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Campus RO – studentisches Wohnen in Rosenheim

Britta Bach und Matthias Ringenberger, Sinzig/Augsburg Juni 2020

Die Frage, wie Studierende heute wohnen wollen, stand im Mittelpunkt des Realisierungswettbewerbes um das «studentische Wohnen in Rosenheim». Ziel dieses Projektes ist es, einen Campus zu erschaffen, der Studieren, Wohnen und Freizeit in gleichem Maße verbindet. Ein Campus, der Gemeinschaft für Begegnungen und Austausch sowie Rückzug für konzentriertes Lernen ermöglicht.

Der Gewinnerentwurf der ACMS Architekten umfasst den Neubau von 174 Apartments für Studierende sowie einem Boardinghaus mit 44 weiteren Apartments. Der ganzheitliche und innovative Ansatz wird geprägt durch einen optimierten Bauablauf und einen hohen Energiestandard. Der Baustoff Holz trägt durch die werkseitige Vorfertigung der Holztafelelemente zur Bauzeitverkürzung bei.

  • Illustration: PONNIE Images, Aachen / ACMS Architekten GmbH
    Illustration: PONNIE Images, Aachen / ACMS Architekten GmbH

Dieses Leuchtturmprojekt wird in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe setzen.

Das innovative Konzept hat den Anspruch, den heutigen Anforderungen an das Bauen und das Betreiben einer Anlage fĂĽr studentisches Wohnen mit integriertem Boardinghouse (Managed Apartments) gerecht zu werden.

«Der Campus Rosenheim liegt in unmittelbarer Nähe zur Hochschule, muss mangels stadträumlicher Bezüge seine Qualität als Wohn- und Lebensraum jedoch aus sich selbst heraus entwickeln. Vorrangiges Ziel des Entwurfs ist es daher, den Studierenden nicht nur ein "Dach über dem Kopf" zu bieten, sondern einen innovativen, bereichernden, inspirierenden Lebensraum für diesen prägenden Zeitabschnitt», beschreibt Prof. Christian Schlüter, Dipl.-Ing. Architekt BDA, ACMS Architekten, die grundsätzliche Idee zu diesem Projekt.

Im Zuge der Vorplanung wurde von uns eine umfassende Variantenstudie zu möglichen Bauweisen (Holzbauweise, Massivbauweise, Hybrid) und Konstruktionsvarianten erstellt.

Letztendlich entschied sich der Bauherr für die Variante Holz-Beton-Verbund für Decken, Dach und Dachterrassen. Die tragenden Wohnungstrennwände werden aus Brettsperrholz mit Vorsatzschale gefertigt und die Außenwände in Holzrahmenbauweise erstellt.

Ein klarer Mehrwert fĂĽr das Projekt durch BIM

Weiterhin war es der ausdrückliche Wunsch der Bauherrschaft, dass das Projekt mithilfe von digitalen Planungsmethoden umgesetzt wird. Die Umsetzung erfolgt unter dem Stichwort «OpenBIM». Ein direkter Vorteil durch die digitale Methode ist ein gut funktionierender Prozess der Koordination. Zahlreiche Schnittstellen können bereits im Vorfeld am digitalen Gebäudemodelle koordiniert und gelöst werden. Außerdem trägt das 3D-Modell zu einem verbesserten Verständnis im Projektteam bei.

GroĂźes Potenzial durch BIM

Prof. Christian Schlüter meint hierzu: „Als wesentliche Potenziale der BIM-Methode sehen wir eine sehr strukturierte Arbeitsweise und die deutlich bessere Koordination der Fachdisziplinen untereinander. Verluste von Informationen sollen reduziert, Kollisionen früh erkannt und Fehler somit minimiert werden. Ein Pilotprojekt mit einem Open-BIM-Ansatz und einem hervorragenden Planerteam umzusetzen, welches das gleiche Ziel verfolgt, gestaltet sich derzeit als sehr spannend.“

Bei diesem Projekt haben wir ein einfaches Tragwerksmodell entworfen.

