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Rede und Antwort: Faszination Brandschutz

Sursee, Oktober 2025

Grosse, imposante Holztragwerke oder ein spürbar wohliges Raumgefühl – diese Elemente aus Tragwerksplanung und Bauphysik sind sofort sicht- oder erlebbar. Um die Faszination vom Brandschutz zu verstehen, muss man etwas tiefer gehen – deshalb haben wir Marianne Müller zu ihrem Berufsfeld befragt.

Marianne, wer bist du?

Ich bin Marianne Müller und arbeitet seit 2017 bei PIRMIN JUNG im Team Brandschutz. Ich bin ein Mensch, der mit offenen Augen durchs Leben geht - mittlerweile mit «Brandschutzaugen». Wo ein Zimmermann vielleicht eine schräge Fuge sieht, sehe ich einen abgedeckten Rauchmelder oder eine unterkeilte Brandschutztür.

  • Marianne Müller, Brandschutzexpertin bei PIRMIN JUNG
    Marianne Müller, Brandschutzexpertin bei PIRMIN JUNG

Wie bist du zum Brandschutzteam gekommen?

Vor meiner Zeit bei PIRMIN JUNG war ich insgesamt über 20 Jahre auf dem Bau tätig. Ich bin gelernte Hochbauzeichnerin und Zimmerin und war danach über 15 Jahre als Projektleiterin tätig. Dass ich im Brandschutz bei PIRMIN JUNG landete, war auch etwas Zufall. Ich fing als Projektmitarbeiterin an und hatte eine Vorstellung von Brandschutz – auch mit meiner Erfahrung als Zimmerin – aber die Tragweite des Themas war mir nicht bewusst. Es war, als würde ich eine neue Sprache lernen. Heute bin ich Brandschutzexpertin und fühle mich in meinem Aufgabengebiet und den Projekten, die ich umsetzen darf, sehr wohl.

  • «Dass ich mich im Brandschutzteam so wohl fühle ist ein Grund, warum ich jeden Tag gerne ins Büro komme.»
    «Dass ich mich im Brandschutzteam so wohl fühle ist ein Grund, warum ich jeden Tag gerne ins Büro komme.»

«Ich setze mich täglich dafür ein, die Sicherheit von Menschen in Gebäuden sicherzustellen.»

Da dein Beruf von aussen etwas abstrakt wirken kann: Wie würdest du ihn beschreiben?

Stimmt, von aussen kann das so wirken. Das liegt auch daran, dass wir im Vergleich zu anderen Gewerken, beispielweise den Zimmerleuten, einen anderen, parallelen Fahrplan haben. Wenn bei einem Gebäude die intensive Phase rund ums Aufrichten läuft, bin ich im engen Austausch mit den Fachplanenden der Haustechnik. In der täglichen Arbeit finde ich meinen Beruf sehr sinnstiftend und konkret: Ich setze mich täglich dafür ein, die Sicherheit von Menschen in den jeweiligen Gebäuden sicherzustellen. Wenn beispielsweise ein Feuer ausbricht, müssen meine Arbeit und die von der Fachplanung ineinandergreifen, damit möglichst schnell das gesamte Gebäude evakuiert werden kann. Gleichzeitig will ich auch einen wirtschaftlich sinnvollen Brandschutz sicherstellen.

Bist du dafür den ganzen Tag in Brandschutzrichtlinien vertieft? Oder was macht für dich die Faszination aus?

Ganz und gar nicht. Mein Tag ist unglaublich abwechslungsreich und ich lerne auch nach acht Jahren beinahe täglich dazu. Darum finde ich meinen Beruf auch immer noch faszinierend. Es ist sehr selten, dass ich einen ganzen Tag an einem Brandschutzkonzept arbeiten kann. Oftmals bin ich in ständigem Austausch – telefonisch oder per Mail mit der Fachplanung, beantworte deren Fragen und berate sie. Letzthin rief mich ein Architekt an und hatte Fragen zu einer Holzverkleidung an Wänden. Das sind spannende Gespräche: Wo befindet sich die Holzverkleidung? Ist sie in einem Fluchtweg? Ist es ein horizontaler oder vertikaler Fluchtweg? Aufgrund solcher Rückfragen kann ich seine gestalterischen Möglichkeiten aufzeigen, die mit dem Brandschutzkonzept vereinbar sind.

Dabei hilft dir auch deine grosse Erfahrung aus der früheren Projektleiterinnen-Zeit?

Auf jeden Fall. Fachlich ist es nicht unbedingt vergleichbar. Aber ich kenne die Abläufe auf den Baustellen und ich habe schon früh in meinem Berufsleben darauf geachtet, dass ich nicht einfach für die Theorie plane, sondern dass es auch praxisnah und umsetzbar ist. Das hilft mir jetzt auch beim Erstellen von Brandschutzkonzepten.

  • Schlussabnahme QS Brandschutz bei der Wohnüberbauung Bahnhöfli in Ermensee.
    Schlussabnahme QS Brandschutz bei der Wohnüberbauung Bahnhöfli in Ermensee.

Bist du als Brandschützerin eher Einzelkämpferin oder Teamplayerin?

Beides. Grundsätzlich ist die Teamarbeit sehr wichtig. Die ganze Koordination mit dem Fachplanerteam oder auch das Zusammenspiel mit den Gebäudeversicherungen für die Abnahme der Gebäude bezüglich Brandschutz ist im Endeffekt Teamarbeit. Ausserdem sind wir bei PIRMIN JUNG ein eingespieltes Team und unterstützen einander gegenseitig als Sparringpartner. Das schätze ich sehr.

