In Sursee, gleich neben der Altstadt, sind auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei drei neue Wohngebäude entstanden. Das Luzerner Architekturbüro Scheitlin & Syfrig hat die Bebauung entworfen, und die Renggli AG hat die viergeschossigen Gebäude im Holzsystembau nach dem Minergie-A-ECO Standard erstellt. Die Treppenhäuser in Ortbeton bilden das Rückgrat der drei Mehrfamilienhäuser. Auf den Mittelachsen und den Aussenwänden liegt das Sekundärtragwerk (Hohlkastenelement) auf. Um die Spannweiten einzelner Deckenelemente zu verkürzen, sind einige wenige Innenwände tragend ausgebildet, alle anderen Innenwände sind nichttragend.
Generelle Info
In Sursee, unmittelbar angrenzend an die Altstadt, wurden auf dem Areal einer ehemaligen Gärtnerei drei neue Mehrfamilienhäuser realisiert. Die viergeschossigen Gebäude weisen eine hybride Tragstruktur auf: Die Untergeschosse und Treppenhauskerne wurden in Massivbauweise ausgebildet, während die darüberliegenden Geschosse in Holzsystembauweise erstellt wurden. Die drei Baukörper sind als eigenständige Volumen angeordnet und fügen sich durch ihre Setzung und Materialisierung harmonisch in das bestehende Kleinstadtquartier ein.
Tragwerksplanung
Der grundwasserhaltige Baugrund in unmittelbarer Nähe zur Sure erforderte eine entsprechende Gründung. Deshalb musste das Bauvorhaben vorgängig gepfählt werden. Gleichzeitig stellte die Forderung nach einer besonders nachhaltigen und zukunftsweisenden Bauweise hohe Anforderungen an die konstruktive Umsetzung. Die Treppenhauskerne aus Ortbeton bilden das konstruktive Rückgrat der drei Mehrfamilienhäuser. Die Lastabtragung der Holztragstruktur erfolgt über ein Sekundärtragwerk, das auf den Aussenwänden sowie auf Mittelachsen aus Stahlunterzügen aufliegt. Bei allen drei Gebäuden sind diese Mittelachsen in Form eines «L» ausgebildet, wobei sich deren Geometrie abhängig vom jeweiligen Grundriss unterschiedlich stark öffnet. Um die Spannweiten der einzelnen Deckenelemente zu reduzieren, wurden gezielt einzelne Innenwände als tragende Bauteile ausgebildet. Die übrigen Innenwände sind nicht tragend ausgeführt und ermöglichen dadurch eine hohe Flexibilität hinsichtlich der Nutzung und Grundrissanpassungen.
Die Flachdächer über den Attikawohnungen bestehen aus hohlraumfrei ausgedämmten Hohlkastenelementen. Nach dem Aufrichten der Elemente wurde zunächst eine Bauzeitabdichtung aufgeschweisst. In einem späteren Arbeitsschritt wurde die Dachkonstruktion durch eine Gefälle- und Überdämmung ergänzt. Auch die Geschossdecken wurden mit verklebten Hohlkastenelementen ausgeführt. Diese wurden bereits im Werk vorgefertigt und mit einer Kalksplittschüttung befüllt. Die Ausbildung der erforderlichen Deckenscheibe erfolgt über vernagelte Elementstösse. Unterseitig ergänzen abgehängte Gipsdecken die Konstruktion und schaffen den notwendigen Installationsraum. Auf die Deckenelemente wurden eine Trittschalldämmung sowie ein zementgebundener Unterlagsboden angeordnet. Die Aussenwände sind als tragende Holzrahmenbauwände mit integrierten Brettschichtholzstützen konzipiert. Auf der Raumseite wurden die Wandkonstruktionen mit Gipsfaserplatten beplankt und durch eine Dampfbremse sowie eine Gipskartonplatte mit Weissputz ergänzt.
