Das sechsgeschossige Gewerbe- und Wohngebäude Haus des Holzes geht weit über den Stand der Technik im Holzbau hinaus und ist ein Vorzeigeprojekt für digitales, klimagerechtes Planen und Bauen und für die Kreislaufwirtschaft. Das Architektenteam und Bauherr Pirmin Jung haben ein architektonisch hochwertiges Konzept entwickelt, das die Vorzüge von Holz durch die Anwendung innovativer Techniken vielschichtig nutzt. Der Bau berücksichtigt die Nachhaltigkeit in ihren drei Dimensionen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt umfassend und ist Minergie-P-Eco sowie SNBS Platin zertifiziert. Aufgrund der hohen inländischen Holznutzung wurde dem Objekt das Label Schweizer Holz verliehen. Die Spindeltreppe wurde mit dem Prix Lignum ausgezeichnet. Weitere Informationen unter: www.hausdesholzes.ch
Generelle Info
Das sechsgeschossige Gewerbe- und Wohngebäude «Haus des Holzes» wurde in nachhaltiger Holzsystembauweise realisiert. Es ist ein Entwicklungs- und Vorzeigeprojekt für digitales, klimagerechtes und kreislauffähiges Planen und Bauen. Das Architektenteam und Bauherr Pirmin Jung haben ein architektonisch hochwertiges Konzept entwickelt, das die Vorzüge von Holz durch die Anwendung innovativer Techniken vielschichtig nutzt. Der Bau berücksichtigt die Nachhaltigkeit in ihren drei Dimensionen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt umfassend.
Tragwerksplanung
Das Gebäude besteht aus einem fünfgeschossigen Bürotrakt, einem sechsgeschossigen Trakt mit Büros und Wohnungen sowie einem Verbindungstrakt. Das Untergeschoss wurde betoniert; alle anderen Geschosse, das Treppenhaus und der Liftschacht wurden in kreislauffähiger Holzbauweise umgesetzt. Das Holztragwerk des gesamten Gebäudes besteht aus einer einfachen Skelettkonstruktion mit Einfeld-Decken, durchlaufenden Unterzügen auf Stützen und eingeschossigen Wandkonstruktionen. Dies ist eine effiziente Bauweise, da die tragenden Elemente einen hohen Eigenleistungsanteil aufweisen und das System wenig materialintensiv ist. Dank der Skelettbauweise konnten viele Tragwerkselemente vorgefertigt und so die Bauzeit verkürzt werden. Der Skelettbau trägt ausserdem über seine Stützen, Träger, Rippendecken oder Brettstapelplatten die vertikalen Lasten und ist über Wandelemente horizontal ausgesteift. Die Decken der Büros sind als Rippendecken konstruiert, in den Wohnungen – aus architektonischen Gründen – als flächige, sichtbare Brettstapeldecken mit aufgelegten Fachwerken, welche die Deckenscheibe ausbilden. Beim Bodenaufbau wurde der normalerweise zementöse Unterlagsboden durch eine innovative Alternative aus Buchenholz ersetzt.
Brandschutz
Das Brandschutzkonzept erfüllt die Anforderungen und Richtlinien für ein klassisches Bürogebäude. Darüber hinaus wurde freiwillig eine Brandmeldeanlage installiert. Damit das Tragwerk konsequent in Holzbauweise umgesetzt werden konnte, war im Treppenhaus eine gekapselte Bauweise gefordert.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Das Gebäude ist nach Minergie-P ECO und SNBS-Platin zertifiziert. Damit erfüllt auch die Hülle die höchsten Anforderungen an Energieverlust und Nachhaltigkeit. Die Baumaterialien wurden sorgfältig ausgewählt und die Vorgaben von ECO berücksichtigt. Der sommerliche Wärmeschutz ist im Einklang mit dem Tageslicht abgestimmt und wurde in der Planung simuliert. Damit kann ein optimales Raumklima eingehalten werden. Der Schallschutz und auch die Raumakustik ist durch eine geschickte Auswahl an Absorber und Beschwerung im Sinne der Materialeffizienz optimiert. Aufgrund der hohen lokalen Holznutzung wurde dem Objekt das Label «Schweizer Holz» verliehen.
Zirkuläres Bauen
Im Fokus des kreislauffähigen Tragwerkkonzeptes stand die Trennbarkeit der Holzelemente. So wurde das «Haus des Holzes» vor allem mit rückbaubaren Deckenaufbauten, Wandelementen und Stütz-Unterzug-Konstruktionen gebaut. Diese sind zum grössten Teil ineinandergesteckt, verzahnt oder verschraubt – anstatt verleimt oder genagelt. Da statisch erforderliche, starre Verbindungen nicht dafür gedacht sind, auf einfache Weise wieder getrennt zu werden, mussten Bauteile neu gedacht und spezielle Passverbindungen entwickelt werden, insbesondere im Hinblick auf die horizontale Aussteifung des Gebäudes. Zum Einsatz kamen X-Fix-Verbinder. Die Firma EPEA hat uns einen Materialpassport erstellt, mit dem unter anderem die zukünftige Rückbaubarkeit und Wiederverwendung der eingesetzten Bauteile und Rohstoffe dokumentiert wurde.
