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Einsatz am Kletterseil: Eine etwas andere Brückeninspektion

Sursee, Juli 2025 | Fotografie: Sandro Scherrer

Projektleitung bei PIRMIN JUNG umfasst weit mehr als Meetings, Mails und Planung. Ab und an verlagern unsere Mitarbeitenden ihren Arbeitsort jenseits von Tastatur und Bildschirm – dabei geht es manchmal abenteuerlich zu. Alle fünf Jahre begibt sich unser Tragwerksplaner Romed Gomig auf eine etwas andere Bauwerkskontrolle. In diesem Jahr haben wir ihn begleitet. Dabei zwingend benötigt: Kletterausrüstung und Sicherungsseil. Klingt nach einem Ausflug auf einen 4’000er? Fast. Ganz so hoch wird es nicht, aber dennoch steht beim Vorhaben die Sicherheit im Vordergrund – in doppelter Hinsicht.
  • Eingebettet zwischen Wald und Wiese: Die Suworowbrücke im Muotatal. Fotografie: Sandro Scherrer
    Eingebettet zwischen Wald und Wiese: Die Suworowbrücke im Muotatal. Fotografie: Sandro Scherrer

Arbeitsort: Abseits vom Schreibtisch

Der Auftrag führt uns in den Kanton Schwyz, genauer gesagt ins Muotatal. Dort befindet sich die 1810 erbaute Suworowbrücke, bei welcher wir im Jahr 2010 die Sanierung inklusive Erneuerung des Sprengwerks und der Brückenhülle begleitet haben. Die 30 Meter lange Brücke liegt in einem kleinen Waldstück am Rande des Stooshorns und verläuft über die Muota. Aufgrund ihrer Lage ist die gedeckte Holzbrücke vor allem bei Wanderern und Mountainbikerinnen beliebt, sie wird aber auch von Landwirtschafts- und Forstfahrzeugen genutzt.

  • Die Suworowbrücke erinnert an den russischen General Suworow, der 1799 mit einer Armee von 20'000 Menschen von Oberitalien über den Gotthard- und Kienzigpass ins Muotatal einmarschierte, um gemeinsam mit österreichischen Truppen die Franzosen aus dem Gebiet der Schweiz zurückzuwerfen…
    Die Suworowbrücke erinnert an den russischen General Suworow, der 1799 mit einer Armee von 20'000 Menschen von Oberitalien über den Gotthard- und Kienzigpass ins Muotatal einmarschierte, um gemeinsam mit österreichischen Truppen die Franzosen aus dem Gebiet der Schweiz zurückzuwerfen…
  • … der einzige Übergang über die Muota war die damalige «Steinerne Brücke». Hunderte, vor den Russen fliehende Franzosen stiessen sich im Kampf gegenseitig von der Brücke in die Tiefe. Im Jahr 1800 stürzte die Steinerne Brücke ein. Zehn Jahre später wurde nicht weit von der ursprünglichen Stelle die heutige Suworowbrücke erbaut. (Quelle: Infotafel an der Suworowbrücke, Bezirksrat Kanton Schwyz).
    … der einzige Übergang über die Muota war die damalige «Steinerne Brücke». Hunderte, vor den Russen fliehende Franzosen stiessen sich im Kampf gegenseitig von der Brücke in die Tiefe. Im Jahr 1800 stürzte die Steinerne Brücke ein. Zehn Jahre später wurde nicht weit von der ursprünglichen Stelle die heutige Suworowbrücke erbaut. (Quelle: Infotafel an der Suworowbrücke, Bezirksrat Kanton Schwyz).

Die denkmalgeschützte Brücke zählt zu den «Kunstbauten der Nationalstrassen» und wird gemäss Richtlinien des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) im Fünfjahresrhythmus überwacht und unterhalten. Ziel der heutigen Hauptinspektion ist es, den Zustand und die Entwicklung der Brücke, insbesondere des Holztragwerks, zu bewerten und bei Bedarf konkrete Handlungsmassnahmen abzuleiten, um die Tragsicherheit weiterhin zu gewährleisten.

