Neben Wohnräumen wird auf dem im südlichen Tribschen-Langensand-Quartier liegenden Areal auch ein Angebot für Gemeinschaftsräume sowie Räume für Gewerbe, Dienstleistungen und Kultur geschaffen. Vom eingeschossigen Kindergartenneubau über eine 24-Personen-Wohngemeinschaft im Bestand bis zum achtgeschossigen Wohnhaus entstehen so insgesamt 14 Gebäude mit unterschiedlichsten Anforderungen, Bauherrschaften, Nutzenden, Planenden und Ausführenden. Die beteiligten Genossenschaften sind als übergeordneter Genossenschaftsverband, der Kooperation Industriestrasse Luzern, organisiert.
Statt einer homogenen Neubausiedlung soll das Zusammenspiel von Neu- und Bestandsbauten auf natürliche Weise eine vielfältige Mieterschaft anziehen.
Die unterschiedlichen Gebäudetypologien und architektonischen Ausdrucksweisen erfordern im Holzbau differenzierte Konstruktionsarten. Abhängig von Spannweiten oder Anforderungen an Lärmschutz, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit kommen unterschiedliche Systeme wie Hybrid-, Skelett-, Rahmen- oder Brettsperrholzbau zum Einsatz.
In der Tragwerksplanung gestalten wir seit 2019 an der Seite des Architekturbüros Rolf Mühlethaler neun Teilprojekte auf dem Areal, davon fünf Neubauten und vier Sanierungsprojekte.
Kreative Sanierung und bewusst andersartige Wohnformen
In einem der ältesten Gebäude auf dem Areal, einem ehemaligen Eisenlager aus dem Jahr 1900, entstehen fünf kleine, aber moderne Atelierwohnungen in länglicher Anordnung: kompakt geplant, mit Bad und Küche im hinteren Bereich sowie einer Zwischendecke als Wohn- und Schlafebene.
Die Einheiten zeigen, dass Wohnen nicht immer mehr Fläche bedeuten muss. Weniger Raum schafft Fokus auf das Wesentliche – weniger Besitz, weniger Ballast, mehr Freiheit. Genau diese Haltung passt zur Vision des Areals: Begegnung statt Rückzug; Miteinander statt Überfluss.
Die Sanierung dieses einst hallenartigen Baus steht nicht nur für eine architektonisch spannende Transformation, sondern auch für eine neue Art des Wohnens – minimalistisch, flexibel und gemeinschaftlich gedacht.
Die alten Mauerwerkswände der Lagerhalle, bestehend aus Eisenpfosten und Backsteinen, bleiben erhalten. Innenliegend wurde eine Holzrahmenbauwand als thermische Gebäudehülle ergänzt, worauf eine Zwischendecke aus Holz aufliegt. Die Wohnungstrennwände sind ebenfalls neu als Holzrahmenkonstruktion ausgeführt.
Das alte Dachfachwerk bleibt erhalten und macht die Geschichte des Gebäudes im Innenraum sichtbar, wodurch aus einem schlichten Raum ein Ort mit besonderem Charakter wird. Im Bereich des Vordachs übernimmt die erhaltene Tragstruktur weiterhin einen Teil des Lastabtrags. Der primäre Lastabtrag erfolgt über ein neues Dachtragwerk, das auf den Innen- und Aussenwänden aufliegt.
«Ich mach mir die Wohnung, wie sie mir gefällt»
Nicht nur im Rahmen der Sanierung werden die ursprünglichen Bestände in neuartige Wohnformen umgedacht; auch bei den Neubauten steht die Schaffung individueller Wohnräume im Vordergrund. Bei einem dieser neuen Gebäude wird ein besonderes Augenmerk auf ein flexibles Nutzungskonzept gelegt, das den zukünftigen Bewohnenden einen hohen Grad an individueller Mitgestaltung bietet: In einem rund 20 Meter hohen Wohnturm in minimalistischer Holzskelettbauweise wird Mietenden eine Tragstruktur bereitgestellt, die eine flexible Ausgestaltung des jeweils zweiten Geschosses im Selbstausbau ermöglicht.
Charakteristisch für das Konzept ist die bewusst offen gehaltene Gebäudestruktur, die den Mietenden eine bauliche Grundlage bietet und von ihnen je nach Belieben weiterentwickelt und ausgebaut werden kann. Dadurch entstehen individuelle, kosteneffiziente und unkompliziert umsetzbare Wohnlösungen.
Das Gebäude besteht aus vier übereinandergestapelten Maisonette-Wohnungen mit einer Grundfläche von jeweils 6,5 mal 14 Metern. Ursprünglich war vorgesehen, lediglich die Gebäudehülle, die Tragstruktur sowie eine kompakte Nasszellenbox bereitzustellen. Im Projektverlauf wurde der Ausbaugrad jedoch erweitert, sodass bereits raumtrennende Innenwände sowie Galeriedecken mit entsprechenden Unterteilungen erstellt werden. Die konstruktive Einfachheit des Skelettbaus bildet die Grundlage für die hohe Anpassungsfähigkeit des Gebäudes. Ergänzend dazu stellen wir Empfehlungen zu möglichen Bodenaufbauten bereit.
Basierend auf dieser flexiblen Ausgangslage eröffnet sich der Mieterschaft ein vielfältiger gestalterischer Handlungsspielraum – von offenen, zweigeschossigen Wohnbereichen mit eingezogenen Galeriedecken bis hin zu durchgehenden Deckenkonstruktionen zur Schaffung zusätzlicher, klar definierter Nutzflächen. Dadurch können individuelle Wohnkonzepte entwickelt und an persönliche Bedürfnisse sowie unterschiedliche Lebensmodelle angepasst werden.
