Im Jahr 2017 lancierte die Bank aus dem Kanton Obwalden einen Studienauftrag für ihren Neubau in Sarnen Nord, bei dem die Seiler Linhart Architekten AG gemeinsam mit PIRMIN JUNG den 1. Rang erzielt haben. Auswahlkriterien seien neben der architektonischen Qualität auch Funktionalität und Kostenoptimierung gewesen, sagt der Bankdirektor Bruno Thürig. «Mit diesem Siegerprojekt konnten wir unsere Arbeitsabläufe sehr effizient umsetzen, Stichwort ‹kurze Wege› », erklärt Bruno Thürig. Nach einer Bauzeit von zwei Jahren haben die 150 Mitarbeitenden am 30. August 2021 ihren neuen Firmensitz im Quartier Feld in Sarnen bezogen.
Laubholz in der Konstruktion
Fünfstöckig, 18 m Höhe und eine Gesamtfläche von 8‘800 m2. Quadrum – wie man den Neubau auch nennt – besteht primär aus einer Holz-Konstruktion mit quadratischem Grundriss. «Die gesamte Struktur des Gebäudes zeigt ein sichtbares Tragwerk aus Eschenholz, welches durch die Einschnitte des Atriums und des Innenhofs gebrochen wird», erklärt Julia Wurst, die Architektin von Seiler Linhart Architekten AG. Das Holztragwerk mit einem Rastermass von 2,8 m ist in Skelettbauweise (Stützen plus Unterzüge) komplett in Eschenholz aus dem Kanton Obwalden erstellt. In den Büroräumen sind sichtbare Holzbetonverbunddecken mit einer Spannweite von 8,4 m eingebaut. Die Verbunddecken bestehen aus Holzrippen (Verbundträger aus Esche und Fichte) und einem Überzug aus Beton. In den Erschliessungsbereichen wurde für die Flachdecke liegendes Brettschichtholz mit OSB3-Platten zur Scheibenausbildung verbaut. Die Erschliessungsbereiche dienen auch der Verteilung der Haustechnik.
Aufrichte innerhalb von neun Tagen
Diese rund 400 Tonnen Konstruktionsholz hat die ARGE Holzbau OKB im Zweischichtbetrieb innerhalb von neun Tagen aufgerichtet. Was für eine Leistung! Dank des Baustoffs Holz, der guten Vorausplanung durch den Holzbauer und des Wetterglücks sind solche schnellen Montagezeiten möglich. Mit sogenannten «Rechen» konnten die teils schon vorgefertigten Elemente, wo nötig, noch zusammengesteckt und dann direkt aus diesen «Rechen» mit einem Kran gepackt und am richtigen Ort eingesetzt werden. Im Anschluss montierten die Holzbauer die Betonfiligranelemente am Bauobjekt. Zur gleichen Zeit konnten auf dem Vorplatz die «Rechen» wieder gefüllt werden. Dieses Vorgehen unterstützte den effizienten Bauprozess.
Fassadenschalung aus Fichte
Die Fassade besteht aus einer sehr kleinteiligen und aufwendigen Holzschalung in einheimischer Fichte. Hier galt es, den Details ein besonderes Augenmerk beizumessen. Unser Projektleiter Tragwerksplanung, Jonin Frigg, entwickelte in interner Zusammenarbeit mit der Projektleitung Bauphysik, der Architektin und der Bauherrin die Fassade. An einem Fassaden-Mock-up liessen sich die Details beurteilen und definieren. Das Endergebnis lässt sich sehen: Die Fassade profitiert von nicht sichtbaren Befestigungen, einem guten Einschnitt und einer hohen Holzqualität und gibt mit der aubergine-ähnlichen Farbgebung ein angenehm ims Quartier passendes Bild ab.
Ein hervorragendes Raumklima
Um ein angenehmes und ruhiges Büroklima sicherzustellen, nahm auch bei diesem Bau das Thema Raumakustik eine zentrale Rolle ein. Dank Simulationen und der gemeinsamen Entwicklung konnte eine optimierte Lösung hinsichtlich Effizienz und Wirtschaftlichkeit gefunden werden. Die Schallschutztests kurz vor dem Bezugstermin bestätigten die Simulationen und Lösungen. Die Werte sind hervorragend und garantieren eine angenehme Arbeitsatmosphäre für die Mitarbeitenden. Das Gebäude stellte zudem hohe Anforderungen an den Energiebedarf.
Hohe Anforderungen an den Brandschutz
Unser Brandschutzexperte, Christoph Elsässer, musste im Brandschutzkonzept unter anderem die Besonderheiten von Fluchtwegen in einer Bank berücksichtigen. Unterschiedliche Sicherheitszonen zogen teilweise technische Umsetzungen der Fluchtwege mit sich. Auch die Planung der Zugänglichkeit für Intervention und Feuerwehr musste in enger Zusammenarbeit mit der Sicherheitsplanung und dem Eigentümer erfolgen. Die Berücksichtigung aller Abhängigkeiten zwischen den Zielen von Sicherheit und Brandschutz war ohne den freiwilligen Einbau einer zentralen Brandmeldeanlage mit Vollüberwachung nicht möglich. Das Zusammenspiel aller technischen Einrichtungen im Brandschutz sowie die Sicherheit wurden in einem integralen Test geprüft.
