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Traube Buchs – ein Ort der Begegnung

Juni 2022

Das historische Gasthaus Traube in Buchs wurde mit einem umfassenden Um- und Anbau saniert. Ein denkmalgeschütztes Gebäude, das alle am Bau Beteiligten herausforderte. PIRMIN JUNG prägte das Projekt in den Bereichen Tragwerksplanung, Bauphysik und Brandschutz tragend mit.

Die Vision

Gestartet hat alles mit der Idee, einen Ort zu kreieren, an dem sich die unterschiedlichsten Menschen begegnen und sich wohlfühlen, so die Bauherrschaft und neuen Inhaber der Traube Katharina Schertler-Secli und Ivan Secli. Ein Ort der Begegnung also – die historische Geschichte der Traube passt gut dazu. Gebaut in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, überstand die Brauerei und Taverne den grossen Dorfbrand im Jahr 1839. Trinksprüche, Puttenmotive sowie Landschaftsbilder zieren die Wände des Speisesaals. Oberhalb des heutigen Traubensaals befindet sich der alte Gerichtssaal, in dem bis 1904 das Bezirksgericht Werdenberg tagte.

Das Architekturkonzept von Architekt Jan Schmid von Berger + Partner AG setzte den Fokus darauf, die vorhandene Raumstruktur herauszuschälen: «Das war gar nicht so leicht, denn beim Restaurant zum Beispiel fing es vor rund 200 Jahren mit einem einfachen Haus mit vier Räumen an. Man kann sich im Grundriss ein Kreuz vorstellen. Darauf wurde über verschiedene Bauepochen hinweg aufgebaut: Es entstand ein Mittelgang, es entstanden neue Räume rechts und links, noch ein Mittelgang, noch ein Raum und so weiter. Trotzdem war die ursprüngliche Form nach wie vor lesbar. Unser Ziel war es, diese wiederherzustellen und gegebenenfalls an die heutigen Bedürfnisse anzupassen.»

Das Architekturkonzept setzte den Fokus darauf, die vor handene Raumstruktur herauszuschälen.

Dank der Integration von PIRMIN JUNG in der frühen Planungsphase konnten diese Themen gut koordiniert und bearbeitet werden. PIRMIN JUNG bearbeitete die drei Fachbereiche Tragwerksplanung, Bauphysik und Brandschutz. Diese interne Zusammenarbeit mit den kurzen Informationswegen, der dadurch effizienten Arbeitsweise und der offenen, klaren Kommunikation zwischen diesen drei Gewerken stellte sich als optimal heraus – nicht nur für PIRMIN JUNG, sondern für das gesamte Projekt.

  • Eine Innenwand mit ausgefachtem Riegelwerk  |  (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Eine Innenwand mit ausgefachtem Riegelwerk | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch

Die neuen Erkenntnisse beschäftigten die Projektleiter von PIRMIN JUNG auf allen Ebenen und mit vielen Themen. Die Aussenwände sind im Erdgeschoss in massiver Mauerwerksbauweise, in den oberen Geschossen zum einen Teil aus einem Strickbau und zum anderen Teil aus einem ausgefachten Riegelwerk erstellt. Die Decken sowie die Dachkonstruktion bestehen aus einer Holzkonstruktion. Diese historischen, aber teilweise morschen, angesägten und durchlöcherten Holzbauteile statisch zu ertüchtigen, bedingte für PIRMIN JUNG und Projektleiter Tragwerksplanung, Philipp Umiger ein enges Zusammenspiel zwischen Architektur, der kantonalen Denkmalpflege, den Anforderungen an den Brand- und Schallschutz und die Berücksichtigung der lastabtragenden Strukturen auf die Fundation.

«Um den Bestand bestmöglich zu erhalten, waren nicht ganz alltägliche Lösungen und flexibles Handeln gefragt.»

  • Philipp Umiger | Projektleiter Tragwerksplanung
    Philipp Umiger | Projektleiter Tragwerksplanung

Aufgrund der Nutzungsänderung zahlreicher Räume, Verschiebungen von Raum-Geometrien, Neuinstallationen von zusätzlichen Nasszellen und der gleichzeitig geringen Raumhöhen im Bestand mussten jeweils verschiedene Wege für die statische Ertüchtigung geprüft werden. So wurden vereinzelt Wandkonstruktionen genutzt, um darin die Deckenkonstruktionen aufzuhängen, deren Spannweiten zu verringern und die Lasten im Dachgeschoss nach aussen auf die massiven und stabilen Mauerwerkswände zu leiten. Im Erdgeschoss bestand der Wunsch nach einer grossen, stützenfreien Küche mit dem gleichzeitigen Erhalt der darüber liegenden historischen Mauerwerkswände. Eine Herausforderung, die durch die Anpassung der Deckensysteme und deren Lastabtragung gelöst werden konnte.

