Beim viergeschossigen Mehrfamilienhaus AWZ an der Lorzenstrasse in Zug entstand zwischen 1999 und 2002 der entscheidende Lösungsansatz des Kerto-L-Querschnittes – also eines L-förmigen Holzquerschnittes, welcher aus zwei verklebten und verschraubten Teilen Furnierschichtholz besteht.
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Ausgangslage war die Forderung des Architekten nach hohen, relativ breiten Fenstern und Sonnenstoren, die in die Wand zu integrieren waren. Daraufhin entwickelten wir die Idee eines Kerto-L-Trägers, welcher als Deckenauflager eingesetzt wird.
Mit diesem konnten wir die Stützen der Aussen- und der Innenwände über die Geschosse durchlaufen lassen und die Lasten aus den Decken über den Kerto-L-Träger auf die Hauptstützen abtragen. Zusätzlich wählten wir für die Lastabtragung in den Aussen- und in den Innenwänden nur noch einzelne Hauptstützen und reduzierten die Zwischenstützen auf das konstruktive Minimum, da wir sie nicht dem Tragkonzept zuwiesen und sie daher keine brandschutztechnische Bearbeitung erforderten. So konnte eine setzungsarme Konstruktion mit klar definiertem Lastabtrag erreicht werden, ohne dass querverlaufendes Nadelschnitt- oder Nadelbrettschichtholz auf Druck beansprucht wurde. In der Fachsprache kann man bei dieser Bauweise von einer Skelett-Rahmenbauweise sprechen: Das tragende Skelett ist in die Rahmenbauwand integriert.
Dieses damals erstmalig umgesetzte Wandsystem mit dem Kerto-L-Fenstersturz ist im heutigen Mehrgeschossigen Wohnungsbau weitestgehend Standard.
Auch die Wohnüberbauung am Hegianwandweg in Zürich (1999-2003) hatte für die Entwicklung des Holzbaus eine Vorreiterfunktion. Die Überbauung galt der Vereinigung Kantonaler Feuerpolizeien (VKF) als Pilotprojekt im Hinblick auf die Brandschutzvorschriften von 2005. Bauteile wie Decken, Aussenwände und zwei Meter auskragende Balkone wurden in reiner Holzbauweise mit Brettstapeldecken gefertigt.
In diesem Projekt kommen die Gebäude ebenfalls ohne tragende Innenwände aus – wir konzipierten jedes Geschoss als grosse Halle mit Wohnungen ohne tragende Trennwände. Damit auch die Balkone unabhängig von den Innenwänden gestaltet werden können, wählten wir eine auskragende Konstruktion. Wir passten das Kerto-Auflagerdetail so an, dass die Fensterstürze unter die Decke verschoben wurden und die Kragbalken der Balkone über diese hinauslaufen. Die Storen verlegten wir ebenfalls unter die Balkone; die Fensterstürze stimmten wir auf die Storenkastenhöhen ab. So laufen auch hier die tragenden Fensterstütze über alle Geschosse durch – sie sind je Geschoss Stirne auf Stirne gestossen. Zusätzlich planten wir in die Übergangfugen 1 Millimeter starke Stahlbleche ein, um das Setzen weiter zu reduzieren.
Dieser Artikel ist der dritte Teil einer chronologischen Serie. Lesen Sie auch:
