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Studierendenwohnheim München

In München mangelt es an studentischem Wohnraum. Das neue Wohnheim mit 241 Plätzen ersetzt das bestehende Gebäude und ist nach aktuellem Stand das höchste Holzbauprojekt der Stadt. Die beiden fünf bzw. acht Stockwerke hohen Gebäude entlang der Schwere-Reiter-Straße sind durch ein eingeschossiges Sockelgeschoss verbunden. Ein Dachgarten über dem Sockelgeschoss bietet Raum für Begegnungen und Entspannung. Neben Einzelapartments mit Bad und Küche gibt es 36 Wohnplätze in 2er- bis 3er-WGs sowie vier barrierefreie und zehn Wohnungen für Eltern mit Kind. Der Holz-Hybridbau kombiniert Holz und Beton: Die Keller, das Erdgeschoss und die Treppenhäuser sind aus Stahlbeton, die Obergeschosse und das Dach wurden in Holz-Beton-Verbundweise (HBV) errichtet. Brettsperrholz dient als Baustoff für Decken, Wände und Hochlast-Pfeiler. Tragende Außenwände und Flurtrennwände sichern die Lastabtragung, während die Treppenhauskerne die horizontale Stabilität gewährleisten.

  1. Generelle Info

    Mit dem Neubau des studentischen Wohnheims an der Schwere-Reiter-Straße reagiert die Stadt München auf den dringenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Studierende. Aktuell ist es das höchste Holzbauprojekt der Stadt. Es besteht aus zwei Baukörpern – einem fünf- und einem achtgeschossigen – die insgesamt 241 Wohnplätze bieten und über ein eingeschossiges Sockelgeschoss miteinander verbunden sind. Das Dach wurde hier als gemeinschaftlich genutzter Gartenraum gestaltet. Das Angebot umfasst sowohl Einzelapartments mit eigener Küche und Bad als auch Wohngemeinschaften für zwei bis drei Personen, barrierefreie Apartments und Wohnungen für Studierende mit Kind. Damit bietet das Wohnheim eine vielfältige und bedarfsgerechte Lösung für die Münchener Studierendenschaft.

  2. Tragwerksplanung

    Die Gebäude sind als Holz-Hybridbau konzipiert, wobei der Holzbau die zentrale Rolle spielt. Ab dem ersten Obergeschoss kommen Holz-Beton-Verbunddecken zum Einsatz, die auch das Dach tragen. Tragende Decken, Wände und hoch beanspruchte Stützen bestehen aus robustem Brettsperrholz und ermöglichen eine nachhaltige und effiziente Nutzung des natürlichen Baustoffs. Der Keller, das Erdgeschoss und die Treppenhauskerne aus Stahlbeton bilden das stabile Rückgrat der Struktur. Sie übernehmen die nötige Aussteifung und erfüllen gleichzeitig die erforderlichen brandschutztechnischen Standards.

    Die vertikale Lastabtragung erfolgt im Wesentlichen über tragende Außenwände sowie Flurtrennwände aus Brettsperrholz. Eine besondere Herausforderung liegt dabei im Bereich der Fassaden. Fensteröffnungen mit integrierten Lüftungsgeräten lassen über alle acht Geschosse hinweg nur schmale Wandpfeiler zu. Diese müssen nicht nur die Lasten aus den Decken aufnehmen, sondern auch die Kräfte aus Fensterstürzen und Brandschürzen ableiten. Aus dem Zusammenspiel von Geometrie und Statik ist hier ein überzeugendes Detail entstanden.

    Abhängig von Gebäude und Geschosshöhe kommen in den Außenwänden unterschiedliche Holzbauteile zum Einsatz: In den oberen Geschossen von Haus 2 sowie in Haus 1 durchgehend werden Brettsperrholzstützen verwendet, während in den unteren drei Holzbaugeschossen von Haus 2 Brettschichtholzstützen die höheren Lasten aufnehmen.

    Besonderes Augenmerk galt den Anschlüssen der Wohnungstrennwände. Die Holz-Beton-Verbunddecken wurden mit Abstand verlegt und die entstehende Fuge mit Überbeton geschlossen. Dadurch war es möglich, die nichttragenden Trockenbauwände – analog zum Massivbau – direkt an den Überbeton anzuschließen. Diese Lösung vereinfacht die Einhaltung von Schall- und Brandschutzanforderungen erheblich. Auch das auskragende Brandschott wurde im Planungsprozess weiterentwickelt: Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Betonfertigteils konnte eine schlankere und konstruktiv einfachere Variante in Holzbauweise realisiert werden.