Der umfassende Um- und Ausbau des Gasthauses wurde mit lokal ansässigen Architektur- und Planungsbüros sowie Handwerksunternehmen umgesetzt. Es konnte sichergestellt werden, dass die Traube ihre Ursprünglichkeit bewahrt und die Räumlichkeiten fachmännisch restauriert wurden. Das Gebäude ist nun für die nächsten Jahrzehnte statisch auf dem aktuellen Stand.

  • Der Traubensaal  |  (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Der Traubensaal | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
  • Gerichtssaal im ersten Obergeschoss  |  (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Gerichtssaal im ersten Obergeschoss | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
  • Theke in der Braustube  |  (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Theke in der Braustube | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
  • Braustube des Gasthauses Traube  |  (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Braustube des Gasthauses Traube | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
  • Salon in ersten Obergeschoss, der auch als Sitzungszimmer genutzt werden kann |  (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Salon in ersten Obergeschoss, der auch als Sitzungszimmer genutzt werden kann | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
  • FĂĽr kleine Meetings  |  (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    FĂĽr kleine Meetings | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
  • Der Gewölbekeller  |  c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Der Gewölbekeller | c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch

Wie gewohnt lösungsorientiert

Die statischen Gegebenheiten und Ertüchtigungen, der Bestandsschutz und die geänderten Nutzungen gegenüber dem Bestand stellten erhöhte Ansprüche an die Bearbeitung der Brandschutzaufgabe. «Der Schlüssel zum erfolgreichen integralen Brandschutz lag hier in der frühen Koordination aller beteiligten Disziplinen», meint Projektleiter Brandschutz Lukas Wolf. Mit der Erarbeitung von objektbezogenen, zielorientierten und verhältnismässigen Lösungen konnten die Schutzziele erreicht werden.

«Bei einem komplexen, denkmalgeschützten Bestandsgebäude wie der Traube können Standardlösungen nur bedingt zielführend umgesetzt werden. Objekt- und schutzzielorientierte Brandschutzlösungen ermöglichen es, den Bestand mit der gebotenen Sorgfalt in einen aus Sicht des Brandschutzes sicheren Zustand zu überführen.»

  • Lukas Wolf | Projektleiter Brandschutz
    Lukas Wolf | Projektleiter Brandschutz

Nicht zu viel und nicht zu wenig

Wie in historischen Gebäuden üblich, stellte sich der Fokus im Bereich Bauphysik auf die zwingend notwendigsten Anpassungen. Für ein gutes Raumklima mussten diverse Innenaufbaudämmungen gemacht werden. Hier war es wichtig, der Behaglichkeit gerecht zu werden, den Denkmalschutz im Hinterkopf zu behalten und gleichzeitig den Feuchteschutz zu beachten. Die Eingrifftiefe bei den Bodenaufbauten versuchte Dominik von Büren, Projektleiter Bauphysik, möglichst gering zu halten. Die bereits historisch bedingten niedrigen Raumhöhen stellten Herausforderungen in Bezug auf die Akustik. «Aber es gibt immer eine Lösung», so Dominik von Büren.

«Um Raumgrössen im Bestand optimal auszunutzen und das Tragwerk aus feuchtetechnischer Sicht langfristig zu erhalten, ist manchmal weniger mehr.»

  • Dominik von BĂĽren | Projektleiter Bauphysik
    Dominik von BĂĽren | Projektleiter Bauphysik

Es geht weiter

Hinter dem Gasthaus Traube, dort wo bis vor einigen Monaten eine grosse Scheune stand, entsteht das neue Stadthotel in Holzbauweise mit 14 Doppelzimmern. PIRMIN JUNG ist bei diesem Projekt ebenfalls mit allen drei Disziplinen dabei. Auch hier waren nicht alltägliche Lösungen gefragt. So lösten zum Beispiel unsere Projektleiter die Herausforderung, einen schichtreduzierten Massivholzbau ohne Vorsatzschalen mit gleichzeitig höchsten Anforderungen an den Schallschutz zu erstellen.

Im Erdgeschoss des Hotels entsteht ein Gastronomieraum, der als Frühstücksraum sowie als Tagesbistro genutzt werden soll. Nach aufwendigem Umbau trifft Tradition auf modernste Ausstattung, verschmilzt Design mit lokalem Handwerk, entstehen Erlebnisse für alle Sinne. Das Gasthaus wird zu einem Ort der Begegnung – die Idee und Vision erreicht.

  • Gasthaus Traube Buchs nach dem Umbau. Blick von der gegenĂĽberliegenden Seite  |   (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch
    Gasthaus Traube Buchs nach dem Umbau. Blick von der gegenĂĽberliegenden Seite | (c) gasthaus-traube.ch / Foto: kohlplatz.ch