Seit 2013 wird bei PIRMIN JUNG aktiv geforscht bezüglich der Potenziale, Anwendungs- und Umsetzungsmöglichkeiten der digitalen Vernetzung für den Planungsalltag. Building Information Modeling (BIM) bedeutet für uns nicht nur den Einsatz von neuen Software-Werkzeugen, sondern bildet die Basis einer neuen Arbeitsmethodik. Dazu werden im Rahmen eines firmeninternen Projektes in iterativen Schritten Visionen und Strategien aus der Geschäftsleitungsebene mit neuen Möglichkeiten und Erfahrungen aus der Projektbearbeitungsebene zusammengeführt und so die Firma mit Teilprojekten digital transformiert.
Planen, bauen und betreiben im Zeitalter der digitalen Revolution – das ist BIM für uns.
Welche Ziele verfolgen wir?
Ziel von PIRMIN JUNG ist es dabei, nicht bloss die Kundenbedürfnisse und -Anforderungen bezüglich BIM bedienen zu können, sondern die digitale Transformation auf Firmenebene im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zu vollziehen, um den langfristigen Erfolg der Firma nachhaltig zu sichern und deren weitere Entwicklung zu ermöglichen.
Die Vision ist, eine zentrale Projektdatenbank zu implementieren, basiernd auf dem Vorbild des bereitsbestehenden Intranets zum Informations- und Wissensmanagement. Aufbauend darauf wird die Idee verfolgt, Arbeitsschritte und Abläufe zu automatisieren – auf Grundlage eines kontinuierlichen und sofortigen Lernens aus unseren Bauprojekten. Um das zu ermöglichen, führen wir konkrete Theorie- und Praxisschulungen durch. Darin erarbeiten die Mitarbeitenden, wie an neue Projektsituationen herangegangen werden kann und wann welche Schritte mit welchen Baupartnern anstehen. Also zum Beispiel, wann das 3D-Modell zur Verfügung stehen muss und wann welche Modelle und Pläne daraus generiert werden können. Zusammen mit den Mitarbeitenden sollen die richtigen digitalen Werkzeuge eruiert und entwickelt werden, damit sie Projekte in einer hohen Qualität, aber auch mit persönlicher Befriedigung und Freude bearbeiten können.
Wie gehen wir vor?
Alle durch die internen Projekte zur digitalen Transformation gewonnenen Erkenntnisse werden jeweils umgehend in Grundlagendokumenten und Anleitungen fĂĽr die Abwicklung und Zusammenarbeit bei Projekten mit BIM-Beauftragung festgehalten und stehen den Projektleitenden von PIRMIN JUNG ĂĽber die interne Wissensmanagement-Plattform zur VerfĂĽgung. Ebenso werden ĂĽber diese Plattform und organisierten Erfahrungsaustausche in verschiedenen internen Arbeitsgruppen immer wieder die neusten Erkenntnisse besprochen, Bestehendes verifiziert und die internen Grundlagen fĂĽr die Projektbearbeitung weiterentwickelt. Der momentane Entwicklungsfokus der Firma liegt auf datenbasierter, kollaborativer Zusammenarbeit ĂĽber alle Dienstleistungsbereiche.
Wovon profitieren Sie?
Die Digitalisierung bringt Transparenz und vereinfacht somit die Kommunikation mit unseren Kunden und Planungspartnern. Im Planungsteam unterstützt sie die interdisziplinäre Verständigung und Zusammenarbeit. Dadurch stellen wir sicher, dass sich die verschiedenen Planungsbeteiligten besser verstehen und koordinationsrelevante Themen frühzeitig adressiert werden. Das führt zu steigender Planungsqualität und unterstützt und beschleunigt die Entscheidungsfindung.
Wo setzen wir die gewonnen Fähigkeiten und Erkenntnisse ein?
Die gewonnenen Fähigkeiten und Erkenntnisse werden im Moment in einigen laufenden Projekten eingesetzt. Untenstehend zwei ausgewählte Projekte, bei denen in Zusammenarbeit mit allen Projektbeteiligten digitale Werkzeuge eingesetzt werden.
Ăśberbauung Zentrum Oberhof in Eschenbach
In Eschenbach entstehen vier neue Gebäude im Zentrum Oberhof mit 49 Miet- und Eigentumswohnungen und ca. 1'100 m2 Verkaufsfläche, ein Ärztezentrum und diverse Gewerbeflächen. Die Wohnungen sind ab Frühling 2020 bezugsbereit.
