Mit jedem Projekt und jeder Aufgabe wuchs nicht nur das Team, sondern auch der Anspruch, den Holzbau in Deutschland tragend mitzugestalten und zu zeigen, dass Holz nicht nur ein traditioneller Werkstoff ist, sondern die Zukunft des Bauens.
Heute blicken wir dankbar zurück und sprechen mit Tobias darüber, was er in diesen 15 Jahren erlebt hat, was ihn persönlich vorangebracht hat und welche Zukunftsideen noch zu verwirklichen sind.
15 Jahre PIRMIN JUNG Deutschland – Wie fühlt sich das an?
Ein Standardsatz: «Es kommt mir noch gar nicht so lange vor.» Hätte mir vor 15 Jahren jemand gezeigt, wo wir heute stehen, hätte ich dagegen gewettet! Das zeigt wohl am besten, wie ich mich fühle und wie es in mir aussieht.
Pirmins und meine Erwartungen wurden weit ĂĽbertroffen.
Ich hätte mir nie vorstellen können, dass der Holzbau in Deutschland einen solchen durchschlagenden Erfolg erzielen würde. Umso schöner ist es, zu sehen, wie die Holzbaubranche – und natürlich insbesondere unser Büro – diese Entwicklung begleitet hat. Das lässt mich mit Stolz, aber auch mit einer großen Portion Demut auf die gemeinsamen Anstrengungen und Leistungen zurückblicken.
Klicken Sie sich durch die wichtigsten Meilensteine unserer Firmengeschichte:
Vor 15 Jahren stand der Holzbau in Deutschland noch am Anfang. Wie hast du es geschafft, den Holzbau erfolgreich mit voranzutreiben?
Diese Erfolgsgeschichte ist nicht nur mein Verdienst, sondern der vieler Menschen. Wir haben uns trotz aller Widrigkeiten nicht von unserer Überzeugung und Leidenschaft abbringen lassen. Selbst wenn manche Dinge bautechnisch und baurechtlich nicht möglich schienen, haben wir die richtigen Menschen zusammengebracht und vor allem Entscheidungsträger und Behörden davon überzeugt, was alles möglich ist.
Dass vieles heute als normal gilt, hängt sicherlich mit diesen Pionierleistungen zusammen. Beispielhaft möchte ich an dieser Stelle das Bauvorhaben Christburger Straße 13 in Berlin nennen, das ich in Zusammenarbeit mit Tom Kaden und Dirk Kruse realisiert habe. Hier wurden Grenzen im Holzbau verschoben – und das lag vor allem an der Überzeugung und dem außerordentlichen Engagement der Beteiligten.
Verrätst du uns dein Erfolgsrezept?
Für mich gibt es nicht «das eine Erfolgsrezept». Aus meiner Sicht ist es eine Mischung aus vielen verschiedenen Faktoren, die uns im Holzbau erfolgreich machen.
Dazu gehören klassische Faktoren wie Fleiß, Mut, Ehrgeiz, Akribie, Ausdauer, Unternehmergeist, Durchhaltevermögen, Organisationsfähigkeit und Demut. Das mag banal klingen, doch ohne diese Grundvoraussetzungen ist Erfolg kaum möglich. Ich vergleiche den Unternehmenserfolg gerne mit dem Besuch eines Hochhauses ohne Aufzug. Um in eine der oberen Etagen zu gelangen, bleibt nur der schweißtreibende Weg über das Treppenhaus.
Zum anderen ist es der Umgang mit Menschen. Hierbei spreche ich insbesondere über unsere Kundinnen und Kunden sowie unsere Mitarbeitenden. Seit vielen Jahren arbeiten wir mit Menschen aus den Bereichen Immobilienentwicklung, Architektur und Holzbau zusammen. Dabei geht es um Vertrauen, ein gutes Miteinander und gegenseitiges Verständnis für Wünsche und auch mal Sorgen. Zum Teil sind es inzwischen auch mehr als nur Geschäftsbeziehungen. Im Laufe der Jahre sind viele Freundschaften entstanden.
All dies wäre jedoch nicht möglich ohne unsere herausragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind das Herz der Firma und bestimmen den Pulsschlag – ohne sie würde nichts laufen!
Es ist mir eine Freude, so viele inspirierende, begeisternde und begeisterungsfähige sowie wissbegierige und großartige Menschen um mich zu haben, die Freude am Holzbau, am Gestalten und am Miteinander haben. Das ist ein Geschenk!
Bei PIRMIN JUNG sprechen wir liebevoll vom PIRMIN JUNG-Spirit. Was zeichnet diesen aus deiner Sicht aus?
Viele dieser Aspekte habe ich bereits in den vorherigen Antworten erwähnt. Mir sind das gegenseitige Vertrauen, der Umgang miteinander, die Freiheit, sich auszuprobieren und trotzdem verantwortungsbewusst bleiben, das offene Denken und vieles mehr wichtig. All das macht unseren Spirit und unser ganz besonderes Arbeitsklima aus.
Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt unseres Denkens, Handelns und Tuns – und das deckt sich mit unserer Auffassung von Nachhaltigkeit.
Erzähle uns bitte, wer oder was dich inspiriert?