Die von uns modellierten Bauteile werden anschließend mit weiteren Informationen, wie z. B. Querschnitt, Festigkeit und Material befüllt. Hieraus werden dann die herkömmlichen Positionspläne abgeleitet.

Für das statische Konzept zur vertikalen Lastabtragung wurde das Achsraster der Wohnungstrennwände aufgegriffen. Die Deckenelemente spannen dadurch parallel zu Außenwand von Wohnungstrennwand zu Wohnungstrennwand. Dadurch ergeben sich Spannweiten von 6,4 m bzw. 3,2 m. An den Gebäudeabschlusswänden (Giebelseite) liegen die Deckenelemente auf einer Außenwand in Massivholzbauweise auf.

Eine wesentliche Herausforderung für die Tragwerksplanung stellt die Aussteifung der Gebäude dar. In Querrichtung werden die Gebäude durch die Wohnungstrennwände aus Brettsperrholz ausreichend ausgesteift. In Gebäudelängsrichtung stehen zur Aussteifung allerdings nur die Außenwände zur Verfügung.

Durch eine enge Abstimmung der Anordnung von Fenster- und Türöffnungen in den Außenwänden mit den Architekten gelingt aber die horizontale Lastabtragung der teilweise fünfgeschossigen Gebäude.

  • Illustration: ACMS Architekten GmbH
    Illustration: ACMS Architekten GmbH

Auch in den weiteren Leistungen, dem Brandschutz und der Bauakustik, stellt das Projekt hohe Anforderungen an das gesamte Team.

Spezielle Anforderungen an den Brandschutz

Für den Brandschutznachweis wurde das Projekt zunächst in zwei Bereiche unterteilt, welche hinsichtlich des Brandschutzes unterschiedlich zu bewerten sind.

Der Großteil der geplanten Gebäude wird in ihrer Nutzung dem «studentischen Wohnen» zugeordnet. Diese Gebäude umfassen bis zu fünf Geschosse. Das im südöstlichen Teil des Grundstücks geplante Boardinghouse wird bis zu sechs Geschosse hoch. Die Art der Nutzung obliegt hier der Beherbergungsverordnung (BStättV). Um die Gebäude in Holzbauweise ausführen zu dürfen, mussten im Brandschutzkonzept entsprechende Abweichungen definiert und abgestimmt werden.

Herausforderungen in der Bauakustik

Als dritte Fachdisziplin für dieses Projekt wird im Sinne der Bauakustik ein Schallschutznachweis erstellt. Hierbei sind vor allem die besonders hohen Anforderungen an die Konstruktion infolge des Außenlärms aus der nahe liegenden Bahnlinie zu nennen. Weitere Herausforderungen stellen die geplanten dezentralen Lüftungsgeräte in der Außenwand, sowie der Einbau von Fertignasszellen in die Apartments dar.

Gemeinsam viel erreichen

Prof. Christian Schlüter schätzt die Interdisziplinarität bei PIRMIN JUNG und fügt an: „Aus unserer Sicht läuft die Zusammenarbeit mit PIRMIN JUNG optimal. Beide Seiten haben ein ähnliches Verständnis der Arbeit am digitalen BIM-Modell wie auch in Fragen von Tragwerksentwurf, Bauphysik und Brandschutz.

So kann das Ziel, ein KfW-40-plus-Gebäude mit einer DGNB-Platin -Zertifizierung und hohem gestalterischen Ansprüchen zum Wohle der späteren Nutzer in gemeinsamer Arbeit gut erreicht werden.“

Spannende Facts & Figures

Baustart: Juli 2020

Bauherr: Campus RO GmbH & CO. KG, DE-83022 Rosenheim

Architekt: ACMS Architekten GmbH, DE-42103 Wuppertal

Tragwerksplanung Holzbau, Brandschutz und Bauphysik: PIRMIN JUNG Deutschland GmbH, DE-53424 Remagen

Holzbau: Huber & Sohn GmbH & Co. KG, DE-83549 Eiselfing