Zurück

Mehrfamilienhäuser «Bremer Punkt»

Mit den Mehrfamilienhäusern «Bremer Punkt» haben wir einen seriellen Gebäudetyp zur Nachverdichtung von Wohnsiedlungen maßgeblich mitgestaltet. So entstanden in Bremen in den vergangenen Jahren einige der 14 x 14 Meter großen Mehrfamilienhäuser im KfW-55-Standard. Tragwerk und Konstruktion der Gebäude wurden im Hinblick auf Seriellität weiterentwickelt. Der kostengünstig zu realisierende Kubus wurde mit zehn verschiedenen Grundrissen geplant. Sie bieten Raum für unterschiedliche Wohnformen und ermöglichen durch ihre minimalistische Architektur eine behutsame Aufwertung des jeweiligen Umfelds. Die Mehrfamilienhäuser in der August-Hinrichs-Straße erhielten 2017 den Deutschen Architekturpreis. 2018 konnte sich das Projektmodell im Rennen um den DGNB-Preis «Nachhaltiges Bauen» bis in die TOP 3 durchsetzen und auch den Deutschen Bauherrenpreis gewinnen.

  1. Generelle Info

    Mit der Entwicklung des seriellen Gebäudetypus «Bremer Punkt» haben wir gemeinsam mit dem Projektteam eine Mehrfamilienhauslösung geschaffen, die gezielt auf die Nachverdichtung bestehender Wohnhaussiedlungen reagiert. Ausgehend von diesem Modell wurde das Konzept inzwischen bereits mehrfach realisiert, wobei die Statik jeweils nahezu unveränderter übernommen werden konnte.

  2. Tragwerksplanung

    Im Mittelpunkt der gesamten Planung steht ein seriell entwickeltes Tragwerksystem, das unterschiedlichste Wohnungstypen in mehr als 60 Geschossvarianten ermöglicht, ohne dass statische Anpassungen erforderlich sind. Tragwerk und Konstruktion sind hier konsequent seriell gedacht und ermöglichen eine hohe Wiederholbarkeit bei größtmöglicher Flexibilität.

    Eine zentrale ingenieurtechnische Herausforderung war die konsequente Entkopplung von Grundrissvielfalt und Tragwerkslogik. Dies haben wir durch ein klar gerastertes Lastabtragungssystem gelöst, das unabhängig von der jeweiligen Wohnungsaufteilung funktioniert.

    Die Geschossdecken bestehen aus Holz-Beton-Verbunddecken, die auf BauBuche-Randunterzügen lagern. Die Lastabtragung erfolgt über definierte Stützen, die in Holztafelaußenwände integriert sind. Als Wandmaterial wurde überwiegend Konstruktionsvollholz zum Einsatz, für Decken und hochbeanspruchte Stützen wurde hingegen Brettschichtholz verwendet. Die Randunterzüge und die am stärksten belasteten Stützen wurden aus BauBuche ausgeführt, um die Querschnitte in die Wandkonstruktion integrieren zu können. Das Dach wurde aus liegendem Brettschichtholz realisiert.

    Eine weitere besondere konstruktive Lösung stellen die Balkone dar. Der Prototyp, der noch Loggien vorsah, wurde durch die Anbringung von außenliegenden Balkonen optimiert. Hier wurde die Ablastung der Balkone zu einem wesentlichen Bestandteil des Tragkonzeptes. Durch das Hochhängen, ist die Balkonstellung innerhalb der Raster frei wählbar und trägt somit wesentlich zur architektonischen Flexibilität bei gleichbleibender Statik bei.

    Sie kragen bis zu zwei Meter aus und hängen an den jeweiligen Randunterzügen der Geschosse. Ein diagonaler Stahlzugstab verbindet den Balkon mit der außenliegenden Wandstütze, die wiederum am Randunterzug aufgehängt ist.

  3. Innovation

    Dieses durchdachte und übertragebare Baukasten-System setzt ein klares Zeichen für kosten- und zeiteffizientes Bauen. Die Rohbauzeit beträgt pro Würfel nur vier Wochen: zwei Wochen für den massiven Treppenhauskern aus Beton-Halbfertigteilen und zwei weitere für den Holzbau und die Ortbetondecken.

    Das Modell der Grundrisstypen «Bremer Punkt» bestätigt, dass serielle Gebäudetypen nicht zwangsläufig zu gestalterischen oder funktionalen Einschränkungen führen müssen. Es zeigt den Übergang von objektspezifischen Einzellösungen zur systematischen Entwicklung wiederholbarer Tragwerkskonzepte im mehrgeschossigen Holzbau. Denn bei häufiger Wiederholung entfällt der zu Beginn oft aufwendige und zeitintensive Planungsprozess.

    Alle Gebäude erfüllen den KfW-55-Standard und verbinden wirtschaftliche Planung mit dauerhaft hoher Qualität.

    So wurden die Mehrfamilienhäuser in der August-Hinrichs-Straße 2017 mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet. Beim DGNB-Preis «Nachhaltiges Bauen» 2017 erreichten sie einen Platz unter den Top 3, was die Qualität des Gesamtkonzepts aus Architektur, Tragwerk und Nachhaltigkeit bestätigt.

Projektinformationen
Standort
diverse
Fertigstellung
2016
Bauherrschaft
GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen 28195 Bremen
Architektur
LIN Architekten Urbanisten 10587 Berlin Kahrs Architekten 28203 Bremen
Holzbau
Ökologischer Holzbau Sellstedt 27619 Schiffdorf
Fotografie
Nikolai Wollf, Fotoetage
Bauart
Wohnen
Geschosse
4
Gebäudegrundfläche
795 m2
Geschossfläche
513 m2
Gebäudevolumen
2´352 m3
Verbautes Holz
~124 m3 davon ~20 m3 KVH; ~91 m3 BSH; ~13 m3 BauBuche
Grösste Spannweite
6,3 m
Kosten Holzbau
KG 300+400: ~320.000 EUR
Erstellungskosten
~1.2 Mio. EUR

Unsere Dienstleistungen

Auszeichnungen
2018
Deutscher Bauherrenpreis
2018
Deutscher Nachhaltigkeitspreis |DGNB «Nachhaltiges Bauen» | TOP 3
2017
Deutscher Architekturpreis

Tags