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Mehrfamilienhaus Stirnrüti

Mit der Mehrfamilienhausüberbauung Stirnrüti wurde ein Holzbau realisiert, der über die Landesgrenzen hinaus wegweisend war. 26 Bauherren realisierten hier zusammen die erste viergeschossige Mehrfamilienhaus-Überbauung der Deutschschweiz. Die Wände sind in Holzrahmenbau ausgeführt. Um die Setzungen zu minimieren, sind die Decken zwischen die Aussenwände eingehängt. Diese Brettstapel-Massivholzdecken liegen auf Stahlunterzügen auf und sind mit einer abgehängten Gipsdecke verkleidet. Damit konnten mit einer kostengünstigen Konstruktion die hohen Schall- und Brandschutzanforderungen erfüllt werden. Die Häuser wurden gemäss dem Minergiestandard gebaut, besitzen nur nichttragende Innenwände in Gipsständerbauweise und nur je eine Stütze pro Wohnung. Mit dem Projekt Stirnrüti hat PIRMIN JUNG erkannt, dass ein Holzbauingenieur bei einem Geschossbau nicht nur die Tragwerksplanung, sondern auch die gesamte konstruktive Planung des Holzsystembaus inklusive der Verkleidungen und die Kostenplanung erledigen muss, um ein für alle Parteien optimales Ergebnis zu erzielen.

  1. Generelle Info

    An erhöhter Lage in Horw, am Stadtrand von Luzern, mit Aussicht auf die Berge, wurde mit der Überbauung Stirnrüti eine Siedlung nach dem Prinzip des verdichteten und ökologischen Bauens realisiert. Die Überbauung besteht aus drei Wohnbauten, welche sich u-förmig um einen Hof anordnen und durch das Längshaus auf der Westseite begrenzt werden. Für die Ausführung der vier mehrgeschossigen Baukörper kam mit Wänden in Holzrahmenbauweise und Decken in Brettstapelbauweise ein neues System zum Einsatz.

  2. Tragwerksplanung

    Schon von Beginn an war eine verdichtete, siedlungsartige Bauweise gefordert. Die mehrgeschossigen Volumen, welche an einem abfallenden Hügelrücken beheimatet sind, wurden in Holzbauweise konzipiert. Es wurde ein neues Holzbausystem entwickelt, welches sich durch eine Reihe von Besonderheiten auszeichnet. Die Lösung waren über die Geschosshöhen durchlaufende beplankte Rahmenbauwände, an denen «Bresta»-Massivholzdecken aufgehängt wurden. Mit dieser konstruktiven Massnahme konnten zum einen die Fensterstürze auf ein Minimum reduziert werden, und zum anderen sorgt die innere Beplankung für eine luftdichte Gebäudehülle sowie für eine optimale Gebäudeaussteifung. Gegenüber den bekannten Holzbausystemen konnte der Decken-Wand-Anschluss mit dieser Lösung wesentlich vereinfacht werden.


    Die flächigen Massivholzdecken «Bresta» bestehen aus hochkant stehenden Brettern, die mittels Hartholzdübeln zu flächigen Elementen zusammengefügt sind. Damit konnten die Naturholzbauteile schnell und einfach montiert werden, was eine kurze Bauzeit ermöglichte. Darüber hinaus bieten diese Geschossdecken auch sehr gute Schallschutzeigenschaften. Damit die Forderungen nach flexibler Nutzung der Grundrisse, dem Einsatz von Flachdecken, optimalem Schallschutz und einer dem Minergie-Standard entsprechenden kontrollierten Wohnungslüftung erfüllt werden konnten, kamen Stahlunterzüge zum Einsatz.


    Auf Vordächer wurde verzichtet, weshalb dem Beanspruchungsgrad der Holzfassade besonderes Augenmerk zu schenken war. Als Verkleidung wurde eine sägerohe, horizontal angeschlagene Fichtenholzschalung mit einem speziellen Nut- und Kammprofil gewählt. Die druckimprägnierten, 75 Millimeter breiten Fassadenriemen wurden mit einer deckenden Lasur behandelt und so am Bau montiert, dass keine durchlaufenden vertikalen Fugen entstanden. Auch bei den Fensterverkleidungen sowie allen einspringenden Wand- und Deckenverkleidungen kam Holz zum Einsatz – genauer Douglasie (massiv gehobelt), die ebenfalls im Sinne des Holzschutzes chemisch behandelt wurde. Für die Prüfung der Funktionstauglichkeit der Fassade über die Jahre wurde ein Kontroll- und Unterhaltsplan erarbeitet.

  3. Brandschutz

    Zum Zeitpunkt des Baus war es eher ungewöhnlich, dreigeschossige Mehrfamilienhäuser in reiner Holzbauweise zu erstellen. Im Kanton Luzern war dies nur möglich, weil seinerzeit brandschutztechnisch dieselben Anforderungen für dreigeschossige Wohngebäude galten wie in anderen Kantonen für zweigeschossige. Das Brandschutzkonzept wurde in enger Zusammenarbeit mit der Gebäudeversicherung Luzern erarbeitet und ist auf einen Brandwiderstand von 30 Minuten (F30bb) ausgelegt. Das Konzept konnte ohne jegliche Kompensationsmassnahmen geplant und ausgeführt werden. Aufgrund der speziellen Hanglage der Objekte konnten die Wohnungen der drei Winkelhofhäuser von aussen erschlossen werden. Darüber hinaus verfügt jede Wohnung über mindestens einen zweiten Ausgang ins Freie. Aufgrund des minimalen Gebäudeabstands von 3 Metern zwischen den Winkelhäusern wurden die gegenüberliegenden Aussenwände auf ihrer Aussenseite mit verputzten Holzwerkstoffplatten verkleidet. Damit garantiert der Aufbau einen Brandwiderstand von 90 Minuten.

  4. Bauphysik und Nachhaltigkeit

    Die Überbauung umfasst insgesamt 26 Wohnungen, welche neben- und untereinanderliegen. Aus diesem Grund galt es, dem Schallschutz besondere Beachtung zu schenken. Mit dem neu entwickelten Holzbausystem konnten die erhöhten Anforderungen an den Luft- und Trittschallschutz nach SIA 181 erfüllt werden.

  5. Innovation

    Mit der Überbauung Stirnrüti wurde ein Holzbau realisiert, der über die Landesgrenzen hinaus wegweisend war. 26 Bauherren realisierten hier zusammen die erste viergeschossige Mehrfamilienhaus-Überbauung der Deutschschweiz. Das Projekt hat aufgezeigt, dass mehrgeschossige Holzbauten möglich sind und nicht nur die Anforderungen an Schall-, Wärme- und Brandschutz erfüllen können, sondern auch bezüglich der Kosten konkurrenzfähig sind.

Projektinformationen
Standort
Stirnrüti 31, 33, 35, 37 6048 Horw
Fertigstellung
1999
Bauherrschaft
Einfache Gesellschaft Stirnrüti 6048 Horw
Architektur
Lengacher Emmenegger Partner AG 6005 Luzern
Holzbau
Konstruktion: Haupt AG 6017 Ruswil Trüssel 6214 Schenkon Fassade: Nietlisbach AG 6424 Lauerz
Bauart
Wohnen
Geschosse
4
Bauzeit
Juni 1998 – April 1999
Montage Holzbau
September 1998
Gebäudevolumen
20’756 m³
Grösste Spannweite
Decke: 7 m
Kosten Holzbau
1,45 Mio. CHF

Unsere Dienstleistungen

Auszeichnungen
1994-1998
Gute Bauten Kanton Luzern
2000
Holzpreis 2000, Pro Holz Luzern

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