Zurück

Vorfabrizierte HBV-Decken mit schnell abbindendem Überbeton

Kategorien

Tags

Gemeinsam mit Projektpartnerinnen und Projektpartnern verfolgten wir über mehrere Jahre die Vision, Holz-Beton-Verbunddecken im Werk vorzufertigen, um die Montagezeit auf der Baustelle zu reduzieren und den Einsatz von HBV-Decken auch an schwer zugänglichen Standorten zu ermöglichen.

Beim Zielgebäude des Lauberhornrennen in Wengen haben wir diese Idee im Jahr 2004 erstmals zusammen mit Tschopp Holzbau umgesetzt. Gerade die herausfordernde und für Betonmischer schwer zugängliche Lage im alpinen Gelände machte eine neue Lösung notwendig und trieb die Entwicklung endgültig voran. In der Produktionshalle der Tschopp Holzbau AG in Hochdorf wurden die Brettstapelelemente mit Überbeton vergossen und während 28 Tagen ausgehärtet. Die vollständig vorgefertigten HBV-Deckenelemente wurden anschliessend zur Baustelle transportiert und dort mittels Kran an ihre definitive Position versetzt. Vor Ort mussten lediglich noch die Elementstösse mit Mörtel ausgegossen werden.

Das Projekt Zielgebäude Lauberhorn hat uns aufgezeigt, dass in der Vorfertigung der HBV-Decken ein grosses Potenzial liegt. So beauftragten wir unseren ehemaligen Mitarbeitenden in seiner Bachelorarbeit damit, die Vorfertigung von flächigen HBV-Decken zu optimieren.

Eine Hauptherausforderung war dabei die Reduzierung der Abbundzeit des Normalbetons. Per Zufall erfuhr er davon, dass beim Flughafen Zürich Betonpistenabschnitte in einer Nacht ausgebrochen und neu betoniert werden, auf denen am Morgen wieder Flugzeuge landen. In der Folge entwickelten wir als erstes Holzbauingenieurbüro zusammen mit SIKA den Überbeton so, dass er innerhalb von drei Tagen rund 80% seiner Festigkeit erreicht und damit ausgespriesst werden kann.

Mit der Arbeit erhielten wir Grundlagen für die optimierte Vorfertigung von HBV-Decken – und eine Betonrezeptur, die bei entsprechender Baubegleitung mit Würfeldruck-Testkörpern das frühzeitige Ausspriessen von HBV-Decken vor Ort ermöglichen. Diesen Überbeton setzten wir ein, wenn besonders schnelle Bauprozesse gefordert sind.

Bis heute haben wir kein weiteres Projekt mehr mit vorgefertigten HBV-Decken geplant oder umgesetzt. Der Hauptgrund dafür liegt in der Wirtschaftlichkeit: In den meisten Fällen ist es effizienter, den Frischbeton direkt auf die Baustelle zu liefern, als den Umweg über die Werkhallen der Holzbauunternehmen zu gehen und die vorgefertigten Elemente anschliessend auf der Baustelle mit hohem Aufwand kraftschlüssig und schalldicht zu verbinden.

Zusätzlich ermöglicht das Betonieren auf der Baustelle, dass in den Überbeton einzelne haustechnische Installationen mitgeführt werden können. Als konsequente Verfechter der Systemtrennung zwischen Tragwerk und Haustechnik stehen wir dieser Praxis jedoch kritisch gegenüber. Es gibt heute nur wenige Unternehmen, welche die industrielle Vorfertigung von HBV-Decken umsetzen.

Dieser Artikel ist der fünfte und letzte Teil einer chronologischen Serie. Lesen Sie auch: