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Mehrgeschossiger Holzbau: Setzungsoptimierte Aussenwandauflager in CLT-Aussenwänden

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Beim achtgeschossige Mehrfamilienhaus Bridport Palace in London (2010-2012) wurde vom Auftraggeber die Realisierung in Brettsperrholzbauweise vorgegeben. Die bisherige Ausführungsweise der CLT-Struktur, bei der die tragenden Wände die Flachdecken tragen und die obere Wand auf der CLT-Decke aufliegt, entsprach der gängigen Praxis, die damals und auch heute noch umgesetzt wird. Diese Konstruktion hat jedoch zwei Schwächen:

  • Einerseits wird bei höheren Gebäuden die Wandstärke durch die Querdruckfestigkeit der Holzplatten bestimmt und die Decken schwinden bei Belastung quer zur Faser stark.
  • Andererseits werden die Platten zuerst produziert und die Ă–ffnungen im Nachhinein ausgeschnitten, woraus eigentlich qualitativ hochstehendes CLT zum Abfallholz wird, das der Energienutzung zu gefĂĽhrt wird.

Diese Tatsache steht jedoch im Widerspruch zu unserem Nachhaltigkeitsanspruch und dem Bestreben, Ressourcen effizient zu nutzen und Abfall zu minimieren.

Wir entwickelten die Auflagerdetails in diesem Projekt daher mit einzelnen CLT-Aussen- und Innenwandelementen, die über die Geschosse durchlaufen. Bei den Aussenwänden wurden die Brettsperrholzwände im Auflagerbereich der Decke ausgeklinkt, so dass eine vertikale Lastübertragung konsequent über die Aussenwände gewährleistet werden konnte. Die obere Wandplatte steht wiederum auf der unteren.

Diese Ausführung kostet zwar etwas mehr, garantiert jedoch geringstmögliche Setzungen des gesamten Bauwerks, vermeidet den Verschnitt von hochwertigem Brettsperrholz und setzt das Material effizient ein.

Lesen Sie hier mehr über den Einsatz von kreislauffähigen Holzverbindungen in diesem Projekt.

Speziell war bei diesem Projekt ein aussergewöhnlicher Lastfall in Form von «Stützenausfall». Dieser wird in Grossbritannien seit einem Schadensereignis von 1968, dem Ronan Point Collapse, bei allen mehrgeschossigen Gebäuden angesetzt.

Durch eine Gasexplosion im 18. Stock des insgesamt 22-stöckigen, Londoner Massivbau-Wohnkomplexes «Ronan Point» wurde eine tragende Aussenwand herausgesprengt. In dessen Folge verloren die darüber liegenden Gebäudeteile ihren Lastpfad und die Gebäudeecke stürzte kaskadenartig ein. Seit dem Vorfall müssen Gebäude in Grossbritannien daher so entworfen werden, dass lokale Schäden nicht zu einem unverhältnismässig grossen Einsturz führen.

Beim Projekt in Bridport bedeutete dies, eine Belastung von rund 34 kN/m² (ca. 3,4 Tonnen) auf ein Wandbauteil anzusetzen und statisch nachzuweisen – oder, als Alternative, den Ausfall dieses Bauteils anzunehmen und infolge einer räumlich kinematischen Tragwirkung die Standsicherheit nachzuweisen. Beide möglichen Situationen konnten wir bei der Planung berücksichtigen. Im Erdgeschoss wurden die tragenden Aussen- und Innenwände sowie sämtliche Stützen auf diese hohen Lasten nachgewiesen. In den oberen Geschossen durften Teile der Aussen- und Innenwände ausfallen. Die Tragwirkung stellten wir über die durchlaufend, versetzt angeordneten Deckenelemente sicher.