Mein Job hat sicherlich auch einsame Momente, wenn ich mich immer und immer wiederholen muss, damit die Brandschutzvorschriften eingehalten werden. Aber das muss sein, schliesslich kontrolliere ich die Qualität der Brandschutzmassnahmen und sage ‘Jawohl, dieses Gebäude erfüllt die brandschutztechnischen Anforderungen’.

  • Fachplanersitzung im Projekt «Mieterausbau Produktionshalle Awindo AG» (ehemals 4B). Ein gut funktionierendes Projektteam ist das A und O für ein erfolgreiches Bauprojekt.
    Fachplanersitzung im Projekt «Mieterausbau Produktionshalle Awindo AG» (ehemals 4B). Ein gut funktionierendes Projektteam ist das A und O für ein erfolgreiches Bauprojekt.

«Wenn bei einem Gebäude die intensive Phase rund ums Aufrichten läuft, bin ich im engen Austausch mit den Fachplanenden der Haustechnik.»

Wie viele Projekte stemmst du gleichzeitig?

Insgesamt sind aktuell wohl zwischen 25 und 30 Projekte auf meinem Schreibtisch. Aber natürlich nicht in der gleichen Phase, sonst wäre das nicht machbar. Die intensivsten Zeitfenster für uns im Brandschutz sind bei der Baueingabe und dann viel später bei der Inbetriebnahme mit den Baustellenkontrollen und der Abnahme zusammen mit der Gebäudeversicherung. Dazwischen gibt es auch mal ruhigere Phasen.

  • «Wenn ich bei meinem Pferd bin kann ich voll und ganz vom Büroalltag abschalten.»
    «Wenn ich bei meinem Pferd bin kann ich voll und ganz vom Büroalltag abschalten.»

Wie schaffst du es, nach einem stressigen Tag abzuschalten?

Da habe ich glücklicherweise keine Mühe. Ich kann mich gut distanzieren und abschalten. Sei das am Abend oder am Wochenende, wenn ich mit meinem Pferd unterwegs bin. Es spricht ja auch wieder für mein Umfeld bei der Arbeit, wenn ich so gut abschalten kann. Es ist sehr selten, dass mich am Abend noch etwas beschäftigt. Gleichzeitig freue ich mich jeden Morgen aufs Büro und beginne voller Elan mit der Arbeit.

Gibt es Projekte, auf die du besonders stolz bist?

Ja, aus den unterschiedlichsten Gründen. Und da kommen sicherlich immer neue Projekte hinzu. Beispielsweise das Projekt Kantonales Verwaltungsgebäude am Seetalplatz macht mich schon stolz, weil es eine für mich völlig neue Dimension hat, viele Herausforderungen birgt und auch viel technischer Brandschutz dabei ist, wie beispielsweise Brandmeldeanlagen, Rauchschutzdruckanlagen oder die Sprachalarmierung. Dieses Projekt begleite ich seit der Wettbewerbsphase 2018 und bin da seither sehr nah dran.

  • «Baukontrolle beim Neubau des Kantonalen Verwaltungsgebäude am Seetalplatz in Luzern...
    «Baukontrolle beim Neubau des Kantonalen Verwaltungsgebäude am Seetalplatz in Luzern...
  • ...zusammen mit meiner Kollegin aus der Bauphysik.»
    ...zusammen mit meiner Kollegin aus der Bauphysik.»
  • Baukontrolle beim Neubau des Kantonalen Verwaltungsgebäude am Seetalplatz in Luzern.
    Baukontrolle beim Neubau des Kantonalen Verwaltungsgebäude am Seetalplatz in Luzern.

Du bist Königin für einen Tag. Was änderst du an deinem Beruf?

Unser Beruf funktioniert gut und ist eingespielt. Aber gegen einen Digitalisierungsschub und modellbasierten Brandschutz hätte ich nichts einzuwenden.

Was würdest du jungen Personen raten, die ebenfalls in den Brandschutz einsteigen wollen?

Ganz zuerst: Die Person muss ja nicht zwingend jung sein. Und dann würde ich raten: Einfach probieren. Es lohnt sich und ist nie eintönig. Klar, zuerst muss jede Person herausfinden, ob dieses Themengebiet für einen selbst passt. Wer dazu Ja sagen kann, den erwartet ein sehr spannendes Arbeitsgebiet. Ich suche die ganze Zeit nach Lösungen mit den Projektbeteiligten, wie wir die Sicherheit von Menschen in Gebäuden im Brandfall gewährleisten. Und auch die vielzitierten Brandschutzrichtlinien hat man schnell im Griff.

Danke dir für deine offenen Antworten!

Infobox – Die Begrifflichkeiten schnell erklärt:

Was ist ein Brandschutzkonzept?

Das Brandschutzkonzept ist ein Dokument, das die Gesamtheit aller erforderlichen Brandschutzmassnahmen eines Gebäudes darstellt.

Was ist technischer Brandschutz?

Zum technischen Brandschutz gehören beispielsweise Brandmeldeanlagen, Sprinkler- oder Entrauchungsanlagen. Diese werden im Konzept festgehalten und von den Fachplanenden im Detail geplant und umgesetzt.

Was ist betrieblicher Brandschutz?

Im betrieblichen Brandschutz werden personelle und organisatorische Massnahmen zusammengefasst für die Prävention sowie die rasche Erkennung von Bränden. Dazu gehört die Signalisation der Fluchtwege, die Sicherstellung, dass Fluchtwege freigehalten werden oder auch die Schulung von Personen im Betrieb, die bei der Evakuation unterstützen.