Dass Holzbrücken erstaunlich langlebig sein können hat uns bereits die über 210 Jahre alte Suworowbrücke im Muotatal gezeigt (zum Beitrag). Vorausgesetzt, sie werden regelmässig kontrolliert und bei Bedarf fachgerecht saniert – ob mit kleineren oder grösseren Eingriffen. Auch die 83-jährige Holzbrücke im Melchtal, die die Gemeinden Sachseln und Kerns verbindet, hat nun ihr erstes Leben hinter sich. Bereits seit 2025 durfte die Brücke aufgrund der eingeschränkten Tragfähigkeit nicht mehr befahren werden. Um künftig weiterhin nicht nur für Velofahrerinnen und Wanderer, sondern auch für schwere Landmaschinen oder Blaulichtfahrzeuge sicher zu sein, wird die Holzkonstruktion instandgesetzt und die Tragfähigkeit auf bis zu 10 Tonnen erhöht.
Wenn sich die Kräfte umkehren – vom Druck zur Zugkraft
Im Vorfeld des Abtransports an die Sanierungsstelle musste die Brücke im Auflagerbereich freigelegt und von den bestehenden Widerlagern gelöst werden. Dazu wurde sie mit hydraulischen Pressen zunächst leicht angehoben, damit die Schubbolzen, welche die Brückenträger mit den Widerlagern verbinden, durchtrennt werden konnten.
«Die grösste Herausforderung war, dass sich durch das Anhängen der Brücke am Kran die Lasten in vielen Bauteilen umgekehrt haben. Bauteile, die normalerweise auf Druck beansprucht werden, mussten beim Anheben plötzlich erhebliche Zugkräfte aufnehmen. (…) Deshalb mussten im Vorfeld gezielte Verstärkungen berechnet und umgesetzt werden – das war meine Aufgabe als Holzingenieur.»
Für den Transport wurde die 26 Tonnen schwere Brücke dann mit einem Kran angehoben und anschliessend auf einen Tieflader verladen. Damit die Holzkonstruktion den besonderen Beanspruchungen während des Hebevorgangs standhalten konnte, musste sie vorgängig gezielt verstärkt werden. «Die grösste Herausforderung war, dass sich durch das Anhängen der Brücke am Kran die Lasten in vielen Bauteilen umgekehrt haben. Bauteile, die normalerweise auf Druck beansprucht werden, mussten beim Anheben plötzlich erhebliche Zugkräfte aufnehmen. Da die Verbindungen der druckbeanspruchten Bauteile teilweise nur auf Kontakt ausgelegt sind, konnten sie diese Zugkräfte nicht ohne Weiteres übertragen. Deshalb mussten im Vorfeld gezielte Verstärkungen berechnet und umgesetzt werden – das war meine Aufgabe als Holzbauingenieur», Niklaus Wirz, Tragwerksplanung bei PIRMIN JUNG.
Die erforderlichen Verstärkungen wurden von unserem Holzbauingenieur bemessen und anschliessend von der Josef Rohrer AG aus Flüeli-Ranft vor Ort eingebaut. An den massgebenden Knoten der Fachwerkstreben, die beim Anheben anstelle von Druck nun Zugkräfte aufnehmen mussten, wurden zusätzliche Knotenplatten aus Stahl angebracht. Damit konnten die Zugkräfte sicher über die Verbindungen übertragen werden. Diese Verstärkungen bleiben auch nach der Sanierung dauerhaft an der Brücke.
«Dass die Brücke heute saniert werden kann, ist das Ergebnis des Zusammenspiels verschiedener Gewerke. Als Holzbauingenieure haben wir die statischen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Brücke sicher angehoben und transportiert werden konnte. Genau das macht für mich die Freude an meinem Beruf aus: eine nicht alltägliche Herausforderung zu lösen und gemeinsam etwas möglich zu machen, das dazu beiträgt, ein Stück Geschichte und die besondere Ästhetik dieser alten Brücke zu bewahren.»
Niklaus Wirz, Tragwerksplanung
Neue Tragwerkskonstruktion verbindet zwei voneinander unabhängige Tragwerke
Die historische Holzkonstruktion bleibt in ihrer charakteristischen Erscheinung und konstruktiven Grundstruktur erhalten. Beschädigte oder statisch ungenügende Holzbauteile werden ersetzt beziehungsweise verstärkt. Auch die bestehenden Stahlteile und Verbindungsmittel werden teilweise erneuert und an die heutigen Anforderungen angepasst. Die Dach- und Wandkonstruktion muss für die Sanierungsarbeiten teilweise demontiert werden. Zudem wird die äussere Verschalung erneuert und an die historische Erscheinung angepasst. Ein wichtiger Aspekt ist der denkmalpflegerische Umgang mit der bestehenden Konstruktion. Das Holztragwerk wird schonend gereinigt, wobei historische Spuren wie Inschriften und Ritzungen erhalten bleiben.
Die bestehende Fahrbahn wird zurückgebaut und durch eine neue, unabhängige Stahl-Beton-Verbundbrücke ersetzt. Diese besteht aus fünf Stahlträgern und einer 16 cm starken Betonplatte. Die neue Brückenplatte weist eine Spannweite von 25,7 Meter und eine Fahrbahnbreite von 3 Meter auf. Die sanierte Holzbrücke wird anschliessend als Gerüst «obendrüber gestülpt». Dadurch bleibt die historische Brücke in ihrer ursprünglichen Erscheinung erhalten, wird aber dauerhaft von den Verkehrslasten entlastet.
Das Besondere daran ist, dass künftig zwei voneinander unabhängige Tragwerke bestehen: Die neue Stahl-Beton-Verbundbrücke übernimmt sämtliche Verkehrslasten, also insbesondere die Lasten aus Fahrzeugen. Die historische Holzkonstruktion trägt künftig nur noch ihr Eigengewicht sowie die Schnee- und Windlasten.
Nicht nur die BrĂĽcke inkl. Fahrbahn wird saniert, auch die die bestehenden Widerlager werden instandgesetzt und im oberen Bereich an die neue Tragwerkskonstruktion angepasst.
Die Planung des neuen Tragwerks ist in enger Zusammenarbeit mit dem IngenieurbĂĽro ZEO AG aus Alpnach Dorf entstanden.
Tele1 war vor Ort, berichtete am 22.09.2026 ĂĽber das Projekt und interviewte unseren Projektleiter Niklaus Wirz. Hier geht es zum Videobeitrag.









