Mit der großzügig gestalteten Kultur- und Sporthalle hat die Gemeinde Alfter einen neuen, zentralen Treffpunkt erhalten. Das Gebäude erstreckt sich über drei Etagen. Im unteren Bereich befindet sich die Event- und Sportfläche, darüber liegt die Foyerebene mit Quartierscafé und Tribünenbereich. Auf der Dachebene befindet sich ein Ballsportfeld mit Fitnessareal. Diese Fläche ist ganztägig frei zugänglich und kann unabhängig von der Hallenbelegung genutzt werden. Neben der Nutzung durch Vereine kann die Halle für Veranstaltungen mit bis zu 400 Personen genutzt werden. Sie besteht aus einer innovativen Holzkonstruktion, bei der Fachwerkträger aus Buchenholz mit einer Spannweite von fast 25 Metern das Gewicht der Dachkonstruktionen in außenliegende V-Stützen ableiten. Diese sind ebenfalls aus Buchenholz gefertigt. Die umlaufende Holzkonstruktion ruht auf einem Sockelgeschoss aus Stahlbeton. Durch den Treppenversatz an den Druckstreben erhält das gedrungene Fachwerk ein tragendes und gleichzeitig ästhetisches Detail, das die moderne und traditionelle Holzbaukunst vereint.
Generelle Info
Durch den Neubau der Kultur- und Sporthalle ist in Alfter ein Ort entstanden, der eine klassische Hallenkonstruktion bei Weitem übertrifft. Neben einer regulären Sport- und Veranstaltungshalle wurde auch die sonst oft brachliegende Dachfläche als Sport- und Freizeitbereich genutzt. Da bei der Planung die besonderen örtlichen Gegebenheiten, ästhetische Wünsche an das Objekt sowie diese innovative Nutzungsidee berücksichtigt werden mussten, stiegen auch die Anforderungen an die Tragwerksplanung. Gefragt waren besonderes Know-how, Fachwissen, Ideenreichtum und neue Lösungsansätze.
Tragwerksplanung
Das Herzstück der sieben Meter hohen Halle ist eine umlaufend sichtbare Holzkonstruktion aus 22 V-förmig angeordneten Stützen aus BauBuche, auf denen Fachwerkträger gelagert sind. Die V-Stützen übernehmen sowohl Vertikal- als auch Horizontallasten und leiten diese über umlaufende Gurte sicher in den Baugrund ab. Das um zwei Meter auskragende Dach dient neben der Verschattung auch dem Schutz der Holzkonstruktion vor Witterungseinflüssen. Dies ist nicht nur ein optisch ansprechendes Detail, sondern leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur Dauerhaftigkeit.
Die Fachwerkträger selbst sind als Mischkonstruktion aus BauBuche, Brettschichtholz und Brettsperrholz ausgebildet. Diese bewusst eingesetzte Kombination nutzt die jeweiligen Materialeigenschaften gezielt aus: die hohe Festigkeit und Steifigkeit der Bau-Buche für schlanke Zug- und Druckstäbe, die wirtschaftlichen Querschnitte des Brettschichtholzes und der Lagenaufbau des Brettsperrholzes, das auch im Brandfall die Zugtragfähigkeit sicherstellt. Aufgrund der geforderten geringen Trägerhöhe und der hohen Dachlasten wäre eine Lösung mit Vollwandträgern nicht realisierbar gewesen. Das Fachwerk ermöglichte so eine materialeffiziente Konstruktion bei gleichzeitig reduzierter Bauhöhe und großer Spannweiten bis zu 24 Meter.
Ein zentrales konstruktives Detail ist zudem der Knotenpunkt der Fachwerkträger. Hier wurde traditionelle Zimmermannskunst neu gedacht und der sogenannte Fersenversatz als mehrfach gestaffelter «Treppenversatz» modern interpretiert. Durch die vergrößerte Kontaktfläche erhöht sich die Tragfähigkeit der Verbindung deutlich, sodass zusätzliche Stahlbleche – abgesehen von konstruktiver Lagesicherung – nicht erforderlich sind. Erst die Präzision moderner CAD-Planung und CNC-Fertigung machte diese Ausführung in dieser Dimension wirtschaftlich umsetzbar.
