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Büro und Parkgarage Kaiserslautern

Auf dem ehemaligen Pfaff-Areal wurde ein fünfgeschossiges Parkhaus mit angeschlossenem Bürotrakt in Massivholzbauweise realisiert. In zwei Brandabschnitten unterteilt verfügt das Projekt über ein Primärtragwerk aus Brettschichtholz sowie Geschossdecken aus Brettsperrholz, die sowohl tragend als auch gestalterisch wirken. Die nichttragenden Außenwände bestehen aus vorgefertigten Holztafelbauelementen. Die auskragenden Massivholzdecken verleihen dem Bauwerk ein klassisches Erscheinungsbild und unterstützen den konstruktiven Holzschutz. Die Holzfassade wird durch zementgebundene Platten ergänzt. Die Erschließungskerne aus Stahlbeton sorgen für sichere Fluchtwege. Trotz bauordnungsrechtlicher Vorgaben zu nicht brennbaren Baustoffen gelang die Umsetzung in Holz durch eine erhöhte Feuerwiderstandsdauer von 60 Minuten. Spezielle Stahlverbinder übernehmen hohe Zug- und Drucklasten. Die Außenwände des Bürotrakts sind mit XPS- und EPS-Platten gedämmt und die Gründung sowie die strukturellen Elemente bestehen aus Stahlbeton. Das Projekt überzeugt durch eine ökologische Materialwahl und eine moderne Ästhetik.

  1. Generelle Info

    Auf dem ehemaligen Pfaff-Areal in Kaiserslautern haben wir den Neubau eines Parkhauses mit angeschlossenem Bürotrakt in Massivholzbauweise tragend mitgestaltet. Das fünfgeschossige Bürogebäude wurde konsequent als Holz-Skelettbau errichtet und auch das Parkhaus wurde in Holzbauweise gebaut. Im deutschen Hochbau ist ein Parkhaus in Holzbauweise nach wie vor eine Besonderheit. Die Konstruktion zeigt jedoch, dass sich auch großvolumige, offene Bauwerke wirtschaftlich und dauerhaft in Holz realisieren lassen.

  2. Tragwerksplanung

    Obwohl beide Bereiche funktional und konstruktiv eng verzahnt sind, wurden sie abschnittsweise errichtet. Das Tragwerk folgt über alle Geschosse hinweg einem einheitlichen Stützen- und Trägerraster, lediglich im Erdgeschoss gibt es Abweichungen. Sowohl im Kopfbau als auch im Parkbereich ist teilweise einzelne Achsen bzw. einzelne Stützen gegenüber den Obergeschossen verschoben. Um die Lasten in diesen Versprüngen abzufangen ist im Bürobereich in der betreffenden Achse ein Stahlträger verbaut. Im Parkbereich entstehend die Versprünge im Stützenraster durch die Einfahrten. Hier wurden gezielt Träger aus BauBuche eingesetzt, um die hohen Lasten bei begrenzter Bauhöhe sicher abtragen zu können. Die Decken sind als Brettsperrholzkonstruktionen ausgeführt, Unterzüge und Stützen bestehen (fast überall) aus Brettschichtholz. Für die Auskragungen des Kopfbaus wurden Dreischichtplatten verwendet, im Bereich des Parkhauses kragen die BSP-Deckenelemente aus.

    Der Parkbereich stellte besonders hohe Anforderungen. Der Deckenaufbau ist mit 120 Millimetern Brettsperrholz, Abdichtung und lediglich 60 Millimetern Gussasphalt äußerst schlank konzipiert. Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und insbesondere an die Heißbemessung stellten hier die Herausforderungen dar. Die Aussteifung der Parkgarage erfolgt über massive Treppenhauskerne, an denen die gesamten Scheiben der Parkgaragendecks hängen. Dadurch konnte auf zusätzliche aussteifende Wandscheiben verzichtet werden.

    Bei der Konstruktion wurde großer Wert auf effiziente und montagefreundliche Anschlüsse gelegt. Im Bereich der Parkgaragen wurde die Verbundwirkung aus der Verschraubung von BSP-Decken im Parkgaragenbereich mit den Unterzügen statisch angesetzt. Im Parkbereich sind des weiteren nahezu alle Unterzug-Stützen-Anschlüsse mit Sherpa-Verbindern ausgeführt, im Kopfbau kam dagegen ein eigens entwickeltes Stahlteil zum Einsatz. Dies war erforderlich, da für den Bauzustand des Kopfbaus ein separates Aussteifungssystem vorgesehen werden musste, das nicht kompatibel mit gängigen Verbinderlösungen war.

