Pirmin Jung beantwortet die Titelfrage wie folgt: Das ist ein gutes GefĂŒhl â ein GefĂŒhl der Befriedigung und des Dankes, es ist wahnsinnig schön. Und auf der anderen Seite fĂŒhlt es sich auch unrealistisch an. Kaum möglich, dass schon 25 Jahre um sind. Ich erinnere mich, als wĂ€re es gestern gewesen â damals als ich alleine gestartet bin und erste Projekte bearbeitete, dann kamen Mitarbeitende dazu und dann weitere Bereiche. Wir bauten das Wissensmanagement auf, grĂŒndeten die Deutschland GmbH und bildeten eine GeschĂ€ftsleitung, heute haben wir mehrere Standorte in der Schweiz und in Deutschland und gestalten das Bauen mit Holz tragend. Unglaublich.
25 Jahre sind lang â woran wirst du dich immer erinnern?
(Denkt nach). An so viele kleine Dinge. Vor allem aber an tolle Mitarbeitende, die meine Ideen aufnehmen und weiterentwickeln. Das jĂ€hrliche Highlight ist der Anlass mit den Mitarbeitenden und deren Partner/innen kurz vor Weihnachten. Solche Tage berĂŒhren mich immer wieder und machen mich glĂŒcklich â wenn ich sehe, wer alles «das PIRMIN-JUNG-Schiff» mittrĂ€gt und mit uns an Bord ist. NatĂŒrlich erinnere ich mich auch an viele Projekte, die wir tragend gestaltet haben, an das gemeinsame Weiterkommen im Holzbau, wie z. B. ein Geschoss mehr, weiterentwickelte Konstruktionen, kreative Workshops mit spannenden Architektinnen und Architekten und einfach an tolle Momente, in denen man gemeinsam Projekterfolge feiern konnte.
Als du damals vor 25 Jahren begonnen hast, wurden DÀcher oder teilweise EinfamilienhÀuser in Holz gebaut. Wie habt ihr es geschafft, den Holzbau in die Höhe zu treiben?
Eigentlich wollte ich ja Holzbauingenieur werden, um Tragwerke und grosse Hallen zu planen und BrĂŒcken in Holz. FĂŒr das schlug mein Herz â bzw. schlĂ€gt es natĂŒrlich noch heute â, das ist eine Passion. Und trotzdem hat sich mit der damaligen Anstellung bei Julius Natterer in Etoy (VD), einem deutschen Ingenieur und Professor fĂŒr Holzbau, einiges in mir bewegt. Bei ihm lernte ich grösser und höher zu denken. Die viergeschossige WohnĂŒberbauung StirnrĂŒti in Horw gab mir als eines meiner ersten Projekte den «Kick», den Holzbau in die Höhe zu treiben. Ich merkte, dass der Geschossbau viel interessanter und spannender ist als die reine Tragwerksplanung. Die zusĂ€tzlichen EinflĂŒsse wie Bauphysik und Brandschutz faszinierten mich. Und ich merkte, dass da ganz viel Potenzial drinsteckt. Und von da an sind wir als Team aktiv in diesem Bereich, fĂŒhren ArchitekturbĂŒros und Bauherrschaften durch spannende Projekte. Es ergab sich eins ums andere. NatĂŒrlich waren wir damals in Europa noch ganz am Anfang im mehrgeschossigen Holzbau, aber das Wirken von uns jungen Schweizer HolzbauingenieurbĂŒros, die enge Zusammenarbeit mit den Behörden, das Dranbleiben und die Entwicklung praxisnaher und kreativer Ideen waren der SchlĂŒssel zum Erfolg. Es brauchte und braucht auch zukĂŒnftig Leuchtturmprojekte, um den Glauben und das Vertrauen in den Holzbau zu entwickeln und zu stĂ€rken.
Unsere Meilensteine in der Firmengeschichte
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Was ist dein Erfolgsrezept?
Begeisterung und die Ăberzeugung fĂŒr die Sache â manchmal auch etwas blauĂ€ugig sein (lacht). Es war nicht immer einfach. Wir mussten in den AnfĂ€ngen mehrmals durchbeissen â auch finanziell. Ich selber bin sehr zielfokussiert. FĂŒr mich gibt es nur Lösungen â keine Probleme. Wenn etwas nicht geht, gilt es, die Sache neu anzugehen, ĂŒber den Tellerrand zu schauen, neue Aspekte und Ideen zu entwickeln â so gibt es immer einen Weg. Zusammengefasst: nie aufgeben, gut zuhören, nachfragen und adaptierte Lösungen gestalten. Und inzwischen möchte ich mithelfen, dass die Welt ein bisschen besser wird. Es geht mir nicht mehr um jedes einzelne Projekt und um höher und grösser. Wir sind heute ein Team, das funktioniert und auch fĂŒr die Gesellschaft etwas umsetzen kann. Und mir ist unglaublich wichtig, dass es jedem Mitarbeitenden bei uns gut geht. Dann kann man nĂ€mlich auch gute Arbeit leisten. Das alles geht nur, weil ich eine tolle Frau und Familie im Hintergrund habe, die mich unterstĂŒtzen, Entscheidungen mittragen und wir miteinander unterwegs sind. Das ist das A und O.
