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Mehrfamilienhäuser Hegianwandweg 28-36

Die Wohnüberbauung am Hegianwandweg in Zürich hatte für die Entwicklung des Holzbaus eine Vorreiterfunktion. Die Familiengenossenschaft Zürich (FGZ) realisierte hier 5 Wohnblocks mit total 76 Mietwohnungen. Der Wettbewerb wurde von EM2N Architekten mit einem Massivbau gewonnen. Um die hohen Ziele der geforderten Nachhaltigkeit zu erreichen, suchte man die Zusammenarbeit mit PIRMIN JUNG und wechselte für die weitere Bearbeitung hin zu einem Holzbau. Eine Besonderheit liegt darin, dass die Untergeschosse und die Erschliessungszonen mit den Treppenhäusern und den Nassräumen betoniert sind, alle anderen Bauteile wie Decken, Aussenwände und auskragende Balkone in reiner Holzbauweise gefertigt wurden. Die Gebäude haben keine tragenden Innenwände – jedes Geschoss ist eine grosse Halle, in welche mit nichttragenden Wänden die Wohnungen organisiert wurden. Das Projekt galt für die Vereinigung der Kantonalen Feuerversicherungen VKF als Pilotprojekt im Hinblick auf die liberaleren Brandschutznormen ab 2005.

  1. Generelle Info

    Die Wohnüberbauung am Hegianwandweg besteht aus insgesamt fünf Mehrfamilienhäusern mit jeweils vier oder fünf Geschossen und beherbergt 75 Wohnungen, einen Gemeinschaftsraum, Kindergärten und Ateliers. Was zuerst als reiner Massivbau geplant war, überzeugte aufgrund von Gesprächen mit Holzbaufachleuten in Form einer Mischbaulösung. Die Untergeschosse sowie die Erschliessungskerne mit den Treppenhäusern wurden in Massivbauweise errichtet, alle anderen Bauteile wie Decken, Aussenwände und auskragende Balkone wurden in reiner Holzbauweise gefertigt.

  2. Tragwerksplanung

    Der Kern mit Treppenhausanlagen und Nasszellen besteht aus Beton. An den Kern angehängt sind die Geschossdecken aus Holz. Diese tragen frei über sechs Meter bis zu den Aussenwänden und bauen auf einem 200 Millimeter starken Brettstapelelement auf. Die auskragenden Balkone wurden mit Stichbalken gebildet, welche im Abstand von 600 Millimetern in die Brettstapelelemente eingebaut sind. Um die Steifigkeit der Balkone zu erhöhen, wurden die Sticher an den Enden mit einem längs zum Balkon verlaufenden Stahlprofil verbunden. Die Aussenwände sind in Rahmenbauweise konstruiert, wobei die anfallenden Lasten aus den Decken über einen Sturz aus Furnierschichtholz in die Hauptständer abgeleitet werden. Diese wiederum stehen im Abstand von maximal 2,9 Metern direkt übereinander und übertragen die Kräfte von Längsholz zu Längsholz. Die Aussenwände, die in Rahmenbauweise konstruiert wurden, verfügen über viele Fenster und können nur bedingt horizontale Lasten übernehmen. Deshalb sind die Decken als Scheiben ausgebildet, womit die anfallenden horizontalen Lasten in den Betonkern eingeleitet werden. Die Gebäude haben keine tragenden Innenwände – jedes Geschoss ist eine grosse Halle, wodurch sich die Wohnungen flexibel gestalten und nutzen lassen. Aufgrund der hohen Vorfertigung der Wand- und Deckenelemente konnte eine verkürzte Bauzeit ermöglicht werden.


    Dachaufbau:
    Substrat auf Flachdachfolie, Mineralfaserdämmung, Dampfsperre, Brettstapelelemente, Unterzüge und Innenstützen aus Stahl, Brandschutzverkleidung, Lattung mit Federschienen, Dämmung, Gipskartonplatten


    Geschossdecke:
    Parkett, Unterlagsboden Anhydrit, Folie, Trittschalldämmung, Folie, Brettstapelelemente (mit Balkonsticher), Unterzüge und Innenstützen aus Stahl, Brandschutzverkleidung, Lattung mit Federschienen, Dämmung, Gipskartonplatten


    Wände:
    Gipskartonplatten, Lattung/Mineralfaserdämmung, Dampfbremse, Gipsfaserplatte, Ständer/Mineralfaserdämmung, Gipsfaserplatte, Windpapier, Lattung vertikal, Silikatputzträgerplatte, Verputz

  3. Brandschutz

    Die Sicherstellung der Realisierbarkeit des fünfgeschossigen Holzbaus stand im Zentrum. Die kantonale Feuerwehrpolizei zeigte sich offen, das Vorhaben im Sinne der in Aussicht gestellten Brandschutzvorschriften von 2005 zu behandeln. Sämtliche Decken weisen einen Brandwiderstand von 60 Minuten auf. Die doppelte Beplankung mit Gipskarton konnte dabei nicht als Brandschutzverkleidung herangezogen werden, da im Hohlraum Installationen geführt werden. Um die Rauchdichtheit zu gewährleisten, wurde auf den Brettstapel eine Folie verlegt und an alle anschliessenden Bauteile sauber abgeklebt. In der Aussenwandkonstruktion wurde ebenfalls ein Brandwiderstand von 60 Minuten ausgebildet. Sämtliche Wohnungen sind untereinander brandabschnittsbildend in F60 unterteilt. Weiter sind alle Wohnungen direkt über die nichtbrennbaren Treppenhäuser erschlossen, sodass die Fluchtwege sichergestellt sind. Die Fassadenverkleidung wurde nichtbrennbar ausgebildet, sämtliche Gebäude sind mit einer Blitzschutzanlage versehen. Bei der Brandschutzplanung, der Konstruktionsentwicklung, bei Ausschreibung und der Werkstattplanung wurden wir von Makiol Wiederkehr AG unterstützt.

  4. Innovation

    Die WohnĂĽberbauung am Hegianwandweg in ZĂĽrich hatte fĂĽr die Entwicklung des Holzbaus eine Vorreiterfunktion. Das Projekt galt fĂĽr die Vereinigung der Kantonalen Feuerversicherungen VKF als Pilotprojekt im Hinblick auf die liberaleren Brandschutznormen ab 2005.

Projektinformationen
Standort
Hegianwandweg 28-36 8045 ZĂĽrich
Fertigstellung
2003
Bauherrschaft
Familienheim-Genosschenschaft (FGZ) 8045 ZĂĽrich
Architektur
EM2N Architekten AG 8005 ZĂĽrich
Holzbau
ARGE Zschokke - Heinrich Hatt Haller und Brunners Erben 8000 ZĂĽrich
Bauart
Wohnen, Bildung und Erziehung
Geschosse
4 und 5
Bauzeit
Januar 2002 – April 2003
Gebäudegrundfläche
6’700 m²
Geschossfläche
380 m² / 500 m²
Gebäudevolumen
41’143 m³
Verbautes Holz
Konstruktionsholz: Brettschichtholz 350 mÂł Brettstapelelemente 1'300 mÂł
Grösste Spannweite
Decke: 6 m
Kosten Holzbau
3,2 Mio. CHF
Erstellungskosten
23,9 Mio. CHF

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