In Bremen sind in den vergangenen Jahren mit den MehrfamilienhĂ€usern «Bremer Punkt» besondere Wohnprojekte entstanden. Als serieller GebĂ€udetyp wurden sie speziell fĂŒr die Nachverdichtung bestehender Wohnsiedlungen entwickelt. Mit einem Raster von 14x14 m und der Realisierung in Holzbauweise setzen sie MaĂstĂ€be fĂŒr kostengĂŒnstiges und nachhaltiges Bauen. Das Tragwerk und die Konstruktion der GebĂ€ude sind konsequent auf SeriellitĂ€t ausgelegt. Durch die Vorfertigung groĂer Bauteile im Werk und die schnelle Montage vor Ort lassen sich die Bauzeiten deutlich verkĂŒrzen. Alle HĂ€user erfĂŒllen den KfW-55-Standard. Zehn verschiedene Grundrisstypen bieten Raum fĂŒr unterschiedliche WohnbedĂŒrfnisse â von kleinen Wohneinheiten bis zu familienfreundlichen Lösungen. Die Architektur bleibt bewusst minimalistisch: Klare Linien, reduzierte Materialien und eine zurĂŒckhaltende Gestaltung sorgen dafĂŒr, dass sich die GebĂ€ude behutsam in das bestehende Umfeld einfĂŒgen. So entsteht dringend benötigter Wohnraum. Gleichzeitig senken die standardisierten Prozesse die Baukosten und minimieren mögliche Störfaktoren wĂ€hrend der Bauphase.
Generelle Info
Mit der Entwicklung des seriellen GebĂ€udetypus «Bremer Punkt» haben wir gemeinsam mit dem Projektteam eine Mehrfamilienhauslösung geschaffen, die gezielt auf die Nachverdichtung bestehender Wohnhaussiedlungen reagiert. Ausgehend von diesem Modell wurde das Konzept inzwischen bereits mehrfach realisiert, wobei die Statik jeweils nahezu unverĂ€nderter ĂŒbernommen werden konnte.
Tragwerksplanung
Im Mittelpunkt der gesamten Planung steht ein seriell entwickeltes Tragwerksystem, das unterschiedlichste Wohnungstypen in mehr als 60 Geschossvarianten ermöglicht, ohne dass statische Anpassungen erforderlich sind. Tragwerk und Konstruktion sind hier konsequent seriell gedacht und ermöglichen eine hohe Wiederholbarkeit bei gröĂtmöglicher FlexibilitĂ€t.
Eine zentrale ingenieurtechnische Herausforderung war die konsequente Entkopplung von Grundrissvielfalt und Tragwerkslogik. Dies haben wir durch ein klar gerastertes Lastabtragungssystem gelöst, das unabhÀngig von der jeweiligen Wohnungsaufteilung funktioniert.
Die Geschossdecken bestehen aus Holz-Beton-Verbunddecken, die auf BauBuche-RandunterzĂŒgen lagern. Die Lastabtragung erfolgt ĂŒber definierte StĂŒtzen, die in HolztafelauĂenwĂ€nde integriert sind. Als Wandmaterial wurde ĂŒberwiegend Konstruktionsvollholz zum Einsatz, fĂŒr Decken und hochbeanspruchte StĂŒtzen wurde hingegen Brettschichtholz verwendet. Die RandunterzĂŒge und die am stĂ€rksten belasteten StĂŒtzen wurden aus BauBuche ausgefĂŒhrt, um die Querschnitte in die Wandkonstruktion integrieren zu können. Das Dach wurde aus liegendem Brettschichtholz realisiert.
Eine weitere besondere konstruktive Lösung stellen die Balkone dar. Der Prototyp, der noch Loggien vorsah, wurde durch die Anbringung von auĂenliegenden Balkonen optimiert. Hier wurde die Ablastung der Balkone zu einem wesentlichen Bestandteil des Tragkonzeptes. Durch das HochhĂ€ngen, ist die Balkonstellung innerhalb der Raster frei wĂ€hlbar und trĂ€gt somit wesentlich zur architektonischen FlexibilitĂ€t bei gleichbleibender Statik bei.
Sie kragen bis zu zwei Meter aus und hĂ€ngen an den jeweiligen RandunterzĂŒgen der Geschosse. Ein diagonaler Stahlzugstab verbindet den Balkon mit der auĂenliegenden WandstĂŒtze, die wiederum am Randunterzug aufgehĂ€ngt ist.
Innovation
Dieses durchdachte und ĂŒbertragebare Baukasten-System setzt ein klares Zeichen fĂŒr kosten- und zeiteffizientes Bauen. Die Rohbauzeit betrĂ€gt pro WĂŒrfel nur vier Wochen: zwei Wochen fĂŒr den massiven Treppenhauskern aus Beton-Halbfertigteilen und zwei weitere fĂŒr den Holzbau und die Ortbetondecken.
Das Modell der Grundrisstypen «Bremer Punkt» bestĂ€tigt, dass serielle GebĂ€udetypen nicht zwangslĂ€ufig zu gestalterischen oder funktionalen EinschrĂ€nkungen fĂŒhren mĂŒssen. Es zeigt den Ăbergang von objektspezifischen Einzellösungen zur systematischen Entwicklung wiederholbarer Tragwerkskonzepte im mehrgeschossigen Holzbau. Denn bei hĂ€ufiger Wiederholung entfĂ€llt der zu Beginn oft aufwendige und zeitintensive Planungsprozess.
Alle GebĂ€ude erfĂŒllen den KfW-55-Standard und verbinden wirtschaftliche Planung mit dauerhaft hoher QualitĂ€t.
So wurden die MehrfamilienhĂ€user in der August-Hinrichs-StraĂe 2017 mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet. Beim DGNB-Preis «Nachhaltiges Bauen» 2017 erreichten sie einen Platz unter den Top 3, was die QualitĂ€t des Gesamtkonzepts aus Architektur, Tragwerk und Nachhaltigkeit bestĂ€tigt.
Projektinformationen
- Standort
- 28201 Bremen
- Fertigstellung
- 2019
- Bauherrschaft
- GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen 28195 Bremen
- Architektur
- LIN Architekten Urbanisten 10587 Berlin Kahrs Architekten 28203 Bremen
- Holzbau
- Ăkologischer Holzbau Sellstedt 27619 Schiffdorf
- Fotografie
- Nikolai Wolff, Bremen
- Bauart
- Wohnen
- Geschosse
- 4
- GebÀudegrundflÀche
- 795 m2
- GeschossflÀche
- 513 m2
- GebÀudevolumen
- 2ÂŽ352 m3
- Verbautes Holz
- ~124 m3 davon ~20 m3 KVH; ~91 m3 BSH; ~13 m3 BauBuche
- Grösste Spannweite
- 6,3 m
- Kosten Holzbau
- KG 300+400: ~320.000 EUR
- Erstellungskosten
- ~1.2 Mio. EUR
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2018
- Deutscher Bauherrenpreis
- 2018
- Deutscher Nachhaltigkeitspreis |DGNB «Nachhaltiges Bauen» | TOP 3
- 2017
- Deutscher Architekturpreis
