Natürlich, nachhaltig und obwaldnerisch
Der Holzbau bietet sowohl der Obwaldner Kantonalbank als auch dem Kanton einen Mehrwert. In diesem sind viele Unternehmen im Holzbau tätig. «Und die Holzbauweise passt ausgesprochen gut zu den Werten unserer Bank: natürlich, nachhaltig, obwaldnerisch », ergänzt Bruno Thürig. Im Sinne der Nachhaltigkeit und der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung für den Kanton wurde so weit möglich das lokale Gewerbe berücksichtigt und einheimisches Holz verwendet. Der Beschaffungsprozess des Holzes startete bereits im Herbst 2018. Das gesamte Rundholz, knapp 2’600 m³ – davon 800 m³ Esche und 1’800 m3 Fichte –, wurde im Kanton Obwalden geschlagen. Neben dem einheimischen Holz konnten auch 70 % der Arbeitsgattungen im Kanton vergeben werden. Zudem lebt der Bau von diversen künstlerischen Interventionen. Hier nur ein Beispiel: Runde Flusskieselsteine aus Obwaldner Flussmündungen und Wildbächen legte man in eine quadratische Schalung und goss sie ein. Die ausgetrockneten Blöcke wurden zu Terrazzoplatten (Kunststeinplatten) geschnitten und in der Empfangshalle verlegt. Die Steine wurden sichtbar – ein wahres Naturkunstwerk in der Empfangshalle, das gemeinsam mit dem Holz ein tolles Ambiente verspricht.
Kurze Wege und eine gute Teamarbeit
«Wir haben es mit einem hochkomplexen Gebäude zu tun, an dem viele Fachexperten beteiligt waren. Alle Bedürfnisse zu einem grossen Ganzen zusammenzubringen und dabei die Grundidee nicht aus den Augen zu verlieren, das war eine Herausforderung », meint Julia Wurst. PIRMIN JUNG bearbeitete die drei Gewerke Tragwerksplanung, Bauphysik und Brandschutz. Diese interne Zusammenarbeit mit den kurzen Informationswegen, der dadurch effizienten Arbeitsweise und der offenen, klaren Kommunikation zwischen diesen drei Gewerken stellte sich als optimal heraus – nicht nur für PIRMIN JUNG, sondern auch für das gesamte Projektteam. Julia Wurst bringt es auf den Punkt: «Die offene und gute Teamarbeit gemeinsam mit der Bauherrschaft machte es uns möglich, ein solch tolles Projekt zu realisieren.»
Das sagen unsere Projektbeteiligten zu ihrem Einsatz für die neue Obwaldner Kantonalbank:
«Durch die zielorientierte Zusammenarbeit mit den anderen Fachplanern, besonders dem Holzbauer, ist es gelungen, ein Tragwerk zu entwickeln, welches sämtliche technischen und architektonischen Anforderungen erfüllt und zudem eine sehr kurze Montagezeit generiert hat. Daraus konnte ich wertvolle Erfahrungen, auch für zukünftige Projekte, sammeln.»
«Mit unseren Dienstleistungen aus dem Bereich Bauphysik stellen wir ein angenehmes Arbeitsklima sicher. Auch in diesem Projekt war es einmal mehr sehr wertvoll, der Bauherrschaft unsere Komplett-Dienstleistungen aus einer Hand anbieten zu können. Die internen Wege sind kurz, die Absprachen erfolgen transparent, und es wird eine einheitliche Philosophie gelebt.»
«Der Schlüssel zum erfolgreichen integralen Brandschutz lag hier in der frühen Koordination aller beteiligten Disziplinen. Von der Sicherheitsplanung über die Haustechnik bis zu den technischen Brandschutzeinrichtungen gibt es sehr viele Schnittstellen und Abhängigkeiten. Für mich zeigt dieses Projekt wieder einmal deutlich, wie wichtig eine gute Kommunikation von Beginn an ist.»
Archivperlen - aus dem Archiv von PIRMIN JUNG
Die erste fünfgeschossige Bank haben wir 2006 in Navan, Irland, geplant. Treppenhäuser und Liftkern in Holz - ein spannendes Projekt. Später unterstützten wir als Ingenieure und Planer diverse Schweizer Raiffeisenbanken bei der Planung ihrer Neubauten in Holzbauweise.
Spannende Facts & Figures
- Bauzeit: 2019 - 2021
- Bauherrin: Obwaldner Kantonalbank, Sarnen
- Architektur: Seiler Linhart Architekten AG, Sarnen
- Tragwerksplanung, Bauphysik, Brandschutz: PIRMIN JUNG Schweiz AG, Rain
- Holzbau: ARGE Holzbau OKB mit Holzbautechnik Burch AG, Sarnen, und Küng Holzbau AG, Alpnach Dorf
- Gesamtfläche: 8'800 m2
- Holz: Total 2'600 m3 Rundholz (800 m3 Esche, 1800 m3 Fichte) zu 100 % aus dem Kanton Obwalden. Im verbauten Holz sind 678 Tonnen CO2 gespeichert.
Bildquelle Objektbilder: Rasmus Norlander, Zürich


















