Das 54 m hohe SAWA im Hafen von Rotterdam erinnert mit seiner terrassenförmigen Silhouette an die Reisterrassen Balis. Als Öko-Wohnbauprojekt setzt es auf das Open-Building-Prinzip und bietet auf 16 Geschossen Platz für über 100 Wohnungen. Es ruht auf einer Pfahlgründung im weichen Hafengrund. Das Tragwerk besteht zu ca. 90 % aus Holz, für das mehr als 3.500 m³ Holz verbaut wurden. Beton und Stahl wurden auf ein Minimum reduziert. Das Tragsystem besteht aus einem Stützen-Unterzug-System aus Brettschichtholz und Baubuche. Die tragenden Holzstützen haben Querschnitte von 60x60 cm, auf denen 60 cm breite und 52 cm hohe Unterzüge aus Baubuche aufliegen. Darauf folgt eine massive, 24 cm dicke CLT-Decke. Die nichttragenden Außen- und Innenwände sind in Holz- bzw. Trockenbauweise ausgeführt. Die horizontale Aussteifung erfolgt über einen Stahlbetonkern und ein sechsgeschossiges Holzfachwerk. In den unteren Geschossen wird sie zusätzlich durch BSP-Wände gewährleistet. Alle Materialien sind biobasiert und für eine künftige Wiederverwendung konzipiert. Die sichtbare Holzkonstruktion im Innenraum schafft eine warme, einladende Atmosphäre.
Generelle Info
Mit dem SAWA im Rotterdamer Hafen ist ein Holzhochhaus entstanden, das ökologische Zielsetzungen und urbanes Wohnen erfolgreich vereint. Von Beginn an prägten vier Leitgedanken das Projekt: Zirkularität, CO2-Reduktion, Förderung der Biodiversität und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für eine vielfältige Bewohnerschaft. Das Ergebnis ist ein 16-geschossiges Hochhaus mit einer Höhe von rund 54 Metern, das den Holzbau im städtischen Kontext neu definiert.
Tragwerksplanung
SAWA folgt konsequent dem Open-Building-Prinzip. Ein modulares Holzbausystem ermöglicht flexible Grundrisse und unterschiedlich große Wohneinheiten. Diese strukturelle Offenheit ist integraler Bestandteil des Konzepts und macht das Gebäude langfristig anpassungsfähig. Die Haupttragstruktur des SAWA besteht zu über 90 Prozent aus Holz. Rund 3´500 Kubikmeter wurden allein für das Tragwerk verbaut. Das Herzstück des nach außen gestuften Holzhochhauses bilden massive Brettschichtholzstützen und -unterzüge, die dem Gebäude eine beeindruckende Stabilität verleihen. Sie ruhen auf einer aufwendigen Pfahlgründung im weichen Untergrund des Rotterdamer Hafens. Das klassische Stützen-Unterzug-System aus Brettschichtholz und Baubuche wird durch Deckenelemente und aussteifende Wände aus Brettsperrholz ergänzt. Auch die nichttragenden Außenwände sind in Holzbauweise ausgeführt, während Trockenbauwände im Inneren eine hohe Flexibilität gewährleisten.
Eine der größten Herausforderungen stellte das System der Laubengänge dar. Die Balkonplatten aus Stahlbeton liegen auf auskragenden Holzbalken auf, die durch die thermische Hülle führen. Diese Kragarme tragen die gesamte Last der Beton-Fertigteile mit deren Bepflanzung. Die Lastabtragung erfolgt über präzise ausgeführte Stahlverbindungen im Inneren der Holzquerschnitte – eine konstruktiv anspruchsvolle und zugleich klare Lösung im Spannungsfeld zwischen Holz- und Hybridbau.
Ein weiteres zentrales Thema war die strukturelle Sicherheit des Gebäudes. Ein eigens entwickeltes Robustheitskonzept gewährleistet, dass selbst bei außergewöhnlichen Ereignissen kein Gesamtausfall der Tragstruktur eintritt. Im Ernstfall übernehmen über das gesamte Gebäude gespannte Zugseile die Lasten einer ausfallenden Stütze und leiten sie in benachbarte Deckenfelder weiter.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Neben der Tragwerksplanung haben wir das Projekt beratend auch in den Bereichen Schallschutz und Raumakustik bauphysikalisch mitgestaltet. Gezielte Dämm- und Oberflächenlösungen tragen zu einer angenehmen Akustik, einem gesunden Raumklima und einem hohen Wohnkomfort bei.
Innovation
Die Realisierung dieses Meilensteinprojektes ist das Ergebnis einer frühzeitigen, interdisziplinären Zusammenarbeit internationaler Expertinnen und Experten. Das erklärte Ziel bestand darin, den Holzanteil in der Konstruktion konsequent zu maximieren und den Einsatz von Beton und Stahl auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Gleichzeitig weist das Gebäude mehrere konstruktive Sonderbereiche auf, die bewusst vom klassischen Achsraster abweichen. Besonders markant ist das sogenannte «Deck»: ein viergeschossiger Gebäudeteil, der schräg zum Hauptraster angeordnet ist. Hier kamen speziell entwickelte Galgenstützen aus Brettsperrholz zum Einsatz: biegesteife, L-förmige Elemente mit integriertem Kragarm. Sie ermöglichten den Verzicht auf komplexe Verbindungsmittel und gelten als zukunftsweisender Ansatz im Holzbau.
Projektinformationen
- Standort
- Lloydquartier 3024 EA Rotterdam Niederlande
- Fertigstellung
- 2025
- Fotografie
- Aiste Rakauskaite Photography Ossip van Duivenbode
- Bauart
- Wohnen
- Geschosse
- 16
- Bauzeit
- November 2022 - Juni 2025
- Montage Holzbau
- Februar 2024 - März 2025
- Gebäudegrundfläche
- 12´000 m2
- Geschossfläche
- 10´000 m2
- Gebäudevolumen
- ~35´000 m3
- Verbautes Holz
- ~3´500 m3 in der Tragkonstruktion
- Grösste Spannweite
- Decke: 6,4 m
- Kosten Holzbau
- KG 300 ~ 33 Mio EUR
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2026
- BNA Building of the Year
- 2025
- Nationale Houtbouwprijs 2025 (Nationaler Holzbaupreis der Niederlande)
- 2024
- Rethinking The Future Awards 2024: First Award in der Kategorie "Sustainable Project of the Year (Concept)"
- 2023
- Architizer A+ Sustainability Awards
- 2022
- Architecture Masterprize, Kategorie: «Unbuilt Sustainable Residential Project»
- 2021
- Green GOOD DESIGN Awards
- 2021
- Iconic Awards for Innovative Architecture, «Konzept»
- 2021
- World Architecture Festival, Kategorie: «Experimental - Future Project»
- 2021
- International Design Awards (IDA), Kategorie: «Kategorie Architektur/Nachhaltiges Wohnen»
- 2020
- ARC20 Innovation Award
Zusatzinformationen
- Projektentwicklung
- Nice developers 3024 EZ Rotterdam ERA contour 2700 AB Zoetermeer
- Architektur
- mei architects and planners 3024 EZ Rotterdam
- Bauingenieur
- Pieters Bouwtechniek 2612 Delft
- Holzbau
- Derix gelijmde houtconstructies 41372 Niederkrüchten























