In Mannheim wurden vier dreigeschossige Wohngebäude, ein zweigeschossiges Gemeinschaftsgebäude sowie eine zweigeschossige Aufstockung realisiert. Im Untergeschoss befinden sich eine Tiefgarage und Kellerräume. Die Holzgebäude wurden mit HBV-Decken als Geschossdecken mit sichtbarer Holzuntersicht ausgeführt. Das Dach wurde aus Brettsperrholz gefertigt. Die tragenden und aussteifenden Außen- und Innenwände wurden in Holztafelbauweise hergestellt. Die Außenwände erhielten eine Holzfassade aus Weisstanne. Die Erschließung der Gebäude erfolgt über vier Außentreppen, über die der umlaufende Laubengang erreicht wird. Zusätzlich gibt es zwei freistehende Aufzugsschächte aus Brettsperrholz. Die freitragenden Laubengänge wurden in Holzbauweise mit vorgefertigten Hohlkastenelementen errichtet. Die stützenfrei auskragenden Laubengänge hängen teils an Wandscheiben aus Brettsperrholz und teils an brüstungshohen Furnierschichtholzüberzügen frei vor dem Gebäude.
Generelle Info
Das Projekt «Franklin Village» in Mannheim zeigt, welches Potenzial im mehrgeschossigen Holzbau steckt, wenn Tragwerksplanung, Bauphysik und Brandschutz von Beginn an gemeinsam berücksichtigt werden. Auf dem Gelände der ehemaligen US-Wohnsiedlung Benjamin Franklin Village ist ein Wohnquartier mit 90 Wohnungen, einem Gemeinschaftshaus sowie einem aufgestockten Bestandsgebäude entstanden. Das Projekt verbindet wirtschaftliche Bauweisen, hohe Wohnqualität und nachhaltige Stadtentwicklung und macht deutlich, wie integrale Planung den Holzbau für den geförderten Wohnungsbau weiterentwickelt.
Tragwerksplanung
Bei der konstruktiven Planung lag der Fokus auf einem hohen Vorfertigungsgrad, kurzen Bauzeiten und einem effizienten Materialeinsatz. Tragende und aussteifende Außen- und Innenwände wurden überwiegend in Holztafelbauweise ausgeführt. Fenster, Fassadenelemente und weitere Bauteilkomponenten konnten bereits im Werk integriert werden, was für einen präzisen und zügigen Bauablauf sorgte.
Eine besondere Herausforderung stellten die umlaufenden Laubengänge dar. Auskragungen von über drei Metern erforderten eine dauerhaft stabile, wirtschaftliche und zugleich offen gestaltete Konstruktion. Die Lösung besteht aus vorgefertigten Hohlkastenträgern und Brettsperrholzelementen, die durch gezielt eingesetzte Stahlprofile ergänzt werden. Dadurch konnten zusätzliche Stützen vermieden werden, sodass die gemeinschaftlich genutzten Freiräume erhalten blieben.
Auch die Geschossdecken folgen diesem integralen Ansatz. Die Holz-Beton-Verbunddecken verbinden die Vorteile beider Baustoffe: Das Holz übernimmt die Zugkräfte und ermöglicht eine ressourcenschonende Konstruktion, während der Beton die Druckkräfte aufnimmt und gleichzeitig den Schall- und Schwingungskomfort verbessert. So entstand eine leistungsfähige Deckenkonstruktion, die den Anforderungen des mehrgeschossigen Wohnungsbaus gerecht wird.
Brandschutz
Der Brandschutz wurde konsequent in die Gesamtplanung integriert. Anstatt tragende Holzbauteile vollständig zu verkleiden, wurden ihre Querschnitte auf Grundlage der Abbrandbemessung dimensioniert. Zusätzliche Materialreserven berücksichtigen den zu erwartenden Holzabtrag im Brandfall und gewährleisten die geforderte Feuerwiderstandsdauer.
So konnten die Holzoberflächen sichtbar bleiben und gleichzeitig die Anforderungen der Gebäudeklasse 3 erfüllt werden. Diese Lösung verbindet Sicherheit mit der architektonischen Qualität des sichtbaren Baustoffs Holz.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Die bauphysikalische Planung war ebenfalls wesentlicher Bestandteil der konstruktiven Entwicklung. Das Ziel bestand darin, hohe Anforderungen an den Schallschutz und den Wohnkomfort mit schlanken, wirtschaftlichen Bauteilen zu verbinden.
Wohnungstrennwände wurden so entwickelt, dass trotz geringer Wandstärken hohe Schalldämmwerte erreicht werden, was sie zu einer guten Wahl für den Schallschutz macht. Ergänzende Vorsatzschalen und entkoppelte Konstruktionen gewährleisten den akustischen Komfort, ohne die Vorteile des Holzbaus zu beeinträchtigen.
Auch die technische Gebäudeausrüstung wurde frühzeitig in die Planung integriert. Durch gebündelte Installationen und eine reduzierte Anzahl an Schächten konnten technische Komplexität, Baukosten und spätere Wartungsaufwände spürbar gesenkt werden.
Innovation
Das «Franklin Village» zeigt, dass wirtschaftlicher Wohnungsbau, hohe Vorfertigung und anspruchsvolle technische Anforderungen kein Widerspruch sind. Besonders die Verbindung von Neubau und Bestand verdeutlicht das Potenzial moderner Holzbausysteme: Ein Gebäude aus den 1950er-Jahren wurde um zwei Vollgeschosse in Holzbauweise ergänzt, ohne dass umfangreiche Verstärkungen des Bestands erforderlich waren.
Das Projekt steht beispielhaft für einen integralen Planungsansatz, bei dem Tragwerk, Bauphysik und Brandschutz nicht nacheinander, sondern gemeinsam entwickelt werden. So entstehen Lösungen, die Ressourcen effizient nutzen, Bauprozesse optimieren und zugleich hohe architektonische und funktionale Qualitäten ermöglichen.
Projektinformationen
- Standort
- Franklin-D.-Roosevelt-StraĂźe 98-108 68309 Mannheim
- Fertigstellung
- 2023
- Bauherrschaft
- OT Franklin Mannheim GmbH 69124 Heidelberg
- Architektur
- Sauerbruch Hutton 10557 Berlin
- Holzbau
- oa.sys baut gmbh 6861 Alberschwende Ă–sterreich
- Fotografie
- Jan Bitter, Berlin
- Bauart
- Wohnen
- Geschosse
- vier dreigeschossige Neubauten Aufstockung eines Bestandsgebäudes
- Bauzeit
- November 2020 - April 2024
- Gebäudegrundfläche
- rund 8´500 m2
- Verbautes Holz
- rund 1´1160 m3
- Energieeffiziens
- KfW-55-Standard
- Konstruktive Details
- Tragende Konstruktion in Holztafelbauweise Holz-Beton-Verbunddecken mit sichtbarer Holzuntersicht Dachkonstruktionen und Aufzugsschächte aus Brettsperr-holz
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2025
- Deutscher Architekturpreis
- 2025
- polisAWARD, 2. Platz | Soziale Quartiersentwicklung
- 2025
- Green Solutions Award | Kategorie: Stadterneuerung | Erwähnung
- 2025
- Deutscher Holzbaupreis | Engere Wahl
- 2025
- Bundespreis UMWELT & BAUEN 2025, Finalist | Kategorie Quartiere
- 2026
- DAM Preis fĂĽr Architektur in Deutschland | Nominierung
- 2026
- Holzbaupreis Baden-WĂĽrttemberg | Anerkennung


