Es ist die Geschichte deutscher Ingenieurskunst und von Erfindergeist. «Made in Germany» und der Begriff «Ingenieur» sind für mich untrennbar mit unserem Wohlstand verbunden. Gleichzeitig stehen sie für den «Genius», für das Finden von Lösungen – und nicht für das Schaffen von Problemen. Ich könnte jetzt unzählige bekannte Namen aufzählen: Werner Siemens, Ferdinand Braun, Gottlieb Daimler, Robert Bosch und Konrad Zuse zum Beispiel. Sie alle stehen für bahnbrechende Erfindungen und technische Innovationen.
Meine Inspiration ist es, Lösungen zu finden – auch wenn die Widerstände groß sind oder die Lösungen nicht sofort offensichtlich sind.
Mir geht es darum, unseren Kundinnen und Kunden die Möglichkeiten aufzuzeigen und gleichzeitig auch ehrlich zu sein, was nicht möglich ist. Wir setzen Wünsche technisch um, ohne «unseren» Baustoff Holz zu verbiegen, und verschieben dabei die Grenzen des technisch Machbaren. All das ist jedoch nur in Verbindung mit der Natur und den Menschen möglich, nicht gegen sie.
Was waren bzw. sind deiner Meinung nach die groĂźen Herausforderungen?
In den letzten 15 Jahren gab es viele Herausforderungen. Das Besondere war und ist – um ehrlich zu sein – immer noch, dass die Anforderungen und Wünsche an den Holzbau in der Gesellschaft schneller gewachsen sind bzw. immer noch wachsen, während wir als Planungsbüro nicht über das entsprechende Fachpersonal in diesem Umfang verfügen bzw. verfügten.
Begonnen haben wir mit einem viergeschossigen Holzgebäude. Davon spricht heute niemand mehr. Heute reden wir gleich von ganzen Quartieren mit fünf oder gar zehn mehrgeschossigen Gebäuden unterschiedlicher Couleur und Ausprägung. All das muss speziell geplant werden. Und letztlich besteht die gleiche Herausforderung darin, ausführende Holzbaubetriebe zu finden. Die Nachfrage nach Holzbau ist in den letzten Jahren exponentiell gewachsen, was dazu führt, dass Planung und Ausführung ständig am Limit sind.
Was hat sich von damals bis heute in der Holzbaubranche, speziell in Deutschland, verändert?
Zu Beginn der Firmengründung waren Kundinnen und Kunden einfach froh, technische Lösungen zu erhalten, um ihre Objekte sauber geplant und sicher in Holzbauweise realisieren zu können. Das hat sich völlig verändert: Heute müssen wir sehr detailliert beschreiben und erklären, warum wir uns für welche technische Lösung und Konstruktion entschieden haben.
Außerdem ist die Holzbau-Familie exorbitant gewachsen – ich kenne gar nicht mehr alle Familienmitglieder. (lächelt) Was will ich damit sagen? Es gibt mittlerweile unglaublich viele Menschen, die sich mit dem Baustoff Holz beschäftigen. Das zeigt, welches gesellschaftliche Standing «unser Baustoff» erreicht hat.
Was denkst du, wie sich der Holzbau in Zukunft entwickelt?
Wenn ich das wĂĽsste! Wir stecken noch immer in den Kinderschuhen, sicher ist aber, dass wir viele technische Innovationen erwarten dĂĽrfen. Ich bin davon ĂĽberzeugt, dass die RĂĽckbaubarkeit und Wiederverwendbarkeit von Baustoffen eine groĂźe Rolle spielen werden. Gleichzeitig muss der Holzbau standardisiert werden, damit er einfacher, kostengĂĽnstiger und effizienter wird.
Stelle dir vor, dem Holzbau wären keine Grenzen gesetzt – weder konstruktiv noch gesellschaftlich. Wie würde die Welt aus deiner Perspektive aussehen?
Das würde viel mehr nach «Schweiz» aussehen. Dort ist ingenieurtechnisch alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. In Deutschland hingegen ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist – ein diametraler Unterschied.
Ich persönlich würde einfach nur den Holzbau-Sachverstand in den Vordergrund stellen und gesetzliche Vorgaben ausschließlich als Richtschnur betrachten – und nicht als Leitplanke und Einschränkung. Ganz im Sinne des Erfindertums des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts wird das technisch Machbare von Ingenieurinnen und Ingenieuren verantwortet und bestimmt – und nicht von irgendwelchen Normen.
Und wie geht es weiter?
PIRMIN JUNG ist nicht nur eine feste Größe beim Bauen mit Holz, sondern auch ein Team, das über Ländergrenzen, Standorte und jedwede Unterschiede hinweg ideell verbunden ist. Wir freuen uns auf weitere Jahre mit spannenden und innovativen Holzbauprojekte. Wir bleiben neugierig, innovativ und vor allem leidenschaftlich, wenn es um den Holzbau geht.
Denn eines ist sicher: Die beste Zeit liegt noch vor uns.
Herzlichen Dank an Tobias für seine offenen Antworten und Gedanken sowie an alle, die das Unternehmen auf diesem Weg begleitet haben: die Kundinnen und Kunden, die langjährigen Partner und vor allem das gesamte PIRMIN-JUNG-Team.

















































