Das Collegium Academicum ist ein Wohnheim und eine Begegnungsstätte für Studierende und junge Berufstätige. Im Mittelpunkt stehen Nachhaltigkeit und Innovation. Die Bauherrschaft hat in Eigeninitiative Fördermittel und Unterstützer organisiert, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das Tragwerk ist eine Holzkonstruktion, die durch form- und kraftschlüssige «Nur-Holz-Verbindungen» gefügt wird. Dabei wurden alte, traditionelle Zimmermannsverbindungen neu gedacht und wirksam eingesetzt. Um die Lasten in den Anschlüssen niedrig zu halten und eine flexible Raumaufteilung zu ermöglichen, wurde ein enges Konstruktionsraster gewählt. Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt über Brettsperrholz-Scheiben in Wand- und Deckenebene. Die Laubengänge fungieren als vorgesetztes Stabtragwerk. Im Gebäude gibt es Gemeinschaftsflächen wie eine Aula und eine Werkstatt zum Bau eigener Möbel. Mithilfe des im Vorfeld gebauten Demonstrators konnten die Montagefähigkeit der geplanten Konstruktion geprüft und Testmessungen bezüglich des Schallschutzes durchgeführt werden. Das Projekt ist NaWoh-zertifiziert.
Generelle Info
Das Collegium Academicum in Heidelberg ist ein viergeschossiges Wohnheim und eine Begegnungsstätte für Studierende und junge Berufstätige. Es wurde in moderner Holzskelettbauweise errichtet. Es verbindet konstruktive Innovation mit einem flexiblen und suffizienten Wohnkonzept und setzt auf eine nachhaltige Bauweise mit präzise ausgearbeiteten Holz-Holz-Verbindungen. Die Bauherrschaft, eine Gruppe engagierter Studierender, organisierte in Eigeninitiative Fördermittel und Unterstützer:innen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und das Wohnheim zu realisieren. Das Gebäude dient als Modell für eine wirtschaftliche, kreislauffähige Holzbauweise ohne metallische Verbindungselemente und zeigt, wie sich traditionelle Handwerkstechniken zeitgemäß interpretieren lassen. Durch die flächenoptimierte und flexible Gestaltung wird wirtschaftliches und nachhaltiges Wohnen praktisch erlebbar.
Tragwerksplanung
In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro wurde ein Holzskelettsystem entwickelt, das tragende Elemente über präzise ausgearbeitete, rein geometrische Holz-Holz-Verbindungen form- und kraftschlüssig miteinander verbindet. Dabei wurden traditionelle Zimmerertechniken wie Holznägel, Schwalbenschwanz- oder Zapfenverbindungen konstruktiv weiterentwickelt und modern interpretiert. Zentrales Element des Systems sind die Holzverbindungsmittel, die Lasten aus Decken und Wänden gezielt in die Stützen einleiten. Besonders an Geschossübergängen und Bodenanschlüssen wurden diese differenziert ausgearbeitet, um die Tragfähigkeit optimal zu gewährleisten.
Das Gebäude ist in statisch voneinander unabhängige Abschnitte gegliedert. Diese Struktur erhöht die Robustheit und erleichtert spätere flexible Anpassungen. Sämtliche Stützen wurden brandschutztechnisch auf Abbrand bemessen und überwiegend aus Fichtenholz gefertigt. Im Erdgeschoss kamen aufgrund der höheren Lasten Stützen aus BauBuche (Buchen-Furnierschichtholz) zum Einsatz.
Das Tragwerk ist bewusst von der inneren Raumstruktur entkoppelt. Trennwände können versetzt werden, sodass sich Grundrisse leicht an veränderte Nutzungsanforderungen anpassen lassen. Einzelzimmer lassen sich zu größeren Einheiten zusammenlegen und Gemeinschaftsflächen neu organisieren.
Dank eines Vorfertigungsgrads von rund 80 Prozent und der hohen Präzision der Holzverbindungen konnte die Montage auf der Baustelle schnell, exakt und mit klar kalkulierbaren Bauzeiten erfolgen.