Die Montage erfolgte über klar definierte Montagestöße im Bereich der V-Stützen. Dies vereinfachte den Bauablauf erheblich und verkürzte die Montagezeit auf der Baustelle.
Brandschutz
Der Brandschutz wurde bei diesem Projekt nicht durch unser Büro verantwortet. Dennoch mussten auch die Anforderungen aus diesen Bereichen bereits in der Tragwerksplanung berücksichtigt werden.
Da die Halle als Versammlungsstätte genutzt wird, unterliegt sie erhöhten Anforderungen an den Brandschutz. Die Dachkonstruktion erfüllt einen Feuerwiderstand von R90, obwohl die Holzoberflächen sichtbar sind und das Dach intensiv genutzt wird. Die Dimensionierung der Querschnitte erfolgte unter Berücksichtigung der Abbrandraten, ohne die filigrane Wirkung zu beeinträchtigen.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Im Bereich der Bauphysik und des Schallschutzes wurde die Mehrfachnutzung – Sportbetrieb, kulturelle Veranstaltungen und Dachaktivitäten – integrativ betrachtet. Das Ziel war eine robuste, dauerhaft funktionierende Konstruktion mit klar definierten Schichtenaufbauten und rückbaubaren Verbindungen. Wo möglich, wurden verschraubte statt verklebter Anschlüsse verwendet, um die Recyclingfähigkeit des Gebäudes zu erhöhen.
Innovation
Die Halle in Alfter steht exemplarisch für eine neue Generation kommunaler Holzbauprojekte: Hohe Nutzungsanforderungen, kombinierte Funktionen und anspruchsvolle Brandschutzvorgaben werden konsequent in eine dennoch optisch ansprechende Tragstruktur übersetzt.
Die Kombination aus innovativer Nutzungsidee, hoher Tragfähigkeit, schlanken Querschnitten und präzise gefügten Holz-Holz-Knotenpunkte verdeutlicht das Potenzial des modernen Ingenieurholzbaus – auch bei großen Spannweiten und außergewöhnlichen Lastannahmen.
Die Auszeichnung mit dem Deutschen Holzbaupreis 2025 bestätigt diesen Ansatz und würdigt die Umsetzung innovativer Ideen durch das gesamte Projektteam.
Projektinformationen
- Standort
- Am Herrenwingert 4c 53347 Alfter
- Fertigstellung
- 2024
- Bauherrschaft
- Gemeinde Alfter 53347 Alfter
- Architektur
- Königs Architekten 50670 Köln
- Holzbau
- Amann Holzbau GmbH 79809 Weilheim
- Fotografie
- Margot Gottschling, Overath Constantin Meyer, Köln
- Bauart
- Sport und Kultur Veranstaltungen
- Geschosse
- 1
- Bauzeit
- Dezember 2021 - Juli 2024
- Gebäudegrundfläche
- 2´718 m2
- Gebäudevolumen
- 9´023 m3
- Verbautes Holz
- 93 m3 BauBuche 90 m3 Brettschichtholz 250 m3 Brettsperrholz
- Grösste Spannweite
- Dach: 24 m
- Kosten Holzbau
- KG 300+400: 8,8 Mio EUR brutto
- Erstellungskosten
- 13 Mio EUR brutto
Unsere Dienstleistungen
Auszeichnungen
- 2026
- Holzbaupreis NRW | Kategorie «Neubau»
- 2025
- Deutscher Holzbaupreis
- 2025
- Auszeichnung vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen
- 2025
- Flachdach Contest
- 2025
- Design Educates Awards, Bronze Prize in Architectual Design
- 2024
- Holzbaupreis Eifel





















