In der Basler Region Lysbüchel Süd wurde mit dem Projekt «Combo» günstiger, städtischer Wohnraum geschaffen. Entstanden ist ein sechsgeschossiges Gebäude in Holzbauweise auf einem minimalen Sockel in Massivbauweise, mit Wohnungen für Ein- und Zweipersonenhaushalte, Familien sowie Räumlichkeiten für betreutes Wohnen und Gewerberäume. Das Gebäude wurde nach dem Re-Use-Prinzip erbaut, wodurch möglichst viele verschiedene Teile und Elemente wiederverwendet wurden. Wir waren unter anderem mit der Prüfung und Beurteilung des Holzes hinsichtlich der Statik und Bauphysik beauftragt. Das Holz der Deckenelemente, die als liegendes Brettschichtholz ausgeführt sind, stammt von einem Pavillon. Bereits im Vorprojekt wurden Muster mit wiederverwendeten Holzbauteilen erstellt, um die Funktionalität zu überprüfen. Die Konstruktion besteht aus einem Stützen- und Unterzugsystem. Die Fassade wurde mit wiederverwendeten Ziegeln realisiert. Das Brandschutzkonzept mit Laubengang und offenem Treppenhaus wurde in enger Zusammenarbeit mit den Behörden entwickelt.
Generelle Info
Das Wohn- und Gewerbegebäude «LysP8» auf dem ehemaligen Industrie- und Logistikareal «Lysbüchel» wurde nach dem Re-Use-Prinzip geplant. Gefordert war ein Bau mit Platz für betreutes Wohnen und einen Gewerbeanteil im Erdgeschoss sowie die lebenszyklusgerechte Austausch- und Ersatzfähigkeit nach dem «Design-for-Disassembly»-Konzept.
Tragwerksplanung
Das Objekt steht auf einem minimalen Sockel aus Beton. Darauf wurde ein einfaches Gerüst aus vorfabrizierten Holzelementen errichtet. Der Bau besteht aus einem Punkt- und einem Langhaus mit einer verbindenden Struktur zur Erschliessung. Die Konstruktion ist mit Stützen und Unterzügen in einem gleichmässigen Raster sowie mit Aussteifungswänden aus BSP-Vollholzplatten ausgeführt. Zwischen den Unterzügen liegen Deckenelemente aus Brettschichtholz. Auf den auskragenden Unterzügen liegen die Laubengänge auf. Es war wichtig und herausfordernd, die verschiedenen Ebenen und Elemente miteinander zu verbinden.
Brandschutz
Das Brandschutzkonzept mit Laubengang und offenem Treppenhaus wurde in enger Zusammenarbeit mit den Behörden entwickelt. Im Bereich des vertikalen Fluchtwegs wurde die Konstruktion brandschutzkonform mit Gipsfaserplatten gekapselt.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Im Bereich der Terrasse wurde zur Verbesserung des Schallschutzes eine Beschwerung der Tragkonstruktion mit wiederverwendeten Betonplatten erstellt, welche in eine Splittschicht verlegt wurden. Die Laubengänge auf der Südseite bieten einen permanenten sommerlichen Wärmeschutz. In zwei Gewerbebereichen und in einer Wohnung wurde ein sichtbarer Giess-Lehmboden «Nossim» von Oxara erstmals in Kombination mit einer Holzdecke eingebaut, womit auch die Verbindungen an den Decken entsprechend geplant und ausgerichtet wurden. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Anhydrit-Unterlagsboden in Kombination mit einer Holzdecke konnte eine Verbesserung des Schallschutzes von rund zehn Dezibel erreicht werden.
Zirkuläres Bauen
Im Projekt haben wir unter anderem den Einsatz von wiederverwendbaren Materialien im Bereich des Holzbaus und hinsichtlich der Statik überprüft und im Vorprojekt mittels Mustern aus wiederverwendeten Holzbauteilen auf ihre jeweilige Funktionalität untersucht. Das Team von Zirkular koordinierte im Projekt die Beschaffung verschiedener Re-Use-Bauteile. Bei den Deckenelementen wurde Holz wiederverwendet, welches ursprünglich für einen temporären Pavillon am «Zürich E-Prix 2018» gedient hat. Die Gitterroste beim Laubengang haben einst als Elemente eines umlaufenden Balkons gedient, das Dämmmaterial auf den Dächern stammt von der temporären Dämmung der Brandwand des Nachbargebäudes. Die Fassade wird von Dachziegeln geziert, welche von verschiedenen Gebäuden zurückgebaut wurden. Die Tragstruktur und alle Verbindungen sind nach dem Prinzip «Design for Disassembly» konstruiert und sind deshalb für einen allfälligen Rückbau optimiert.
Innovation
Mit dem «LysP8» wurde ein Vorzeigeprojekt ganz im Sinne des kreislauffähigen und zirkulären Bauens realisiert. Die wiederverwendeten und ressourcenschonenden Materialien haben zu einer Einsparung von 132 Tonnen CO₂ geführt. Erstmals wurde ein sichtbarer Giess-Lehmboden in Kombination mit einer Holzdecke eingebaut, womit gegenüber einer herkömmlichen Lösung eine Verbesserung des Schallschutzes von rund 10 Dezibel erreicht werden konnte.
Projektinformationen
- Standort
- Weinlagerstrasse 33 4056 Basel
- Fertigstellung
- 2025
- Bauherrschaft
- Stiftung Habitat 4058 Basel
- Architektur
- Loeliger Strub Architektur GmbH 8004 Zürich
- Holzbau
- Stamm Bau AG 4144 Arlesheim
- Wettbewerb
- 2021, 1. Rang
- Bauart
- Wohnen, Industrie und Gewerbe
- Geschosse
- 6
- Bauzeit
- Mai 2023 – Januar 2025
- Gebäudegrundfläche
- 425 m²
- Geschossfläche
- 2’252 m²
- Gebäudevolumen
- 7’173 m³
- Verbautes Holz
- 567 m³ Wiederverwendetes Holz: 65 m³ Brettschichtholz, Brettsperrholz, Konstruktionsholz, Plattenwerkstoffe Herkunft: CH, DE, AT
- Kosten Holzbau
- 1,95 Mio. CHF
- Erstellungskosten
- 10,82 Mio. CHF

