«Begeisterung und die Ăberzeugung fĂŒr die Sache â manchmal auch etwas blauĂ€ugig sein.»
Was macht fĂŒr dich den PIRMIN JUNG-Spirit aus?
Es ist die gemeinsame Begeisterung, zusammen und in Planerteams Holzbauten in hoher QualitĂ€t planen und realisieren zu können. Es ist die Begeisterung fĂŒr die Sache. Daraus ergibt sich auch das wunderbare Team in den Bereichen Tragwerksplanung, Bauphysik und Brandschutz â egal ob in der Schweiz oder in Deutschland.
Was hat sich von damals zu heute in der Holzbaubranche verÀndert?
Der Holzbau hat sich sehr entwickelt. Die Holzbauer haben investiert. Das ging Hand in Hand. Die andere Seite: Vor 20 Jahren wurden in der Schweiz 2.5 Mio. Kubikmeter Rundholz eingesĂ€gt, heute sind es noch 1.6 Mio. Die SĂ€gereien und damit die EinsagekapazitĂ€t sind zurĂŒckgegangen, heute werden ĂŒber 70 % des Bauholzes importiert. Das macht weh. Wir mĂŒssten heute viel mehr Holz aus dem ĂŒberalterten Wald verarbeiten. Aber wir haben einfach die Produktionsmittel nicht dazu. Das heisst also: Der Holzbau hat sich super entwickelt, die Holzkette stagnierte oder baute ab. NatĂŒrlich haben wir innovative Projekte und Produkte, aber zu wenig verarbeitetes regionales Holz. Es ist eine grosse Herausforderung, die Holzkette wieder fit zu machen. Als PrĂ€sident der Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz helfe ich da gerne mit.
Wie entwickelt sich der Holzbau in Zukunft?
Klar, es wird in die Höhe gehen und die Projekte werden immer grösser. Die Bausysteme werden statisch und konstruktiv optimiert, ressourcenschonender gestaltet, und wir werden kreislauffĂ€hig bauen. Auch wenn aktuell die Holzpreise steigen und sich die Lieferfristen strecken: Wir haben genĂŒgend Holz, um die anstehenden Bauaufgaben zu realisieren â und wir können noch viel mehr Holz produzieren. Wir mĂŒssen unsere WĂ€lder klimafit machen und aktiv bewirtschaften â weltweit. Gelingt es in den kommenden zehn Jahren, 1â000 Milliarden BĂ€ume zu pflanzen, können diese rund 25 % des menschengemachten CO2 absorbieren â der Klimawandel könnte um rund 20 Jahre hinausgezögert werden. Es wird mehr Holz brauchen. In den StĂ€dten der Welt mĂŒssen wir z. B. den Wohnraum verdoppeln, weil es immer mehr Menschen in die StĂ€dte zieht. WĂŒrden wir diesen betonieren, könnte das 2-Grad-Ziel nie erreicht werden, da die Herstellung von Zement sehr viel CO2 verursacht. Der Rohstoff Holz, die Holzindustrie und der Holzbau werden entscheidend sein, damit wir es schaffen. Aber wie? Um die Massen an Holzbauten zu realisieren, kann ich mir z. B. vorstellen, dass heutige Autobauer unsere zukĂŒnftigen Holzbauer werden. Heisst: In den heutigen ProduktionsstĂ€tten von Autos könnten zukĂŒnftig Holzelemente produziert werden. Ob ein Roboter ein Auto zusammenbaut oder ein Wandelement, das ist technisch egal. Es wird also Disruptionen geben.
«In zehn Jahren werden sich Leute mit Holz befassen, die sich das heute noch nicht vorstellen können. Es wird keine Alternativen geben, wenn wir weiter bauen möchten. Die Zukunft ist Holz.»
Stelle dir vor, dem Holzbau wĂ€ren keine Grenzen gesetzt â weder konstruktiv noch gesellschaftlich. Wie wĂŒrde die Welt aus deiner Perspektive aussehen?
Jedes Land, jede Region hĂ€tte seine WĂ€lder, die es pflanzt und bewirtschaftet, und aus diesem Rohstoff wĂŒrde man vor Ort bauen. Aus Holz werden aber auch Textilien hergestellt oder Spritzguss aus Holz. Jede Region auf der Welt hĂ€tte eine regionale Wirtschaft. Die Globalisierung etwas zurĂŒckfahren, dafĂŒr gĂ€be es regionale WirtschaftskreislĂ€ufe. Der Wald bleibt dank nachhaltiger Bewirtschaftung gesund und kann seine Funktion als Klimakatalysator wahrnehmen. Die Leute mĂŒssen nicht migrieren und zu uns kommen, sondern hĂ€tten Arbeit in ihrem Wald, in der Schreinerei. Sie brĂ€uchten selber wieder einen BĂ€cker, eine Ărztin. Das wĂ€re meine Welt â eine schöne, heile Welt â, basierend auf den WĂ€ldern. Und um wieder auf meinen ehemaligen Chef Julius Natterer zurĂŒckzukommen: Er hat vor 30 Jahren schon gesagt, «die WĂ€lder retten die Welt». Heute bin ich ĂŒberzeugt, dass das so sein wird.

































