Im Kanton Zug wurde mit diesem Projekt der erste Neubau in Holzbauweise und mehr wie zwei Geschossen realisiert. Mehr als bei den meisten anderen Bauweisen muss beim Holzbau neben dem Aussehen schon frühzeitig auf Fragen der Schutzfunktion (Brandschutz, Wärmeschutz, Schallschutz, Luftdichtigkeit), der Dauerhaftigkeit, des Unterhaltes sowie des Systems der Lastabtragung eingegangen werden. Beim Projekt der AWZ war sich das Projektteam dieser Tatsache schon zur Wettbewerbsphase bewusst und hat sie entsprechend berücksichtigt. Durch die Zusammenarbeit mit der Gebäudeversicherung des Kantons Zug konnte ein projektbezogenes Brandschutzkonzept erarbeitet werden, um das 4-geschossige Wohngebäude in Holz zu realisieren. Des Weiteren speziell ist das Installationskonzept, welches jederzeit einfach für Wartung zugänglich ist, und bei dem alle Nasszellen in den massiven Erschliessungskernen angeordnet worden sind. Im Projekt wurden die erhöhten Schallschutzanforderungen nach SIA 181, die Anforderungen nach Minergie mit kontrollierter Lüftung und Nutzung von Sonnenenergie und alle Forderungen nach Wohnungsbewertungssystem (WBS 2000) umgesetzt.
Generelle Info
In Zug wurde bereits im Jahr 2002, als man mit Holz nach geltender Brandschutzvorschriften nur zweigeschossig bauen durfte, ein viergeschossiger, ausdrucksstarker Holzquader als Mehrfamilienhaus realisiert. Die Aussenwände wurden in Holzrahmenbau ausgeführt, die Decken als Holz-Beton-Verbunddecken und es gab keine tragenden Zimmerwände, wodurch die Wohnungen flexibel genutzt werden können. Bei diesem Projekt haben wir zum ersten Mal den Kerto-Fenstersturz in Kombination mit den Skelettstützen in den Aussenwänden entwickelt. Ein System, das heute in der Schweizer Holzbauwelt Standard ist.
Tragwerksplanung
Die Aussenwände wurden als grossformatige Rahmen-Skelettelemente ausgeführt und haben eine Länge von bis zu 12 Metern. Der Ausdruck Rahmen-Skelett meint, dass es in den Aussenwänden Stützen hat, welche dem Tragwerkkonzept zugewiesen sind und bei einer Tiefe von 220 Millimetern vom Erdgeschoss zum Dachgeschoss je nach Belastung aus den Kerto-L-Kopfhölzern in der Breite von 120 auf 60 Millimetern abnehmen. Die dazwischenliegenden Stützen dienen dem Halten der Dämmung und sind bloss 60 Millimeter stark. Diese Skelettstützen sind weiter so abgebunden und mit den Schwellen und Kopfhölzern verbunden, dass die Lasten von Stützenstirne zu Stützenstirne übertragen werden und im Erdgeschoss über Längsholz auf die betonierte Kellerdecke geführt wird. Damit konnte ein mögliches Setzen weitgehend eliminiert werden. Die Wandelemente sind innen und aussen mit Gipsfaserplatte beplankt und mit Mineralfaser gedämmt. Die hinterlüftete Fassadenbekleidung besteht aus einer sägerohen, horizontalen Schalung in Schweizer Douglasie, welche auf eine 40 Millimeter starke Lattung geschraubt wurde. Die Geschossdecken wurden in Holz-Beton-Verbund ausgeführt. Der Verbund besteht aus 100/120 Millimeter starken, sägerohen Brettstapelelementen, die sich auf der oberen Fläche in ihrer Höhe abwechselnd anordnen und auf denen der Überbeton eingebracht wurde. Der Verbund wurde über die sägerohen Flächen der damit resultierten Verzahnung sichergestellt.
Konstruktion F60bbKonstruktion Wände:
Gipskarton, Luftdichtigkeitsschicht, Gipsfaserplatte, Ständer und Dämmung, Gipsfaserplatte, Hinterlüftungslattung, N+K-Schalung Douglaise, sägeroh, unbehandelt.
Konstruktion Decken:
Bodenbelag, Zement-UB, Trittschalldämmung, Überbeton, Brettstapel BRESTA, Gipskarton.
Konstruktion Dach:
Substrat auf Folie, Dämmung, Dampfsperre, Brettstapel, Gipskarton.
Brandschutz
In Zusammenarbeit mit der Gebäudeversicherung des Kantons Zug wurde ein projektspezifisches Brandschutzkonzept erarbeitet. Die gesamte Konstruktion wurde für einen Feuerwiderstand von 60 Minuten ausgebildet. Die Hinterlüftungsebene der viergeschossigen Fassadenverkleidung wurde je Geschoss zweimal unterbrochen, wobei es keine speziellen Zu- und Abluftöffnungen gibt.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Die graue Energie war bei der Baukonstruktion ein wichtiges Thema, weshalb auf eine nachhaltige Bauweise mit Holz gesetzt wurde. Der Aufbau der Geschossdecken erfüllt die erhöhten Anforderungen an die Schallschutzwerte gemäss SIA 181. Zudem wurden die Minergie-Anforderungen mit kontrollierter Lüftung und Nutzung der Sonnenenergie sowie alle Forderungen nach dem Wohnungsbewertungssystem (WBS 2000) umgesetzt.
Innovation
Ein Mehrfamilienhaus in Holzbauweise mit mehr als zwei Geschossen war neu fĂĽr den Kanton Zug. Premiere fĂĽr uns war damals die viergeschossige Holzfassade ohne aussen sichtbare BrandschutzschĂĽrzen, wobei wir heute feststellen dĂĽrfen, dass diese Fassade auch nach 24 Jahren noch in tadellosem Zustand ist. Weiter haben wir fĂĽr dieses Projekt im Rahmen des Vorprojektes die Rahmen-Skelettbauweise entwickelt, wie sie unter Tragwerksplanung beschrieben ist und wie sie heute schweizweit Standard ist.
Projektinformationen
- Standort
- Lorzenstrasse 4, 6 6300 Zug
- Fertigstellung
- 2002
- Bauherrschaft
- Allgemeine Wohnbaugenossenschaft Zug (AWZ) 6300 Zug
- Architektur
- Hegi Koch Kolb Architekten AG 6300 Zug
- Holzbau
- Nussbaumer Holzbau 6340 Baar
- Fotografie
- PIRMIN JUNG Schweiz AG
- Bauart
- Wohnen
- Geschosse
- 4
- Bauzeit
- Oktober 2001 – Oktober 2002
- Gebäudevolumen
- 7’751 m³
- Verbautes Holz
- 227 m³ Konstruktionsholz: 35 m³ und 1'505 m² Massivholz, Brettschichtholz, Brettstapelelemente Fassade: 530 m², sägerohe, einheimische Douglasie Holzpfählung: 2'000 m
- Grösste Spannweite
- Decke: 5,8 m
- Kosten Holzbau
- 588'000 CHF
- Erstellungskosten
- 6 Mio. CHF














