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Ein biodiverser Garten mit Signalwirkung

Sursee, Juni 2024

2022 wurde unser neuer Firmensitz in Sursee eröffnet: Das Haus des Holzes gilt als Flaggschiff punkto klimagerechtes Bauen und Kreislaufwirtschaft. Das gilt auch für den dazugehörenden Garten, wo die Biodiversität gefördert wird. Heute ist er ein ästhetisches Wildbienenparadies, indem sich sogar äusserst seltene Arten angesiedelt haben. Damit dies gelang, war geballtes Fachwissen nötig.

Wildbienen, die summend umherschwirren, Holzhocker, die zum Verweilen einladen und ein erfrischend natürlich wirkender Garten: Dieses Bild zeigt sich heute rund um das Haus des Holzes an der Centralstrasse 34 in Sursee. Der Firmensitz unseres Ingenieur- und Planungsunternehmens PIRMIN JUNG Schweiz AG hat neue Massstäbe für klimagerechtes Bauen und Kreislaufwirtschaft gesetzt. Für die Realisation haben wir keine Kosten gescheut. Unter anderem wurde das sechsgeschossige Projekt – es weist auch einige Wohnungen auf – mit dem renommierten Arc-Award in der Kategorie «BIM: zukunftsweisende Entwicklungen» ausgezeichnet. Dieselben hohen Ansprüche wurden an die Umgebungsgestaltung und den Garten gestellt: Gewünscht wurde explizit ein Wildbienengarten, der die Biodiversität fördert. Schliesslich sollte das gesamte Projekt eine Signalwirkung ausstrahlen und die Firmenphilosophie hinsichtlich Nachhaltigkeit, Innovation und digitalem Bauen repräsentiert werden.

«Das Haus des Holzes ist ein Vorzeigebeispiel dafür, dass auch auf kleinen Flächen im urbanen Kontext ein wichtiger Beitrag zum Stadtklima, zur Biodiversität und zum Regenwassermanagement geleistet werden kann»

Um das Projekt Garten und Umgebungsgestaltung erfolgreich umzusetzen, war das Wissen von Fachleuten notwendig. Das gestalterische Konzept sowie die Planung lagen in der Hand des Landschaftsarchitektur-Büros LAND SCHAFFT GmbH aus Sursee. «Besonders im städtischen Kontext werden die Anforderungen an die Förderung der Biodiversität oft unterschätzt. Deshalb war für uns früh klar, dass eine Zusammenarbeit mit Experten in diesem Bereich von Vorteil ist», erklärt Lukas Spälti, Landschaftsarchitekt und Geschäftsführer der LAND SCHAFFT GmbH. Für die Biodiversität, die ökologische Beratung, die Bepflanzung sowie die nachhaltige Pflege wurde das auf diese Bereiche spezialisierte Unternehmen Kompass B aus Zürich engagiert. Die Ausführung übernahm die Egli Gartenbau AG mit Sitz in Sursee. «Jeder von uns konnte von den Fachkenntnissen der anderen profitieren», resümiert Lukas Spälti.

  • Holzhocker laden zum Verweilen ein. Bild: LAND SCHAFFT GmbH Sursee
    Holzhocker laden zum Verweilen ein. Bild: LAND SCHAFFT GmbH Sursee

Die Planung des Gartens sowie die Gestaltung der Aussenlandschaften brachten für den Landschaftsarchitekten einige Herausforderungen mit sich: «Der Umgebungsanteil ist bei diesem Projekt begrenzt: Es hiess, auf einer verhältnismässig kleinen Fläche viele Funktionen unter zu bringen.» Die Terrasse und der angrenzende Garten sollen den Arbeitnehmenden eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. «Genauso wichtig war, dass der Blick aus dem Fenster eine beruhigende Wirkung hat», sagt der Landschaftsarchitekt. Der ökologische Wert lag uns als PIRMIN JUNG wie allen beteiligten Unternehmen besonders am Herzen. «Das Haus des Holzes samt der Umgebung ist ein Vorzeigebeispiel dafür, dass auch auf kleinen Flächen im urbanen Kontext ein wichtiger Beitrag zum Stadtklima, zur Biodiversität und zum Regenwassermanagement geleistet werden kann», so Lukas Spälti.