Die horizontale Aussteifung der Gebäude erfolgt über die drei aufgebauten Deckenscheiben sowie die Dachscheibe, die jeweils aus verklebten Hohlkastenelementen sind. Die Scheiben sind an den betonierten Treppenhauskern sowie an eine zusätzliche aussteifende Innenwandscheibe angeschlossen. Ergänzend wurden die Deckenscheiben über einzelne Stahlunterzüge am Treppenhaus «angehängt». Dadurch kann die Gesamtsteifigkeit der Konstruktion erhöht werden. Zur Untersuchung des Tragverhaltens wurde das Gebäudemodell mithilfe des Antwortspektrum-Verfahrens in einem Finite-Elemente-Programm berechnet. Dabei wurden insbesondere die Lasten, Grundschwingzeiten und Verformungen untersucht. Durch die numerische Modellierung konnte dem asymmetrischen Grundriss, den vergleichsweise «weichen» Deckenscheiben sowie den unterschiedlichen Steifigkeiten zwischen dem massiven Treppenhauskern und der zusätzlichen aussteifenden Wandscheibe Rechnung getragen werden.
Die Fassadengestaltung basiert im Wesentlichen auf dem Zusammenspiel zweier Materialien. Die horizontalen Geschossbänder, die Brüstungen der Balkone und Terrassen sowie die Fensterzargen sind in Metall ausgeführt. Die dazwischenliegenden flächigen Füllbereiche bestehen aus Holz. Die unterschiedlichen Fassadenelemente sind farblich aufeinander abgestimmt und bilden dadurch ein einheitliches Erscheinungsbild. Horizontale Metallverkleidungen im Bereich der Boden-, Decken- und Dachanschlüsse akzentuieren die Fassade und übernehmen gleichzeitig die Funktion von Brandschürzen innerhalb der hinterlüfteten Holzfassade.
Eine Herausforderung bestand in der Schnittstelle zwischen den beiden Bausystemen der Ortbetontreppenhäuser und dem hoch vorgefertigten Holzbau. Zusammen mit den geometrischen Gegebenheiten der geöffneten Winkel der Grundrisse ergab sich eine Vielzahl an geometrisch unterschiedlichen Anschlusssituationen, die es zusammenzuführen galt. Hinzu kamen die durch die Bauweisen bedingten unterschiedlichen Masstoleranzen zwischen Beton- und Holzbau. Die an die Betonkerne anschliessenden, stützenfrei auskragenden Balkone wurden mit an die Treppenhäuser eingespannten Brüstungsträgern aus Brettschichtholz erreicht. Auch hier waren Detaillösungen gefragt, die einfach und schnell zu montieren sind und dennoch Masstoleranzen auffangen können. Durch die weitgehende Vorfertigung konnte die Montage der Gebäude äusserst effizient erfolgen: Die drei Gebäude wurden innerhalb von nur zehn Tagen aufgerichtet.
Brandschutz
Beim Bau wurden die gĂĽltigen Brandschutzvorschriften nach VKF 2003 eingehalten.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Durch die Nutzung der Wohneinheiten von unterschiedlichen Parteien wurden erhöhte Anforderungen an den Schallschutz gestellt. Gleichzeitig bestanden besondere ökologische Anforderungen an das Projekt. Generell waren nachhaltige und zukunftsweisende Bauten gefordert, die konsequent auf die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft ausgerichtet sind. Die drei Mehrfamilienhäuser wurden als erste Gebäude im Kanton Luzern nach dem Minergie-A-ECO-Standard realisiert.
Innovation
Im Projekt «Mehrfamilienhäuser Citypark» wurden hohe Anforderungen an eine nachhaltige und zukunftsweisende Bauweise gestellt. Die drei Mehrfamilienhäuser sind die ersten Minergie-A-Bauten im Kanton Luzern und gelten als ökologisches Vorzeigeprojekt.
Projektinformationen
- Standort
- 6210 Sursee
- Fertigstellung
- 2013
- Bauherrschaft
- St. Georg Immobilien AG 6210 Sursee
- Architektur
- Scheitlin Syfrig Architekten 6005 Luzern
- Holzbau
- Renggli AG Holzbau 6247 Schötz
- Bauart
- Wohnen: 3 Gebäude à 7 Wohnungen
- Geschosse
- 4
- Bauzeit
- März 2012 – Dezember 2013
- Gebäudegrundfläche
- 2’457 m²
- Geschossfläche
- 1'471 m² (alle drei MFH)
- Gebäudevolumen
- 3’585 m³ (alle drei MFH)
- Verbautes Holz
- 489 m³ Brettschichtholz, schichtverleimtes Vollholz 54 m³ Brettsperrholz 6'000 m² Dreischichtplatten
- Grösste Spannweite
- Decken: 7,5 m
- Kosten Holzbau
- 1,39 Mio. CHF
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2017
- Auszeichnung guter Baukultur Kanton Luzern (2005-2016)
















