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Ökologisch und bauphysikalisch optimierte Deckensysteme für den mehrgeschossigen Holzbau

Augsburg, März 2026

Der steigende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, die zunehmende Verdichtung in urbanen Räumen sowie den Anforderungen an Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz in Kombination mit den Bedürfnissen und Erwartungen der Nutzer stellen den mehrgeschossigen Holzbau vor neue Herausforderungen. Insbesondere die Anforderungen an den Schallschutz sorgen meist für den Einsatz von CO2 intensiven Rohstoffen. Gemeinsam mit der RPTU Kaiserslautern entwickelte PIRMIN JUNG innovative, ökologisch optimierte Deckensysteme für den mehrgeschossigen Holzbau. Im Fokus stand dabei der Einsatz von rückbaubaren, recycelten Materialien, die nicht zement- oder erdölbasiert sind.

Schallschutz im Holzbau – unverzichtbarer Komfort

Die Anforderungen an den Schallschutz wurden in den vergangenen Monaten öffentlich viel diskutiert. Häufig werden sie als maßgeblicher «Kostentreiber» für den Holz- und Massivbau genannt. Die Erfüllung der Anforderungen an den Schallschutz ist jedoch aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer ein wesentlicher Bestandteil für das gesundheitliche Wohlbefinden. Mängel im Schallschutz führen zu Unzufriedenheit bei den Nutzenden, Stress, Konflikten und nicht zuletzt auch zu teuren Sanierungsmaßnahmen.

Ziel des Forschungsprojekts war es daher: Deckenaufbauten zu prüfen, die auch für den Luft- und Trittschallschutz im Wohnungsbau Werte erzielen, die eine gute Schallschutzqualität versprechen.

Deckenkonstruktionen im Holzbau müssen die Anforderungen an den Trittschall- und Luftschallschutz erfüllen – insbesondere im Hinblick auf den tieffrequenten Bereich.

«Masse-Feder-Masse» trifft auf Nachhaltigkeit

Getreu dem einfachen physikalischen Prinzip «Masse-Feder-Masse» entwickelten wir Deckenaufbauten, die ausschließlich aus Holz und anderen nachhaltigen, nachwachsenden Rohstoffen bestehen und ohne Verbund eingesetzt werden können.

  • Aufbauvariante
    Aufbauvariante
  • Aufbauvariante
    Aufbauvariante
  • Aufbauvariante
    Aufbauvariante

Dabei konnten wir nicht auf das Einbringen von biegeweicher Masse auf der Tragstruktur verzichten. Hier kam Schiefersand zum Einsatz, Dieser ist ein Abfallprodukt aus der Herstellung von Schieferplatten und -schindeln. Der Vorteil dieses Materials liegt in seiner hohen Schüttdichte und kann ohne weitere Bindemittel auf der Rohdecke eingebracht werden.

  • Schiefersand als Abfallprodukt von Schieferplatten und -schindeln wird wiederverwendet.
    Schiefersand als Abfallprodukt von Schieferplatten und -schindeln wird wiederverwendet.
  • Schiefersand als Abfallprodukt von Schieferplatten und -schindeln wird wiederverwendet.
    Schiefersand als Abfallprodukt von Schieferplatten und -schindeln wird wiederverwendet.

Zusätzlich wurden Lehmsteine als Beschwerung der Rohdecke eingesetzt. Ebenso ist die Masse des Unterlagsbodens entscheidend für die Lage der Resonanzfrequenz des Masse-Feder-Systems. Unterlagsböden aus Buchenholz und Lehm zeichnen sich dadurch aus, dass diese rückbaubar sind. Obwohl die flächenbezogene Masse im Vergleich zu zementösen Estrichen deutlich geringer ist, zeichnen sich Holz und Lehm aus akustischer Sicht durch die verbesserte Dämpfungseigenschaft aus. Die Eigenschaften der Federsteifigkeit der Trittschalldämmung nimmt einen sehr großen Einfluss auf die schalltechnische Qualität der Bauteile. Hierfür konnten Kokosfaserdämmung, Schafwolldämmung und Strohplatten getestet werden.

Zementestrich durch einen holz- oder lehmbasierten Unterlagsboden zu ersetzen, ist ein bedeutender Schritt zu mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen.

Versuchsreihe und Simulationen

Zunächst wurden die verschiedenen Bauteilaufbauten in einer Software simuliert. Auf Basis dieser Ergebnisse und den Erfahrungen aus dem Praxisalltag von PIRMIN JUNG wurde eine Auswahl an Bauteilaufbauten im Deckenprüfstand eingebaut und die Schallkennwerte für Luft- und Trittschall ermittelt. Der positive Einfluss der Rohdeckenbeschwerung mit biegeweichem Material war bereits vorab bekannt. Der direkte Vergleich von Lehmsteinen gegenüber Schiefersand zeigt auf, dass Schiefersand im mittleren Frequenzbereich deutlich bessere Schalldämmung aufweisen kann.

Glaswolle- bzw. Mineralwolle-Trittschalldämmungen weisen eine sehr geringe dynamische Steifigkeit auf. Kokosfaserdämmung, Schafswolle und Strohplatten sind dagegen deutlich steifer. Mithilfe der Mehrschichtigkeit im Bauteilaufbau konnte die Gesamtsteifigkeit reduziert werden. Zudem ist zwischen jeder Materialschicht ein Impedanzsprung zu erwarten, was zu einer verbesserten Trittschalldämmung im Vergleich zu steifen Trittschalldämmungen führt.

Ziel des Forschungsprojektes war auch die Erstellung einer Datenbank, die die Mess- und Simulationsergebnisse für Fachplaner:innen in der Bauakustik zur Verfügung stellt. Die Datenbank ist aktuell im Aufbau. Den Link hierzu werden wir Ihnen zu gegebener Zeit zur Verfügung stellen.

Die Forschungsergebnisse des Projekts haben gezeigt, dass auch mit nachhaltigen Materialien rückbaubare Deckenkonstruktionen möglich sind, die einen sehr guten Schallschutz aufweisen.

  • Einbau in den akustischen Deckenprüfstand
    Einbau in den akustischen Deckenprüfstand
  • Strohplatten auf Lehmsteinen
    Strohplatten auf Lehmsteinen
  • Vorbereitungen und Versuchsaufbau
    Vorbereitungen und Versuchsaufbau

Ergebnisse

Die Ergebnisse des Projekts werden im Forschungsbericht zusammengefasst und sind öffentlich zugänglich.

Der Link zum Auslegungstool für Bauteilaufbauten lautet:

Entwicklung ökologisch und bauphysikalisch optimierter Deckenkonstruktionen für mehrgeschossige Gebäude in Holzbauweise

Herzlichen Dank für die Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Wir danken auch den folgenden Projektpartner, die uns bei der Umsetzung unterstützt haben:

- Rathscheck Schiefer und Dachsysteme

- Poppensieker & DERIX GmbH & Co. KG

- ClayTec GmbH & Co. KG

- Lethermo GmbH

- ZIPSE GmbH & Co. KG

«Wir sind erst am Anfang des Wandels im Bauwesen: Der Einsatz nachhaltiger Baustoffe, rückbaubarer Konstruktionen und ein umweltbewusster Umgang mit unseren Rohstoffen sind wichtiger als je zuvor. Es freut mich, dass unser Forschungsprojekt gezeigt hat, was unter Berücksichtigung der Schallschutzziele möglich ist. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir aktiv in die Umsetzung kommen!» (Veronika Silberbauer)

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