Der Schwyzer Schokoladehersteller Max Felchlin AG bezog im Februar 2019 sein neues Kunden- und Schulungszentrum. Mit dem Neubau des Firmensitzes wollte die Max Felchlin AG die drei Standorte auf dem Industrieareal in Ibach zusammenlegen. Die ersten vier Geschosse sind als Hybrid-, das fünfte Obergeschoss als Holzbau realisiert. Zu unserem Auftrag gehörte der Hybridbau bis ins zweitoberste Geschoss, der Boden des obersten Geschosses in Holz-Beton-Verbund und das Dachtragwerk in Holz. Wir übernahmen zusätzlich die Brandschutzplanung und die Bauphysik. In der Dachkonstruktion wird lokale Zimmermannskunst zelebriert. Diese erlaubt ein punktuelles Ableiten der statischen Kräfte auf nur wenige Stützen. Die Max Felchlin AG setzt nicht nur auf Holz, sondern auch auf Schweizer Holz. Für dieses Engagement wurde die Max Felchlin AG von der Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz mit dem "Herkunftszeichen Schweizer Holz" ausgezeichnet.
Generelle Info
Mit dem Erweiterungsbau in Ibach vereinte die Firma Max Felchlin AG drei Standorte, um Synergien zwischen den einzelnen Bereichen besser nutzen zu können. Die bestehende Fertigungsfabrik wurde durch einen mehrgeschossigen Bürotrakt sowie einen aufgesetzten Verbindungsaufbau erweitert, in welchem Kunden aus aller Welt geschult und betreut werden können. Die ersten vier Geschosse sind als Hybridbau, das fünfte Obergeschoss als Holzbau realisiert. Die Max Felchlin AG wurde mit dem «Herkunftszeichen Schweizer Holz» ausgezeichnet. Die äussere Form und Gestalt des Baukörpers orientiert sich an den dahinterliegenden Gipfeln.
Tragwerksplanung
Der Ergänzungsbau mit den Büros wurde in den Regelgeschossen als Hybridbau ausgeführt: Die Stützen und Decken in Betonbauweise, die nichttragenden, gedämmten Aussenwandelemente in Holzsystembauweise. Damit konnten die Aussenwände sehr schlank gehalten werden. Die Betontragstruktur konnte in kurzer Zeit erstellt und die Aussenwandelemente innerhalb weniger Tage montiert werden.
Die Decke des obersten Bürogeschosses respektive der Boden des Überbaus sowie das Dach bilden den Übergang zum reinen Holzbau. Neben den grossen Spannweiten und Auskragungen der Decke sollte die Dachkonstruktion als räumliches Tragwerk ein wichtiger Bestandteil der Architektur sein. Der Boden weist Auskragungen von bis zu 4,5 Metern auf, welche mit einzelnen starken Brettschichtholzträgern ausgeführt wurden. Teilweise werden über diese Träger auch Lasten aus dem Dach abgetragen. Zwischen die Brettschichtholzträger sind Holz-Beton-Verbunddecken (HBV-Decken) montiert. Deren Überbeton ist ebenfalls mit den vorgenannten Abfangträgern verbunden, um deren Steifigkeit zu erhöhen. Die HBV-Decken bestehen aus Holzrippen, die mittels Kerven schubsteif mit dem Überbeton verbunden sind. Um den Überbeton zwischen den Rippen nicht abschalen zu müssen, wurden Filigran-Betonelemente auf die Balken gelegt und nur noch eine reduzierte Ortbetonschicht aufgebracht.
Über der grossen Durchfahrt, dem Verbindungsbereich zwischen Alt- und Neubau, spannen drei Fachwerke, welche in zwei Aussen- und einer Innenwand integriert sind. Durch eine geschickte Anordnung der Streben waren auch die notwendigen Türen und Fenster möglich. Da der Altbau nur an einzelnen Punkten belastet werden konnte – und diese Punkte nicht mit der Architektur des Überbaus kongruent sind –, wurde über dem Bestandsbau ein Stahlträgerrost mit 450 mm hohen Stahlprofilen ausgeführt. Dieser nimmt die Dachgeschosslasten auf und verteilt diese auf die definierten Lastabtragungspunkte.
