In Alzey ist mit dem «Hanni Kipp - Haus des Kindes» eine neue Kindertagesstätte entstanden. Der aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Entwurf zeichnete sich neben dem geforderten Passivhausstandard durch seine nachhaltige Holzbauweise aus. Der in ein Hanggrundstück integrierte, winkelförmige Neubau bietet Platz für bis zu 120 Kinder. Eine konstruktive Besonderheit ist der Rettungsbalkon. Er ist frei auskragend und ohne jegliche Stützen konstruiert. Die Balkenkonstruktion wird über eingeklebte Bewehrungsstäbe in der Holz-Beton-Verbunddecke eingespannt. Neben der nachhaltigen Holzbauweise ist hier noch die Wirtschaftlichkeit der Konstruktion hervorzuheben. Die Brettstapelelemente der Holz-Beton-Verbunddecke mit Akustikfräsungen waren circa 50.000,- € günstiger als eine Ausführung in konventioneller Bauweise.
Generelle Info
Mit dem Hanni-Kipp-Haus des Kindes ist in Alzey eine Kindertagesstätte für bis zu 120 Kinder entstanden, die architektonischen Anspruch, konstruktive Präzision und wirtschaftliche Effizienz vereint. Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene Entwurf setzt auf eine nachhaltige Holzbauweise nach Passivhausstandard. Auf dem Hanggrundstück wurde ein winkelförmiger Baukörper realisiert, der sich in das Gelände integriert. Mit Lichthof und Ausblick in die Umgebung bietet er den Kindern während ihrer Zeit dort Spaß und Geborgenheit.
Tragwerksplanung
Der Neubau wurde in Holz-Ständerbauweise als vorgefertigter Elementbau errichtet. Prägend sind die Holz-Beton-Verbunddecken mit integrierten Akustikfräsungen. Sie übernehmen Tragfunktion, Raumakustik und Speichermasse in einem Bauteil. Gerade beim Bau von Kindertagesstätten, wo Schallschutz und Nachhallzeiten entscheidend für Aufenthaltsqualität sind, entsteht so ein ruhiges, ausgewogenes Raumklima – ohne dass zusätzliche abgehängte Decken oder akustische Einbauten erforderlich wären.
Die Decken überspannen die Gruppenräume wirtschaftlich und schaffen einen klar strukturierten Grundriss. Da die Innenwände nicht tragend ausgeführt sind, lassen sich bei Bedarf neue Räume schaffen: für Sprachförderung, Rückzugsbereiche oder kleinere Betreuungseinheiten. Das Tragwerk bleibt dabei unverändert und gibt dem pädagogischen Konzept einen dauerhaften, verlässlichen, aber flexiblen Rahmen.
Eine konstruktive Herausforderung stellte der frei auskragende Rettungsbalkon dar. Seine Holzbalken sind kraftschlüssig mit der Geschossdecke verbunden. Vertikallasten werden über einen Randunterzug abgetragen, während das Auskragungsmoment über eingeklebte Gewindestangen mit Bewehrungsanschluss sowie einen Druckzapfen in die Verbunddecke eingeleitet wird. Zusätzliche Stützen im Außenraum sind damit nicht erforderlich. Die Verbindungstechnik ermöglicht reduzierte Querschnitte und eine präzise Lastabtragung, ohne die Fassadengestaltung einzuschränken.
Eine Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz schützt die Konstruktion von außen. Sie vergraut mit der Zeit gleichmäßig, bleibt wartungsarm und vermeidet Folgekosten durch Oberflächenbehandlungen.
Brandschutz
Brandschutztechnisch ist das Gebäude der Gebäudeklasse 3 zugeordnet und als nicht geregelter Sonderbau eingestuft. Die Holzbauweise wurde in enger Abstimmung mit den Behörden so geplant, dass die Tragfähigkeit, der Feuerwiderstand und die sicheren Rettungswege – insbesondere über den auskragenden Balkon – zuverlässig gewährleistet sind.
Innovation
Der Neubau zeigt das Potenzial des Holzbaus bei größeren, ausgedehnten Gebäudestrukturen. In Deutschland wurden erstmals Holz-Beton-Verbunddecken mit integrierten Akustikfräsungen in dieser Form realisiert – und das in einer Kindertagesstätte, die nach dem Passivhausstandard gebaut wurde. Damit verbindet das Projekt energetische Effizienz mit konstruktiver Weiterentwicklung. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der technische Anspruch, sondern auch die Wirtschaftlichkeit: Die Kosten für die eingesetzten Brettstapelelemente der Holz-Beton-Verbunddecke lagen rund 50.000 Euro unter denen einer vergleichbaren konventionellen Lösung.
Das Hanni-Kipp-Haus steht somit exemplarisch fĂĽr eine Haltung im Holzbau: konstruktiv klar durchdacht, materialgerecht entwickelt und wirtschaftlich belastbar.
Projektinformationen
- Standort
- PestalozzistraĂźe 15 55232 Alzey
- Fertigstellung
- 2013
- Bauherrschaft
- Stadtverwaltung Alzey 55232 Alzey
- Architektur
- ARGE Huth Architekten klaus leber architekten bda 64289 Darmstadt
- Holzbau
- Walter Kastor GmbH & Co. KG 55430 Oberwesel
- Fotografie
- Manuela Baltz
- Bauart
- Bildung und Erziehung Kindertagesstätte
- Konstruktion
- Holz-Ständerbau in Elementbauweise
- Geschosse
- 2
- Gebäudegrundfläche
- ~ 1´000 m2
- Kosten Holzbau
- KG 300: 250,- EUR/mÂł netto KG 400: 81,- EUR/mÂł netto
- Erstellungskosten
- 2,7 Mio EUR
- Energiestandard
- Passivhausstandard
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2013
- Tag der Architektur
- 2015
- HolzProKlima Rheinland-Pfalz - 1. Preis

