Doch gerade im städtischen Umfeld müssen viele Rahmenbedingungen eingehalten werden. Dazu gehören die gesetzlich vorgeschriebenen Flächen für mögliche Einsätze der Feuerwehr sowie ausreichend Velo- und Autoabstellplätze. Und selbstverständlich muss alles hindernisfrei zugänglich sein. Auch unterirdisch gibt es einiges zu beachten: so etwa die Vielzahl von Werkleitungen auf engem Raum oder die Tiefgarage. Um eine hohe Strukturvielfalt und damit Lebensraum für die Stadtflora und-fauna zu realisieren, achtete Lukas Spälti darauf, möglichst wenig versiegelte Flächen zu gestalten. Unterschiedliche Substrattypen stellen darüber hinaus eine hohe Versickerungsleistung für anfallendes Meteorwasser sicher.

  • NatĂĽrlich schön – der biodivers angelegte Garten des Haus des Holzes. Bild: PIRMIN JUNG Schweiz AG.
    Natürlich schön – der biodivers angelegte Garten des Haus des Holzes. Bild: PIRMIN JUNG Schweiz AG.

Eine weitere grosse Herausforderung war für Spälti der Wunsch der Bauherrschaft nach einer papierlosen Baustelle: «Im Gegensatz zum Hochbau ist die digitale Planungsmethode Building Information Modeling (BIM) in der Landschaftsarchitektur noch wenig fortgeschritten. Wir mussten uns stark eindenken und vieles neu erarbeiten. Dieser Prozess war aber äusserst spannend und lehrreich», sagt Lukas Spälti. So wurde mit BIM die gesamte Planung in 3D erfasst – für das junge Landschaftsarchitekturbüro in diesem Ausmass eine Premiere. Die Vorteile von BIM liegen auf der Hand: «Die Raumverhältnisse und Volumen lassen sich konkret darstellen. Bereits in der Entwurfsphase war der Abgleich mit den verschiedenen Fachplanern möglich. Zudem erlaubt die 3D-Geländemodellierung eine präzise Prognose der zu erwartenden Kosten. Damit steigt die Planungssicherheit enorm.»

Ăśber 300 Pflanzen und seltene Wildbienenarten

Für die Biodiversität war das Unternehmen Kompass B aus Zürich verantwortlich. Der Geschäftsführer und Biologe, Dr. Claudio Sedivy, sagt: «Ein biodivers angelegter Garten ist ein eigenes, kleines Ökosystem. Es benötigt drei bis fünf Jahre, um sich zu entwickeln.» Beim Garten des «Haus des Holzes» wollte Claudio Sedivy zeigen, dass sich ein biodivers gestalteter Garten und ein ästhetisches Aussehen nicht ausschliessen. Um die Biodiversität sicherzustellen, sind verschiedene Elemente wie Totholz, Findlinge, Steinhaufen, Sandflächen und Kies erforderlich. «Totholz oder Sandflächen fördern etwa die Ansiedlung von bodennistenden Wildbienenarten. Von diesen Strukturen profitieren neben den Wildbienen, auch viele andere Tiere wie Amphibien, Reptilien sowie andere Insektengruppen», erklärt Claudio Sedivy. Mit diesen Materialien eine für das Auge ansprechende Gartenlandschaft zu gestalten, sei die grosse Herausforderung urbaner Biodiversitätsgärten.

Dass das Kunststück bei diesem Projekt gelungen ist, bestätigt die Familie Kolly-Limacher, die gemeinsam mit ihrem Sohn eine Wohnung in einem der oberen Stockwerke des «Haus des Holzes» bewohnt. «Die optische Gestaltung des Gartens ist für uns mehr als nur ästhetisch ansprechend – sie ist ein integraler Bestandteil unseres täglichen Lebens.»

  • Diese artenreich bepflanzte Ruderalfläche fördert die Biodiversität. Bild: LAND SCHAFFT GmbH, Sursee
    Diese artenreich bepflanzte Ruderalfläche fördert die Biodiversität. Bild: LAND SCHAFFT GmbH, Sursee

Durch die Förderung von natürlichen Mechanismen kann auf jegliche Art von Dünger verzichtet werden.