Brandschutz
Die Anforderungen an den Brandschutz wurden in die Tragwerksplanung integriert. So sind tragende Holzteile für Feuerwiderstandsklassen von R60 bzw. R90 ausgelegt. Diese Vorgaben beeinflussten unmittelbar die Dimensionierung der Stützen und Träger.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Der Neubau, der als KfW-Effizienzhaus 40 Plus konzipiert wurde, erfüllt hohe energetische und technische Standards. Vollholzdecken mit elastisch gebundener Splittschüttung und schwimmendem Estrich auf Trittschalldämmung erfüllen die Schallschutzanforderungen (Mindestschallschutz), was für gemeinschaftliches Wohnen von entscheidender Bedeutung ist. Das System wird durch vorgefertigte Nasszellen ergänzt, die präzise in die Tragstruktur und den Bauablauf integriert wurden und eine kontrollierte Ausführungsqualität gewährleisten.
Innovation
Das Collegium Academicum zeigt, dass ein mehrgeschossiger Holzbau ohne metallische Verbindungsmittel technisch belastbar, wirtschaftlich realisierbar und architektonisch anspruchsvoll umgesetzt werden kann. Grundlage ist ein industriell vorgefertigtes Holzskelettsystem, das traditionelle Zimmermannsverbindungen weiterdenkt und in präzise gefertigte Holz-Holz-Knoten überführt. So entsteht eine montagefreundliche, robuste und zugleich kreislauffähige Tragstruktur. Die vollständig rückbaubaren Verbindungen sind integraler Bestandteil des konstruktiven Prinzips. Nahezu alle tragenden Bauteile lassen sich sortenrein trennen und wiederverwenden.
Mit seinem innovativen und höchst flexiblen Wohnkonzept ist das Gebäude ein vorbildliches Beispiel für Suffizienz im Wohnungsbau und erfüllt die Anforderungen an wirtschaftlichen und nachhaltigen Wohnraum.
Mit seiner NaWoh-Zertifizierung und dem hohen Vorfertigungsgrad steht das Gebäude exemplarisch für einen nachhaltigen Geschosswohnungsbau in Holzbauweise, der konstruktive Innovation, Ressourceneffizienz und langfristige Nutzungsqualität vereint.
Projektinformationen
- Standort
- 69126 Heidelberg
- Fertigstellung
- 2023
- Bauherrschaft
- Collegium Academicum GmbH 69117 Heidelberg
- Architektur
- DGJ Architektur GmbH 60594 Frankfurt
- Holzbau
- ZÜBLIN Timber GmbH 86551 Aichach
- Fotografie
- Thilo Ross, Heidelberg
- Bauart
- Wohnen
- Geschosse
- 4
- Bauzeit
- 2016 - 2023
- Montage Holzbau
- November 2020 – Juli 2023
- Gebäudegrundfläche
- 5´882 m2
- Geschossfläche
- 4´456 m2
- Gebäudevolumen
- 23´821 m3
- Grösste Spannweite
- Decke und Dach je: 3 m Aulaträger: 11,5 m
- Kosten Holzbau
- KG 300: 11,7 Mio EUR brutto KG 400: 3,22 Mio EUR brutto
- Erstellungskosten
- 21,27 Mio EUR brutto
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2025
- Deutscher Holzbaupreis
- 2025
- DETAIL Construction Award 2025, Gewinner | Kategorie Tragkonstruktionen
- 2025
- New European Bauhaus Prize | Kategorie «NEB Affordable Housing»
- 2024
- Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur
- 2024
- Holzbaupreis Baden-Württemberg
- 2024
- Badischer Architekturpreis | Kategorie «Ökoglogisches Bauen»
- 2024
- Deutscher Bauherrenpreis
- 2024
- CONSTRUMAT Awards in Sustainability | Audience Award
- 2024
- Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg | Prozess und Initiative
- 2023
- Beispielhaftes Bauen Heidelberg 2017-2023






















