In Kirchwerder südlich von Hamburg wurde ein ehemaliges Fabrikareal in ein gemischt genutztes Wohn- und Gewerbequartier umgewandelt. Im Mittelpunkt steht der markante Mehlsilo, der zu einem sechsgeschossigen Wohnturm umgebaut wurde. Der weithin sichtbare Baukörper bleibt als prägendes Element des Stadtbilds erhalten und bildet nun einen neuen, identitätsstiftenden Mittelpunkt in dem dünn besiedelten Vorstadtbereich. Dieses Objekt der Gebäudeklasse 5 wurde im Jahr 2013 geplant und war somit ein früher Vorreiter für den mehrgeschossigen Holzbau. Die brandschutztechnischen Anforderungen der Klasse F90-A wurden durch eine gekapselte Brettsperrholzwand und eine sichtbare Holz-Beton-Verbunddecke erfüllt. Letztere bleibt auch nach 90 Minuten Brandbeanspruchung tragfähig. Das Erdgeschoss und der Treppenhauskern wurden in Stahlbeton ausgeführt, die fünf oberen Geschosse in Holzbauweise. Die auskragenden Balkone sind über tragende Wandscheiben an das Gebäude angehängt, wodurch im Erdgeschoss eine großzügige, stützenfreie Fläche mit vielfältiger Nutzungsperspektive entsteht.
Generelle Info
Im Süden Hamburgs wurde ein ehemaliges Fabrikareal in ein gemischt genutztes Wohn- und Gewerbequartier umgewandelt. Prägendes Element des Areals ist das frühere Mehlsilo, ein kompakter, weithin sichtbarer Baukörper, der zu einem sechsgeschossigen Wohnturm umgebaut wurde. Anstatt den Bestand zu ersetzen, blieb das Silo als identitätsstiftender Solitär erhalten und wurde neu genutzt – ein bewusster städtebaulicher Akzent in einem dünn besiedelten Vorstadtbereich.
Tragwerksplanung
Bei der Tragwerksplanung mussten der Bestandserhalt, hohe brandschutztechnische Anforderungen und der Anspruch, Holz als primäres Konstruktionsmaterial einzusetzen, in Einklang gebracht werden. Das Gebäude gehört zur Gebäudeklasse 5 und wurde bereits 2013 geplant, zu einem Zeitpunkt also, als mehrgeschossiger Holzbau in dieser Größenordnung noch die Ausnahme war.
Das Erdgeschoss sowie der Treppenhauskern wurden in Stahlbeton ausgeführt und bilden das robuste Rückgrat des Gebäudes. Darauf setzen fünf Obergeschosse in Massivholzbauweise auf. Sämtliche Wände bestehen aus Brettsperrholz und übernehmen sowohl tragende als auch aussteifende Funktionen. Die Decken wurden als sichtbare Holz-Beton-Verbunddecken konzipiert. Sie erfüllen die brandschutztechnische Anforderung F90-B und bleiben auch nach 90 Minuten Brandbeanspruchung tragfähig.
Eine konstruktive Besonderheit sind gezielt ausgebildete Nocken in den Wänden. Diese gewährleisten eine sichere Lastweiterleitung und tragen gleichzeitig zur Verbesserung des Schallschutzes bei. Die tragenden Wände erreichen den erforderlichen Feuerwiderstand R90 durch eine K2-60-Kapselung in Kombination mit definierten Abbrandreserven. Die Zuganschlüsse wurden durch die bestehende Decke in neu betonierte Wände geführt, wodurch der Bestand respektiert wird und zugleich die statischen Anforderungen erfüllt werden.
Die auskragenden Balkone sind nicht aufgeständert, sondern über tragende Wandscheiben mit dem Gebäude verbunden. Dadurch konnte im Erdgeschoss eine großzügige, stützenfreie Fläche geschaffen werden, die flexibel für gewerbliche oder gemeinschaftliche Nutzungen genutzt werden kann.
Brandschutz
Das Brandschutzkonzept wurde von unserem Projektpartner Dehne & Kruse entwickelt. In enger Abstimmung mit der Tragwerksplanung konnte es passgenau auf die besonderen Anforderungen des Umbaus zugeschnitten werden.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Unser Büro war im Rahmen der Projektbearbeitung für die bauphysikalische Planung mit Schwerpunkt Bauakustik und Wärmeschutz verantwortlich. Besondere Aufmerksamkeit galt den spezifischen Randbedingungen des Bestandsbaus, insbesondere der schrittweisen Umsetzung während des Umbaus. So konnte der Komfort verbessert werden, ohne den Charakter und die Substanz des Bestands zu beeinträchtigen.
Innovation
Um die bestehenden Stahlstützen zu erhalten, mussten Tragwerk und Schallschutz präzise aufeinander abgestimmt und konsequent in die Werkstattplanung integriert werden. Grundlage hierfür war ein frühzeitig erstelltes Aufmaß, das direkt in ein dreidimensionales Planungsmodell überführt wurde, um konstruktive und bauphysikalische Anforderungen sicher zu koordinieren.
Der Umbau des Mehlsilos als erstes Holzbauprojekt der Gebäudeklasse 5 in Hamburg zeigt das Potenzial von Holz im anspruchsvollen Bestandsbau. Die gezielte Nutzung der materiellen Eigenschaften von Brettsperrholz ermöglichte die Erfüllung der Brandschutzanforderungen ebenso wie die Realisierung leistungsfähiger Holz-Beton-Verbunddecken. Das Projekt verbindet hohe technische Anforderungen mit sichtbaren Holzoberflächen und steht exemplarisch für den heute selbstverständlichen Einsatz von Holz im mehrgeschossigen Wohnungsbau. So bleibt das ehemalige Mehlsilo als Zeitzeuge erhalten und schafft neuen Raum aus bestehender Substanz.
Projektinformationen
- Standort
- Süderquerweg 101 21037 Hamburg
- Fertigstellung
- 2015
- Bauherrschaft
- Grundstücksgesellschaft Süderquerweg Kohpeiß GmbH & Co. KG 21037 Hamburg
- Architektur
- Mennerich GmbH 28199 Bremen
- Holzbau
- Kohbau Holz- und Baustoffhandel GmbH 21037 Hamburg
- Bauart
- Industrie und Gewerbe Wohnen
- Geschosse
- 6
- Montage Holzbau
- acht Wochen
- Bauzeit
- September 2014 - September 2016
- Gebäudegrundfläche
- 158 m2
- Geschossfläche
- 955 m2
- Gebäudevolumen
- 3´450 m3
- Verbautes Holz
- 290 m3
- Grösste Spannweite
- 5,8 m
- Erstellungskosten
- 1,10 Mio EUR