  • Bei der Sanierung wurde das Hängewerk der Brücke, abgesehen von punktuellen Erneuerungen, unverändert belassen.
    Bei der Sanierung wurde das Hängewerk der Brücke, abgesehen von punktuellen Erneuerungen, unverändert belassen.
  • Bei der Sanierung wurde das Hängewerk der Brücke, abgesehen von punktuellen Erneuerungen, unverändert belassen.
    Bei der Sanierung wurde das Hängewerk der Brücke, abgesehen von punktuellen Erneuerungen, unverändert belassen.
  • Die Fassade schützt das historische und das neue Tragwerk vor Witterungseinflüssen.
    Die Fassade schützt das historische und das neue Tragwerk vor Witterungseinflüssen.
  • Das Sprengwerk der Brücke wurde vollständig erneuert.
    Das Sprengwerk der Brücke wurde vollständig erneuert.

Ein Blick in die Vergangenheit

Zweihundert Jahre hatte die alte Suworowbrücke überdauert, bis sie schliesslich Ende 2009 aufgrund ungenügender Tragsicherheit gesperrt werden musste. Im Rahmen der darauffolgenden Sanierungsarbeiten wurde neben der Fassade und dem Dach auch das alte, stark in Mitleidenschaft gezogene Sprengwerk der historischen Holzbrücke durch vier doppelte Sprengwerke aus Brettschichtholz (GL24h und GL36h) mit darauf aufliegenden Streckbalken ersetzt. Dazu kamen ein neuer Aussteifungsverband sowie Verstärkungen und Anpassungen an den Blocksteinfundamenten. Die Hängewerke beidseitig der Fahrbahn wurden als sekundäre Tragkonstruktion beibehalten und leiten die Lasten auf das neue Sprengwerk ab. In enger Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt Schwyz und der örtlichen Denkmalpflege konnte die «neue, alte» Brücke im Frühling 2011 wieder freigegeben werden.

  • Arbeiten mit aussergewöhnlicher Kulisse.
    Arbeiten mit aussergewöhnlicher Kulisse.
  • Vorbei an Felsen und Schluchten bahnt sich die kräftige Muota ihren Weg bis in den Vierwaldstättersee.
    Vorbei an Felsen und Schluchten bahnt sich die kräftige Muota ihren Weg bis in den Vierwaldstättersee.

Hauptinspektion

Zurück in der Gegenwart wird uns die Aussergewöhnlichkeit der bevorstehenden Inspektion spätestens dann bewusst, als wir an den Rand der Brücke treten und 30 Meter unter uns den rauschenden Fluss hören. Für die Begehung des Hänge- und Sprengwerks im unteren Bereich der Brücke ist definitiv eine Person erforderlich, die neben der entsprechenden fachlichen Expertise auch über die notwendige Schwindelfreiheit verfügt, um die Konstruktion sicher begehen bzw. «beklettern» zu können. Eine ideale Rolle für unseren Kollegen Romed, der als Freizeitkletterer schon an Seil und Karabiner gewöhnt ist. Die Sicherung erfolgt mit Unterstützung der Höhenarbeit.ch Industrie AG, einem Team, das auf Höhenarbeiten spezialisierten ist.

  • Romed Gomig, Tragwerksplanung
    Romed Gomig, Tragwerksplanung

«Das Tragwerk im oberen Teil der Brücke ist originalerhalten aus dem Jahr 1810. Aufgrund der exponierten Lage und der Witterungseinflüsse ist eine sorgfältige Begutachtung unerlässlich, um mögliche Schäden zu erkennen.»

Zunächst beurteilt Romed das Tragwerk optisch in allen Bereichen, die ohne Brückengerüst zugänglich sind. Anschliessend begeht er das Sprengwerk im unteren Teil der Brücke. Ein vorab von Höhenarbeit installiertes horizontales Sicherungssystem ermöglicht sowohl den Zugang zu diesem schwer erreichbaren Bereich der Brücke sowie das sichere «Über»-queren vom einen zum anderen Brückenende. Während sich Romed, im Klettergurt und am Seil gesichert, frei auf der neuen Sprengwerk-Konstruktion bewegt, untersucht er unter anderem die Stahl- und Holzbauteile und deren Verbindungen.

  • Die Steckbalken sind über 27 Meter lang und etwa fussbreit.
    Die Steckbalken sind über 27 Meter lang und etwa fussbreit.
  • Das Sprengwerk ist auf Betonauflager im Blocksteinfundament der Brücke gelagert.
    Das Sprengwerk ist auf Betonauflager im Blocksteinfundament der Brücke gelagert.
  • Stichprobenartige Inspektion der Tragkonstruktion.
    Stichprobenartige Inspektion der Tragkonstruktion.

