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Pflegeheim Sulz

Nach dem letzten Willen von Angelika Wössner wurde auf dem ehemaligen Areal der Möbelfabrikation «Wössner» ein Pflegeheim gebaut. Es bietet 60 stationäre Pflegeplätze, 12 Plätze für pflegenahes Wohnen und 32 ambulant betreute Wohneinheiten. In einem der Häuser wurden zudem fünf Wohngemeinschaften mit 20 Wohnplätzen für Mitarbeitende des Stifts eingerichtet. Insgesamt sind hier vier nachhaltige Gebäude entstanden. Die Häuser 1, 2 und 4 erfüllen den KfW-40-Standard, Haus 3 den KfW-55-Standard. Das Hauptgebäude wurde im Unter- und Erdgeschoss in Massivbauweise und in den oberen drei Geschossen in Holzbauweise errichtet. Bei den drei weiteren Hybridgebäuden besteht die Tragstruktur aus einem Stahlbeton-Skelettbau. Die Gebäudehülle sowie die oberen Staffelgeschosse wurden ebenfalls in Holzbauweise ausgeführt. Auch das Haus 3, ein Sonderbau der Gebäudeklasse 4, wurde überwiegend in Holzbauweise ausgeführt. Hierbei musste berücksichtigt werden, dass die Fläche als Erdbebengebiet ausgewiesen ist. Diese hohen Anforderungen wurden durch eine tragende Struktur aus Brettsperrholz erfüllt.

  1. Generelle Info

    Auf dem ehemaligen Gelände der Möbelfabrik Wössner ist ein neues Pflege- und Wohnensemble entstanden. Nach dem letzten Willen von Angelika Wössner wurden hier vier nachhaltige Gebäude realisiert, die stationäre Pflege, pflegenahes Wohnen und betreute Wohnformen zu einem modernen und ganzheitlichen Gesamtkonzept vereinen. Es gibt 60 stationäre Pflegeplätze, 12 Plätze für pflegenahes Wohnen, 32 ambulant betreute Wohneinheiten sowie fünf Wohngemeinschaften für Mitarbeitende.

  2. Tragwerksplanung

    Bei dem Projekt wurde konsequent die Holzhybridbauweise eingesetzt, die sich nach Nutzung, Gebäudeklasse und baulichem Kontext unterscheidet. So wurde das Hauptgebäude (Haus 3) im Unter- und Erdgeschoss in Stahlbeton errichtet, was sich aufgrund der Hanglage und der erforderlichen Auskragungen als robuste Lösung erwies. Die oberen Geschosse hingegen sind konsequent in Holzbauweise ausgeführt. Die drei weiteren Gebäude kombinieren Stahlbeton-Skelettstrukturen mit Holzrahmenbau-Außenwänden und Staffelgeschossen in Holzbauweise.

    Zentrales Element der Tragstruktur der Pflegeunterkunft Haus 3 sind ab dem ersten Obergeschoss Brettsperrholzdecken sowie tragende und aussteifende Brettsperrholz-Innenwände. Der Lastabtrag erfolgt vertikal Brettsperrholz-Wände Besonders anspruchsvoll war die Planung für Haus 3: Als Sonderbau der Gebäudeklasse 4 liegt es in einem ausgewiesenen Erdbebengebiet. Die Aussteifung wurde über durchlaufende Brettsperrholz-Deckenscheiben gelöst, was eine konstruktiv klare und materialeffiziente Lösung darstellt.

    Ein hoher Vorfertigungsgrad prägte die gesamte Planung: Modulare Fertignasszellen wurden statisch integriert und insgesamt 24 unterschiedliche Deckenaufbauten präzise aufeinander abgestimmt. Dieser hohe Detailgrad war Voraussetzung für einen reibungslosen Bauablauf, einen optimalen Schall- und Brandschutz.

  3. Brandschutz

    Auch brandschutztechnisch stellt Haus 3 einen Meilenstein dar. Die tragenden Brettsperrholz-Wände wurden mit einem 120 Millimeter starken Aufbau auf REI 90 ausgelegt und beidseitig mit Gipskartonplatten versehen. In den Fluchtwegen sind alle tragenden Bauteile gekapselt, in den Wohnräumen hingegen bleiben die Holzdecken sichtbar. Jedes Zimmer ist als eigenständige Nutzungseinheit brandschutztechnisch abgeschlossen. So wurde ein hohes Sicherheitsniveau erreicht, ohne die Materialqualität des Holzbaus zu verdecken.

  4. Bauphysik und Nachhaltigkeit

    Drei der vier Gebäude erfüllen den Effizienzhaus-40-Standard, Haus 3 den Effizienzhaus-55-Standard. Die U-Werte der Außenbauteile liegen je nach Bauteil zwischen circa 0,11 und 0,16 W/(m²·K). Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Pelletheizung mit Gasreserve, die durch dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung ergänzt wird. Photovoltaikanlagen auf allen Dächern decken den Tagesstrombedarf rechnerisch vollständig.

  5. Innovation

    Pflegeheime in Holz-Hybridbauweise sind in Deutschland nach wie vor selten. Dieses Projekt geht jedoch einen Schritt weiter, denn es zählt zu den ersten Holzbauprojekten mit Sonderbautatbestand bis zur Gebäudeklasse 4 und markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt in diesem Projektsektor. Als ESG-konformes Pilotprojekt zeigt es, wie sich hohe brandschutztechnische, statische und bauphysikalische Anforderungen mit den Vorteilen des Holzbaus verbinden lassen.

    Das Pflegeheim Wössner steht somit für nachhaltiges Bauen und eine präzise, integrierte Planung, bei der Konstruktion, Sicherheit und Energieeffizienz von Anfang an berücksichtigt wurden.

Projektinformationen
Standort
Stuttgarter StraĂźe 79 72172 Sulz am Neckar
Fertigstellung
2023
Bauherrschaft
Seniorenresidenzen WĂĽrttemberg GmbH & Co. Bau-KG Sulz 70173 Stuttgart
Architektur
Gesellschaft fĂĽr soziales Planen GSP 70197 Stuttgart
Holzbau
oa.sys baut GmbH 6861 Alberschwende Ă–sterreich
Fotografie
oa.sys baut GmbH, Alberschwende
Bauart
Gesundheit und Pflege
Geschosse
4
Bauzeit
Februar 2022 - November 2023
Verbautes Holz
Holz: 1´622m3 BSP: 1´300m2
Grösste Spannweite
4 m
Gebäudegrundfläche
11´000 m2
Geschossfläche
9´015 m2
Kosten Holzbau
KG 300+400: 1´980 m2/brutto

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