  3. Brandschutz

    Die Grundlage des Brandschutzkonzepts waren die Anforderungen der Landesbauordnung (LBauO) und der Garagen- und Stellplatzverordnung (GarStellVO). Das Gebäude ist in zwei Brandabschnitte gegliedert. Beide Bereiche werden durch eine Stahlbeton-Brandwand getrennt. Diese Struktur schafft überschaubare Einheiten und erhöht die Sicherheit im Ereignisfall. Die Erschließungskerne aus Stahlbeton sind eigenständige Einheiten innerhalb der Holzkonstruktion. Sie gewährleisten geschützte Flucht- und Rettungswege und tragen zur brandschutztechnischen Entkopplung der Nutzungsbereiche bei. Obwohl die bauordnungsrechtlichen Vorgaben in bestimmten Bereichen keine brennbaren Baustoffe verlangen, konnte das Projekt konsequent in Holz umgesetzt werden. Entscheidend war der Nachweis einer erhöhten Feuerwiderstandsdauer von 60 Minuten für die maßgeblichen Bauteile.

  4. Bauphysik und Nachhaltigkeit

    In der Bauphysik haben wir das Projekt integriert mitgeplant und auf die Besonderheiten der Holzbauweise abgestimmt. Somit werden die Anforderungen an den Effizienzgebäudestandard BEG 40 erfüllt. Dies wurde durch eine ganzheitliche Betrachtung der Gebäudehülle sowie eine sorgfältige Detailplanung an Übergängen und Anschlüssen erreicht.

  5. Innovation

    So wurde hier ein Büroneubau mit direkt angeschlossenem Parkhaus vollständig in Holzskelettbauweise realisiert. Die extrem schlanke Deckenkonstruktion im Parkbereich, die hohen brandschutztechnischen Anforderungen sowie die komplexe Bauabfolge erforderten eine intensive Planung und interdisziplinäre Abstimmung. Viele der entwickelten Detail- und Anschlusslösungen dienen inzwischen als Referenz für nachfolgende Projekte.

    Auch die Bauabfolge war ein integraler Bestandteil für eine erfolgreiche Projektrealisierung. Zunächst wurde der Kopfbau errichtet, anschließend die massiven Treppenhäuser und die Brandwand. Erst zum Schluss folgte die Parkgarage. Die Fassadenkonstruktion ist an die differenzierte Nutzung angepasst: Im Parkbereich kragt die Deckenplatte direkt aus, während im Kopfbau speziell gefertigte Stahlteile an das Stützenraster angeschraubt wurden.

    Das Projekt zeigt, wie weit sich der Holzbau bei komplexen Nutzungen und hohen Anforderungen entwickeln lässt – mit klaren konstruktiven Konzepten und präziser Ingenieurarbeit.

Projektinformationen
Standort
Lina-Pfaff-Straße 4 67655 Kaiserslautern
Fertigstellung
2025
Architektur
ms-architekten 66953 Pirmasens
Holzbau
CLTECH GmbH & Co. KG 67661 Kaiserslautern
Fotografie
CLTECH GmbH & Co. KG, Kaiserslautern Christian Persohn Ingenieur- und Gutachtergesellschaft mbH
Bauart
Verwaltung und Büro Parkgarage
Geschosse
Kopfbau: 5
Bauzeit
November 2022 - Juni 2025
Montage Holzbau
Mai 2023 - September 2024
Gebäudegrundfläche
14´784 m2
Geschossfläche
~13´000 m2 (davon 11´000 m² im Parkhaus, 2´000 m² im Kopfbau)
Gebäudevolumen
48´050 m3
Verbautes Holz
~2.350 m3 (davon ~1.550m³ BSP; ~800m³ BSH)
Grösste Spannweite
Decke: 12,2 m
Kosten Holzbau
KG 300 13,2 Mio EUR KG 400: 3,2 Mio EUR
Erstellungskosten
~20,7 Mio. EUR

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