Digitales Planen und Bauen
Die Auswahl der Mitwirkenden erfolgte anhand definierter Zuschlagskriterien wie nachhaltiges, digitales Bauen, Kooperationsverständnis und dem Interesse, Neues auszuprobieren. Deshalb wurde das Vorprojekt auf Vertrauens-Basis erarbeitet, danach das Angebot und der Vertrag ausgearbeitet und ohne Verhandlung unterschrieben. Von den etwa 320 Personen, welche im Projekt involviert waren, haben über 90 % zum ersten Mal mit der VDC-/BIM-Methode gearbeitet. PIRMIN JUNG hat die Koordination der verschiedenen Planungs-Modelle übernommen und beim korrekten Einstellen vom Datenaustausch unterstützt. Für den Modell- und Informationsaustausch wurde DALUX.com verwendet. Das Referenzmodell selbst wurde in ArchiCAD erarbeitet, auf das Wesentliche beschränkt und bis zur Ausführung nur dreischichtig in Aussenbekleidung, Kern und Innenbekleidung geführt. Die Auswahl der Ausführenden erfolgte über offene Ausschreibungen und anhand der definierten Zuschlagskriterien. Viele Handwerksbetriebe und ausführende Unternehmen sind neue Wege gegangen – beispielsweise mit dem Arbeiten ausschliesslich ab Tablet, dem Einsatz von Laser-Instrumenten zum Einmessen und der Bewehrungsmontage ab dem Modell. Die Ausführungsunterlagen wurden über DALUX zur Verfügung gestellt, wodurch eine papierlose Baustelle entstehen konnte.
DALUX ist im «Haus des Holzes» noch heute im Einsatz – wir nutzen die Software für das Facility-Management. An definierten Stellen wie Eingangstüren oder Sitzungszimmer sind entsprechende QR-Codes verfügbar. Diese beinhalten einerseits Bedienungsanleitungen für die Installationen und Gerätschaften und andererseits auch das Melden von Störungen. Die Störungen werden durch die saubere Verortung über den QR-Code direkt und mit allen notwendigen Informationen an die richtige verantwortliche Person gemeldet.
Innovation
Das «Haus des Holzes» ist ein Forschungs-, Entwicklungs- und Vorzeigeprojekt für digitales, kreislauffähiges und nachhaltiges Bauen. Viele Lösungen wurden von Grund auf neu erarbeitet. Das architektonisch hochwertige Konzept, welches die Vorzüge von Holz durch die Anwendung innovativer Techniken vielschichtig nutzt und die Nachhaltigkeit in ihren drei Dimensionen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt umfassend berücksichtigt, hat bereits verschiedene Auszeichnungen erhalten. Das Objekt hat mit SNBS Platin die höchste Zertifizierung im «Standard nachhaltiges Bauen Schweiz» erreicht.
Projektinformationen
- Standort
- Centralstrasse 34 6210 Sursee
- Fertigstellung
- 2022
- Bauherrschaft
- PIRMIN JUNG Immobilien AG 6210 Sursee
- Architektur
- marc syfrig architekten eth sia bsa 6004 Luzern
- Holzbau
- Haupt AG, Ruswil Tschopp Holzbau AG, Hochdorf Hecht Holzbau AG, Sursee
- Fotografie
- MARCOLEU GmbH
- Bauart
- Gewerbe- und Wohngebäude
- Geschosse
- 6
- Bauzeit
- Februar 2021 – Oktober 2022
- Montage Holzbau
- September 2021 – August 2022
- Gebäudegrundfläche
- 688 m²
- Geschossfläche
- 4’757 m²
- Gebäudevolumen
- 16’773 m³
- Verbautes Holz
- 1’670 m³ davon über 90 % Schweizer Holz
- Grösste Spannweite
- Decke: 7 m Dach: 13 m
- Kosten Holzbau
- 5,5 Mio. CHF
- Erstellungskosten
- 26 Mio. CHF
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2021
- Arc-Award, Kategorie BIM: zukunftsweisende Entwicklungen
- 2022
- Anerkennungspreis IHZ Zentralschweiz
- 2024
- Prix Lignum, Schreinerarbeiten Region Zentrum (Spindeltreppe)
- 2025
- Eco-Design im Hochbau, Kanton Luzern























