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Mehrfamilienhaus BSH20A «Stories»

Das BSH20 A «Stories» ist eine nahezu filigran wirkende Konstruktion aus Brettsperrholz. Die 35 Wohn- und Gewerbeeinheiten inklusive Parkhaus verteilen sich auf 13 Geschosse. Der elf Meter hohe Betonsockel bildet die Grundlage für den 32,5 m hohen, aufgesetzten Turm aus einer vorgefertigten Brettsperrholz-Plattenkonstruktion (BSP). Als senkrechtes Tragwerk dienen 140 bis 240 mm starke, fast schon elegante Brettsperrholz-Wandsegmente. Sie nehmen gemeinsam mit dem massiven Beton-Treppenhauskern und drei geschlossenen BSP-Wandscheiben rund um den Erschließungsbereich alle vertikalen Lasten auf. Die 15 pro Geschoss verwendeten BSP-Wandsegmente bilden in einem Raster von 4,80 m die sieben Tragachsen des Gebäudes. Der Brandschutz stellt bei zehn Geschossen in Holzbauweise eine Herausforderung dar, die teils durch Kapselungen, teils durch eine entsprechende Berechnung der Sichtdecken auf Abbrand gelöst wurde. Jede Wohnung im Gebäude ist als separater Brandabschnitt ausgelegt. Weitere Brandabschnitte sind die Erschließungskorridore und das Treppenhaus. Die Außenansicht wird vor allem durch das Mikrohabitat rund um den Baukörper geprägt.

  1. Generelle Info

    Mit dem BSH20A «Stories» steht im Amsterdamer Hafen ein 45 Meter hohes Holz-Hybrid-Gebäude, das sowohl Arbeiten als auch Wohnen an einem Ort vereint. Der 13-geschossige Bau mit Tiefgarage wurde in rund zweieinhalb Jahren realisiert und umfasst 35 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Aufgrund seiner Höhe zählt das Projekt zu den anspruchsvolleren Beispielen des zeitgenössischen Holzbaus.

    Es folgt konsequent einem Open-Building-Ansatz. Flexible Grundrisse ermöglichen pro Etage eine Aufteilung in bis zu sechs Einheiten und schaffen somit eine hohe Nutzungsneutralität. Abgesehen vom dreigeschossigen Betonsockel und dem aus Betonfertigteilen gefertigten Erschließungskern ist das Gebäude vollständig in Holz ausgeführt.

  2. Tragwerksplanung

    Der elf Meter hohe Betonsockel bildet die konstruktive Basis für den rund 32,5 Meter hohen Holzturm. Die vertikalen Lasten werden über geschossweise in einem klaren Raster angeordnete Brettsperrholz-Wandsegmente abgetragen. Gemeinsam mit dem massiven Erschließungskern und zusätzlichen, aussteifenden Brettsperrholz-Wandscheiben übernehmen sie die Gesamtstabilisierung des Bauwerks.

    Eine Besonderheit des Projektes liegt in den tragenden Holzportalen mit ihren großformatigen Öffnungen, die über die Erker hinweggeführt sind. Sie ermöglichen flexible Grundrisslösungen, ohne die Tragstruktur zu beeinträchtigen. Der Lastabtrag erfolgt über Brettsperrholzwände mit aufgelegten Unterzügen aus Brettschichtholz. Dadurch konnten große Spannweiten bei vergleichsweise schlanken Querschnitten realisiert werden.

    Konstruktiv anspruchsvoll war insbesondere die Schnittstelle zwischen Holzbau und dem massiven Kern. Die unterschiedlichen Verformungs- und Setzungsverhalten mussten präzise aufeinander abgestimmt werden. Um Setzungen im Holzbau zu minimieren, wurden hier die lastabtragenden Brettsperrholzwände exakt übereinandergeschichtet. Die Wandaufbauten sind zudem so konzipiert, dass sie stets zwei vertikale Decklagen aufweisen. Dieses Prinzip dient sowohl der Tragfähigkeit als auch dem Brandschutz.

    Prägend für das Erscheinungsbild ist zudem die als Mikrohabitat konzipierte Fassade. Balkone und Wintergärten schaffen großzügige Außenräume, während vorgelagerte Begrünung als Verschattung wirkt. So verbessert sich unmittelbar am Gebäude das Mikroklima und die Biodiversität wird gefördert.

  3. Brandschutz

    Auch wenn wir nicht unmittelbar für den Brandschutz beauftragt waren, hat dieser bei zehn Geschossen in Holzbauweise auch direkte Auswirkungen auf die Tragwerksplanung. Diese konnten teils durch Kapselungen, teils durch eine entsprechende Berechnung der Sichtdecken auf Abbrand gelöst werden. Jede Wohnung im Gebäude ist als separater Brandabschnitt ausgelegt. Weitere Brandabschnitte sind die Erschließungskorridore und das Treppenhaus. Aufgrund der Stabilität und des Abbrandes im Brandfall gibt es bei den Wänden immer zwei vertikale Decklagen, um möglichst vertikal stehendes Holz für die Lastabtragung aktivieren zu können.

  4. Bauphysik und Nachhaltigkeit

    Auch bauphysikalische Anforderungen sind bei solchen Projekten von zentraler Bedeutung. Durch die integrale Beauftragung von Tragwerksplanung und Bauphysik aus einer Hand konnten wir beide Disziplinen optimal aufeinander abstimmen. Besonders die Kombination aus Brettsperrholzwänden und Vorsatzschalen stellte hohe Anforderungen an die schalltechnische Detailplanung. Um die geforderte Schalldämmung zu erreichen, haben wir zwischen den Stirnflächen der tragenden Brettsperrholzwände gezielt Schalldämmlager eingesetzt.

  5. Innovation

    Mit rund 1´000 Kubikmetern verbautem Holz ist das BSH20A «Stories» ein technisch und konzeptionell anspruchsvolles Beispiel für den Holz-Hybridbau im urbanen Kontext. Die enge Zusammenarbeit eines internationalen Projektteams ermöglichte es, unterschiedliche Normen und Genehmigungsverfahren in eine schlüssige Gesamtplanung zu überführen. Das Ergebnis ist eine robuste und flexible Gebäudestruktur, die über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg anpassungsfähig bleibt und ihre ökologischen Qualitäten sichtbar in die Architektur integriert.

Projektinformationen
Standort
1031 Amsterdam-Buiksloterham Niederlande
Fertigstellung
2021
Bauherrschaft
Baugruppe BSH20A | Heutink Groep 8144 RC Lierderholthuis Niederlande
Architektur
Olaf Gipser Architects B.V. 1086 XK Amsterdam Niederlande
Holzbau
W. u. J. Derix GmbH & Co. 41372 Niederkrüchten
Fotografie
Max Hart Nibbrig, Amsterdam
Bauart
Wohnen und Arbeiten
Geschosse
13
Bauzeit
2016 – 2021
Bruttogeschossfläche
5´500 m2
Verbautes Holz
1´000 m3
Grösste Spannweite
4,8 m

Unsere Dienstleistungen

Auszeichnungen
2022
Beste Gebouw 2022 - Particuliere Woonbeleving, Niederlande
Zusatzinformationen
Werkstattplanung
Constructie Adviesbureau Geuijen 7091 RP Dinxperlo Niederlande

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