Insgesamt wurden im Garten über 300 Pflanzenarten angesiedelt – die meisten davon sind einheimisch. Die regelmässige Pflege des Gartens übernimmt Kompass B. «Wichtig ist das Erkennen der einzelnen Pflanzen. Denn wir müssen frühzeitig bemerken, welche gezielt gefördert und welche in ihrer Verbreitung eher etwas eingedämmt werden müssen, um den Erhalt der Biodiversität sicherzustellen», sagt der Geschäftsführer von Kompass B. Es gebe immer einige besonders konkurrenzstarke Arten, die ohne entsprechendes Management das Zepter übernehmen und andere Arten verdrängen würden. Die Gartenarbeiten führt das Unternehmen während fünf Einsätzen pro Jahr von Hand aus – ohne Maschinen, Lärm und CO2-Ausstoss. Die Anreise erfolgt jeweils mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Alles, was abgeschnitten wird, verbleibt im Garten. Es kommt nichts Neues hinzu. «An speziell eingerichteten Stellen wird das Schnitt- und Jätgut in wertvollen Humus verwandelt. Dadurch können wir auf jegliche Art von Dünger verzichten. So schaffen wir einen geschlossenen Stoffkreislauf im Innern des Gartens», sagt Claudio Sedivy. Lediglich gewisse Strukturen wie beispielsweise markhaltige Stängel oder morsches Totholz müssten in unterschiedlicher Regelmässigkeit ersetzt und ergänzt werden.

  • Die Glockenblumen-Scherenbiene hat sich im Garten angesiedelt. Sie ist fĂĽr ihre Fortpflanzung auf reiche Glockenblumen-Bestände angewiesen. Bild: Kompass B.
    Die Glockenblumen-Scherenbiene hat sich im Garten angesiedelt. Sie ist für ihre Fortpflanzung auf reiche Glockenblumen-Bestände angewiesen. Bild: Kompass B.

Damit Claudio Sedivy weiss, für welche Wildbienenarten überhaupt Lebensraum geschaffen werden soll, muss er zunächst eruieren, welche Arten in der entsprechenden Region von Natur aus vorkommen. Im Garten des «Haus des Holzes» wurden beispielsweise eigens für die grosse Holzbiene morsche Totholz-Elemente geschaffen und Muskateller-Salbei gepflanzt. «Für die Glockenblumen-Scherenbiene haben wir ein Wildbienenhaus aufgestellt und Glockenblumen gesetzt. Diese Wildbienenart sammelt Pollen und Nektar ausschliesslich in den Blüten von Glockenblumen», erklärt der Biologe. Eine sehr seltene Art hat sich ebenfalls im Garten angesiedelt: Die Knautien-Sandbiene. «Für sie wurden Knautien und Skabiosen gepflanzt und Sandflächen erstellt, wo sie ihre Nester graben können.»

  • Die Knautien-Sandbiene steht auf der roten Liste der bedrohten Wildbienenarten der Schweiz. Im Garten des «Haus des Holzes» wurde sie bereits im ersten Jahr gesichtet. Bild: Kompass B.
    Die Knautien-Sandbiene steht auf der roten Liste der bedrohten Wildbienenarten der Schweiz. Im Garten des «Haus des Holzes» wurde sie bereits im ersten Jahr gesichtet. Bild: Kompass B.

Wildbienen sind grundsätzlich sehr friedliche Tiere, die problemlos mit dem Menschen zusammenleben. Die anwohnende Familie Kolly-Limacher sagt: «Wir schätzen die Wildbienen und betrachten sie als natürlichen Bestandteil unserer Umgebung.» Die Familie stellte zudem fest, dass seit der Fertigstellung des Gartens vermehrt Vögel in der Peripherie des Hauses unterwegs oder präsent sind.

Für eine Wohnung im «Haus des Holzes» hatten sich die Kolly-Limachers beworben, weil sie von Anfang an von der innovativen Ausstrahlung des Projekts und seinem Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz beeindruckt war. «Für uns war es wichtig, dass unser Wohnort nicht nur ein Ort zum Leben ist, sondern auch einer, an dem unsere Werte aktiv gelebt und unterstützt werden», erklärt Noelle Kolly. Der Wildbienengarten samt Lernpfad und Sitzmöglichkeiten sei für sie ein bemerkenswertes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung. «Wir sind stolz, dass wir als Bewohnende ein Teil dieses Projektes sein dürfen. Wir hoffen, dass das innovative Konzept noch mehr Menschen inspiriert.»

Weitere Informationen zum Haus des Holzes finden Sie hier.