Durch die zusätzliche Vertikalbelastung aus dem Verbindungsbau auf die bestehende Gebäudekonstruktion mussten Teile der bestehenden Tragstruktur verstärkt werden (Klebebewehrung, zusätzliche Stahlstützen mit Stahlpilzen, Verstärkung der Bodenplatte usw.). Die Bauarbeiten wurden während laufendem Betrieb ausgeführt, was eine minutiöse Planung voraussetzte.
Die holzbautechnischen Highlights sind die drei Dachhauben. Diese überspannen die beiden grossen Schulungsräume sowie den Verpflegungsraum stützenfrei und stellen ein wichtiges architektonisches Element dar. Um die Dimensionen zu reduzieren, werden deren Bauteile hauptsächlich auf Druck und Zug beansprucht.
Die gesamte horizontale Aussteifung der Bauten musste über den Neubau gelöst werden. Der Bestandsbau konnte keine zusätzlichen horizontalen Kräfte aufnehmen. Daher wurde der gesamte Bodenbereich über der Durchfahrt und dem Bestandsbau als nahezu 40 Meter langer Kragarm ausgebildet. Die Krafteinleitung in den Betonbau erfolgte mit speziellen Stahleinlageteilen sowie mit «zapfenförmig» ausgebildeten Betonwandkronen zur optimalen Schubverzahnung. Der horizontale Lastabtrag im Massivbau erfolgt über Betontragwände sowie über den Treppenhauskern.
Die Fassadenbekleidung besteht aus einem dunklen gebeiztem Tannenholz.
Brandschutz
Innerhalb der Regelgeschosse sorgen horizontale Riegel dafür, dass sich ein allfälliger Brand in der Hinterlüftungsebene nicht ausbreiten kann. Unterhalb des Condirama wurden Fluchttreppen an die Fassade gestellt und als eigenständige Bauteile ergänzt.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Das über Oberlichter einfallende Tageslicht erhellt das Stabwerk des Dachstuhls und erinnert an traditionelle japanische Bauten. Innerhalb des Projekts lag der Fokus stark auf der regionalen Holznutzung, wofür der Bau mit dem Label «Schweizer Holz» ausgezeichnet wurde.
Innovation
Beim Bau des neuen Firmensitzes wurden projektspezifische, auf den Kräftefluss abgestimmte Holzverbindungen mit modernsten Ausführungsmethoden entwickelt.
Projektinformationen
- Standort
- Gotthardstrasse 11 6438 Ibach SZ
- Fertigstellung
- 2019
- Bauherrschaft
- Max Felchlin AG 6438 Ibach SZ
- Architektur
- Meili, Peter & Partner Architekten 8004 ZĂĽrich
- Holzbau
- Hecht Holzbau AG, Sursee Bisang Holzbau AG, KĂĽssnacht neue Holzbau AG, Lungern
- Fotografie
- Karin Gauch, Zug Fabien Schwartz, Zug
- Wettbewerb
- 2021, PRIX Lignum Anerkennung Region Zentrum
- Bauart
- Verwaltung und BĂĽro
- Geschosse
- 5
- Bauzeit
- April 2017 – Februar 2019
- Montage Holzbau
- Februar 2018 – August 2018
- Gebäudegrundfläche
- 1’845 m²
- Geschossfläche
- 5’198 m²
- Gebäudevolumen
- 22’467 m³
- Verbautes Holz
- 1'296 mÂł Davon 83 % Schweizer Holz Massivholz, Leimholz und Holzwerkstoffe
- Grösste Spannweite
- Dach: 19,5 m
- Kosten Holzbau
- 3,4 Mio. CHF
- Erstellungskosten
- 24 Mio. CHF





