Wir begleiten das Projekt im Bereich Tragwerksplanung, Brandschutz, Bauphysik und sind für den «Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz» (kurz SNBS) inkl. Zertifizierung verantwortlich. Das Projekt Oberhof wurde nach den Kriterien des SNBS entwickelt, welcher unter anderem einen ökologischen Materialeinsatz, den Wohnkomfort bezüglich Tageslicht und Lärm, sowie eine nachhaltige Bauweise im Betrieb und Unterhalt der Liegenschaft zum Ziel hat. Um die vielfältigen Planungsaufgaben in unserem Arbeitsalltag optimal zu unterstützen, setzen wir auf modernste Werkzeuge und bearbeiten das Projekt modellunterstützt.
Projekt KIM auf dem Sulzerareal in Winterthur
Auf dem ehemaligen Industrieareal der Sulzer in Winterthur-Neuhegi entstehen 130 Wohnungen und 10 Kleingewerbeflächen. Das Projekt wird über sieben Vollgeschosse und ein Attikageschoss verfügen, wobei ab dem ersten Obergeschoss ein Holzbau entsteht. Bei diesem Projekt haben wir für die modellbasierte Koordination ein BIM-Modell aufgebaut. Dieses beinhaltet Informationen der Tragwerksplanung, des Brandschutzes und der Bauphysik und hilft allen Beteiligten das Projekt effizient, effektiv und gemeinschaftlich abzuwickeln. Untenstehend einige Praxisbeispiele, wie die digitalen Werkzeuge im Projekt KIM eingesetzt werden.
Was empfehlen wir?
FĂĽr all jene, die hinsichtlich BIM erst noch starten mĂĽssen empfehlen wir, sich vor allem zuerst ein paar Gedanken zu folgenden Themen zu machen:
- Was läuft alles optimal? Was läuft allenfalls nicht optimal?
- Was soll verändert werden?
- Welcher Nutzen wird erwartet? Was will ich erreichen?
Eine kritische Selbstanalyse ist mehr als nur richtungsweisend. Setzen Sie sich Ziele! Erst dann können Sie entscheiden, wer Ihnen bei dem Vorhaben helfen kann. Alle anderen gehen im Dschungel der Möglichkeiten und Angebote verloren.
Reflektieren Sie und setzen Sie sich Ziele!
Und noch was: BIM wird ab 2021 Pflicht bei staatlichen Immobilien in der Schweiz
Der Bundesrat verabschiedete am 05. September 2018 seine Strategie "Digitale Schweiz" für die kommenden zwei Jahre. Im Kapitel "Digitaler Gebäudemodellstandard" heisst es, dass sich die Schweiz im internationalen Vergleich in einem technologischen Rückstand befinde. Mit dem Einsatz von BIM werden Effizienzsteigerungen von fünf bis zehn Prozent hinsichtlich Projektziele, Termine und Kosten erwartet. Der Aktionsplan sieht vor, dass der Bund und alle bundesnahen Betriebe ab 2021 die BIM-Methode für Immobilien verpflichtend anwenden. Ab 2025 gilt dies auch für Infrastrukturanlagen des Bundes.
BIM in Zukunft: Mit einer kollaborativen Arbeitsweise zwischen allen Beteiligten entstehen qualitativ deutlich bessere Bauten, die allen Bereichen der Nachhaltigkeit gerecht werden.
Quellen- und Bildverzeichnis
- B. Brinken. [Online]. Available: https://de.wikipedia.org/wiki/BCG-Matrix. [Accessed 17 09 2016], «Geschäftsfeldmatrix» eigene Darstellung, Brugg CH, 2016
- Prof. F. Häubi FHNW in Anlehnung an Dr. Thomas Liebich, “Digitalisierungs-Eisberg", eigene Darstellung, Brugg CH, 2013
- A. Nyffeler für PIRMIN JUNG Schweiz AG, «Auswertung Facharbeit», eigene Darstellung, Rain, 2013
- M. Troxler für PIRMIN JUNG Schweiz AG, «Datenmatrix», eigene Darstellung, Rain, 2017
- M. Kempf für PIRMIN JUNG Schweiz AG, «Auswertung Aufwandreduktion», eigene Darstellung, Rain, 2019
- PIRMIN JUNG Schweiz AG, «Fertigstellungsgrade von Referenzmodellen», eigene Darstellung, Rain, 2018
- bakom.admin.ch
- digitaldialog.swiss
- Wir Holzbauer, 05.2019, Sandra Depner