Neben der visuellen Beurteilung und Dokumentation der Konstruktion bestimmt der Ingenieur auch die Holzfeuchtigkeit mittels Feuchtemessgerät punktuell an dafür vorgesehenen Messpunkten. Die Begutachtung wird ebenfalls fotografisch festgehalten. Sollten Abweichungen vom normativen Bereich – oder sogar direkte Beeinträchtigungen der Tragfähigkeit – auftreten, werden Handlungsempfehlungen definiert und mit der Bauherrschaft gezielte Massnahmen besprochen.

  • Punktuelle Zustandsuntersuchung des Sprengwerks.
    Punktuelle Zustandsuntersuchung des Sprengwerks.
  • Punktuelle Zustandsuntersuchung des Sprengwerks.
    Punktuelle Zustandsuntersuchung des Sprengwerks.
  • Punktuelle Zustandsuntersuchung des Sprengwerks.
    Punktuelle Zustandsuntersuchung des Sprengwerks.

Warum ist die Inspektionen von (Holz-)brücken wichtig?

  • Sicherheit: Unabhängig von der Art des Bauwerkes gibt es ein umfassendes und übergeordnetes Ziel: Die Gewährleistung eines für die Nutzerschaft sicheren Bauwerks. Insbesondere bei exponierten Bauwerken in der Natur können durch Witterungseinflüsse im Laufe der Zeit Schäden im Holz entstehen. Auch der Pilz- oder Schädlingsbefall kann durch eine hohe Holzfeuchtigkeit begünstigt werden – ebenso begünstigt Feuchtigkeit die Korrosion von Stahlbauteilen und Verbindungsmitteln. Unbeachtet können diese Einflüsse auf lange Sicht das Holz zerstören, zur Materialermüdung führen und im schlimmsten Falle die Stabilität eines Bauwerkes gefährden.
  • Früherkennung und Behebung: Werden all solche Einflüsse frühzeitig innerhalb von Inspektionen erkannt, kann mit gezielten Massnahmen dagegen gesteuert und kostenintensive Neubauten verhindert werden (Wirtschaftlichkeit).
  • Gesetzliche Dokumentationspflicht: Unabhängig von den verwendeten Baumaterialien beim jeweiligen Brückenbau sind Bauherrschaften resp. Betreibende gesetzlich dazu verpflichtet, in definierten Abständen Prüfungen durchführen zu lassen (in Deutschland nach DIN 1076 und in der Schweiz gemäss ASTRA Richtlinie 12002 Überwachung und Unterhalt der Kunstbauten der Nationalstrassen, 2005). Lückenlose Nachweise der Inspektionen sind im Schadensfall haftungsrelevant.
  • Feuchtigkeitsmessung der originalbehaltenen Holzkonstruktion.
    Feuchtigkeitsmessung der originalbehaltenen Holzkonstruktion.
  • Der Zustand wird fotografisch dokumentiert.
    Der Zustand wird fotografisch dokumentiert.
  • Vergleich mit dem Zustand der letzten Begutachtung vor fünf Jahren.
    Vergleich mit dem Zustand der letzten Begutachtung vor fünf Jahren.

Wir beenden unseren etwas anderen Arbeitstag mit zwei erfreulichen Nachrichten: Die Suworowbrücke präsentiert sich in einem guten Zustand und hat die kritische Inspektion erfolgreich bestanden. Auch Romed ist wohlbehalten zurück am Schreibtisch in Sargans ;-). Natur- und Bergliebhabenden steht somit einem Ausflug ins schöne Muotatal weiterhin nichts im Wege!

Fakten zum Sanierungsprojekt von 2010

Die Sanierung wurde mit dem Prix Lignum 2012 ausgezeichnet.

Partnerunternehmen:

  • Bauherrschaft: Gemeinde Schwyz
  • Ausführung Holzarbeiten: ARGE Suworowbrücke Dettling Holzbau AG, Brunnen
  • Holzbauingenieur: PIRMIN JUNG Schweiz AG
  • Weitere: bpp Ingenieure AG, Schwyz

Weitere nützliche Links:

Leitfaden für Inspektoren von Kunstbauten (ASTRA, Ausgabe 2021 V1.20)

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