
Airport Saanen-Gstaad 3792 Saanen
Architektur
Jaggi Architektur & Innenarchitektur 3780 Gstaad
Holzbau
Bach & Perretten Holzbau GmbH 3780 Gstaad Brawand Zimmerei AG 3818 Grindelwald Chaletbau Matti Holzbau AG 3792 Saanen
Bauart
Flugplatz, Airport
Geschosse
2
Bauzeit
April 2017 – Juni 2018
Gebäudegrundfläche
4'830 m²
Geschossfläche
6'120 m²
Gebäudevolumen
58'500 mÂł
Verbautes Holz
1'875 m³ Brettschichtholz, Konstruktionsholz, Massivholzplatten 7’746 m² Fassadenschalung, Innenbekleidung DSP
Grösste Spannweite
Decke: 17 m Dach: 36 m
Kosten Holzbau
5,4 Mio. CHF
Erstellungskosten
27 Mio. CHF

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