    Ein markantes Detail ist zudem das Holz-Sprengwerk in den unteren Geschossen. Während der Bauphase diente es der Montage der HBV-Decken. Anschließend wurde es zurückgebaut und als Dachtragwerk für einen Pavillon an anderer Stelle wiederverwendet. Dies ist ein Beispiel für ein ressourcenschonendes Denken, das über die eigentliche Bauaufgabe hinausgeht.

    Die vertikal gegliederte Holzfassade arbeitet mit drei unterschiedlichen Brettbreiten und abgestuften Farbtönen. Dadurch erhalten die langgestreckten Baukörper eine ruhige, zugleich fein differenzierte Erscheinung.

  3. Brandschutz

    Auch wenn der Brandschutz und die Bauphysik nicht zu unserem direkten Leistungsumfang gehörten, haben sie die Tragwerksplanung maßgeblich beeinflusst. Konstruktive Details, insbesondere die Fügung der Bauteile, wurden von Beginn an unter Berücksichtigung der bauordnungsrechtlichen Anforderungen geplant. Dabei konnten wir auf unsere interne Expertise im Brand- und Schallschutz zurückgreifen und diese gezielt in die Entwicklung tragfähiger Lösungen einbringen. Das Gebäude ist als Sonderbau der Gebäudeklasse 5 gemäß BayBO eingestuft. Zudem ist das Erdgeschoss teilweise als Versammlungsstätte ausgebildet. Die daraus resultierenden erhöhten Anforderungen wurden frühzeitig in der Planung berücksichtigt und konstruktiv umgesetzt.

    Ab dem ersten Obergeschoss konnten – mit Ausnahme der Treppenhäuser – tragende und aussteifende Holzbauteile der Feuerwiderstandsklasse F 90-B realisiert werden. Das Untergeschoss, das Erdgeschoss sowie die Treppenhäuser sind hingegen in F 90-A ausgeführt. Sichtbare Holzdecken wurden gezielt auf Abbrand dimensioniert, während tragende Bauteile, wo erforderlich, durch brandschutztechnische Bekleidungen ergänzt wurden.

  4. Bauphysik und Nachhaltigkeit

    Die Grundlage des akustischen Konzepts bildeten die Mindestanforderungen der DIN 4109-1 (07/2016). Von besonderer Bedeutung war dabei die konstruktive Trennung der Bauteile: So wurden die Außenwände im Bereich der Wohnungstrennwände konsequent voneinander entkoppelt und die Stahlstützen gezielt isoliert, um die Schallübertragung zu minimieren. In puncto Energieeffizienz erfüllt das Gebäude den KfW-55-Standard. Die Konstruktion aus circa 1´840 Kubikmetern Fichtenholz speichert etwa 1´600 Tonnen CO2 und leistet somit einen zusätzlichen Beitrag zum ökologischen Fußabdruck des Bauwerks.

  5. Innovation

    Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich Holzbau auch im dichten urbanen Kontext und bei hohen Gebäudehöhen erfolgreich umsetzen lässt. Die Kombination aus Stahlbeton und mehrgeschossigem Holztragwerk erfüllt alle technischen Anforderungen an Tragfähigkeit, Brandschutz, Schallschutz und Wärmeschutz auf nachhaltige Weise. So entsteht dringend benötigter Wohnraum und ein Beispiel für qualitativ hochwertigen und ökologisch verantwortungsvollen Bau.

Projektinformationen
Standort
Schwere-Reiter-Straße 35 80797 München
Fertigstellung
2025
Bauherrschaft
Studentenwerk München 80802 München
Architektur
Hirner und Riehl Architekten und Stadtplaner PartGmbB 80336 München
Holzbau
Seidel GmbH 84164 München
Fotografie
Sebastian Schels, München
Bauart
Wohnen
Geschosse
Haus 1 mit 5 Geschossen Haus 2 mit 8 Geschossen
Bauzeit
2022–2024
Montage Holzbau
Juli 2022 – Mai 2023
Gebäudegrundfläche
10´462 m2
Geschossfläche
7´027 m2
Gebäudevolumen
30´991 m3
Grösste Spannweite
6,8 m
Kosten Holzbau
KG 300+400: 26´086´768 EUR
Erstellungskosten
36´681´659 EUR

Unsere Dienstleistungen

Zusatzinformationen
Tragwerksplanung Massivbau
Sailer Stepan Tragwerkteam München GmbH 80807 München

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