Verschmelzung von Alt und Neu
Ein weiterer Neubau veranschaulicht exemplarisch den bewussten Umgang mit verdichtetem Bauen. Durch die unmittelbare Nähe zu den bestehenden Gebäuden entsteht ein spannungsreicher Dialog zwischen Bestand und Neubau, der die enge räumliche und soziale Verknüpfung von Alt und Neu sichtbar macht. Die gemeinschaftlich genutzten Laubengänge fördern zusätzlich die Interaktion zwischen den Bewohnenden und stärken den nachbarschaftlichen Austausch.
Das verdichtete Bauen auf dem Areal schafft bewusste Kontraste und eine enge Verbindung zwischen Altem und Neuem.
Das Gebäude umfasst insgesamt sieben Geschosse. Das Erdgeschoss ist in Massivbauweise ausgeführt. Ab dem Obergeschoss wurde die Primärtragstruktur in Holzbauweise umgesetzt – einschliesslich Liftschacht und Erschliessung, welche nicht über ein innenliegendes Treppenhaus erfolgt, sondern über einen aussenliegenden Laubengang. Diese Holz-Skelett-Konstruktion mit Stahlbetonelementen als Gehbelag ist an das Hauptgebäude angebunden. Auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite strukturieren vorgefertigte Balkonelemente aus Beton die Fassade, wobei zwischen den einzelnen Balkonen gezielte Abtrennungen vorgesehen sind. Die Wohnungen zeichnen sich durch eine hohe Lichtdurchlässigkeit und offene Raumwirkung aus, wodurch trotz der dichten Bebauung eine helle und qualitätsvolle Wohnatmosphäre geschaffen wird.
Im Mittelpunkt steht der Gemeinschaftsgedanke
Während zuvor der Kontrast zwischen Bestand und Neubau im Vordergrund stand, verbindet dieses Gebäude Alt und Neu unmittelbar miteinander. Es dient damit als anschauliches Beispiel für eine sinnvolle Wiederverwendung architektonischer Elemente innerhalb des Areals sowie für den gemeinschaftlichen Charakter des Areals.
Der Neubau ist als klassischer Holzrahmenbau konzipiert. Im Zentrum befindet sich ein Stahlbetonkern, der die Erschliessung sowie den vertikalen Fluchtweg bildet, während die umliegenden Wohnbereiche vollständig in Holzbauweise ausgeführt sind. Charakteristisch ist zudem der umlaufende Balkon, der, wie das vorher thematisierte Gebäude, mit vorgefertigten Betonelementen realisiert wurde.
Ergänzt wird das Wohngebäude durch einen zweigeschossigen Anbau, der als gemeinschaftlich nutzbarer «Möglichkeitsraum» konzipiert ist. Dieser bietet den Bewohnenden Raum für individuelle und gemeinsame Gestaltung und unterstreicht damit den partizipativen Charakter des Projekts.
Im Dachbereich befindet sich ein zurückversetztes Attikageschoss mit einem wiederverwendeten Blechdach, das als erste Abdichtungsebene dient. Darunter liegt ein konventioneller Flachdachaufbau. Die Wiederverwendung dieses bereits zuvor auf dem Areal eingesetzten Dachelements verfolgt nicht nur funktionale und nachhaltige Ziele, sondern setzt zugleich ein bewusstes architektonisches Zeichen im Umgang mit vorhandenen Ressourcen.
Zwei Brücken verbinden das Gebäude mit den benachbarten Häusern. Oberhalb des Erdgeschosses werden so zusätzliche Verkehrsflächen für Personen geschaffen und damit eine effiziente Antwort auf die verdichtete Bauweise sowie die begrenzten Umgebungsflächen gefunden.
Sorgsamer Umgang mit dem Bestand
Beim ehemaligen Käselager aus den Jahren 1903 bis 1905 folgt der Sanierungsansatz bewusst einem minimalistischen Prinzip und konzentriert sich lediglich auf Eingriffe, die aus funktionaler, sicherheitstechnischer und aus normativer Sicht zwingend erforderlich sind. Bestehende Strukturen werden weitgehend erhalten und nur dort angepasst, wo es für eine sichere Nutzung oder zur Erfüllung geltender Anforderungen notwendig ist.
Das dreigeschossige Gebäude wurde bis zum Umbau bereits in den beiden oberen Geschossen als grosszügige Wohngemeinschaft genutzt; diese Wohnform soll weiterhin bestehen bleiben. Im Rahmen der denkmalpflegerischen Sanierung bleibt insbesondere das bestehende Tragwerk im Dachgeschoss erhalten. Die vorhandenen Stützen und Unterzüge werden verstärkt und in die neue Nutzung integriert. Für die innere Raumaufteilung im Dachgeschoss kommen ergänzend neue Holzrahmenbauwände zum Einsatz, die eine behutsame Anpassung an die heutigen Anforderungen ermöglichen, ohne den Charakter des historischen Gebäudes grundlegend zu verändern. Im mittleren Geschoss wurden kaum Sanierungsmassnahmen durchgeführt – lediglich das Tragwerk am Boden wurde von unten ertüchtigt. Somit konnten die Eingriffe auch räumlich auf ein Minimum reduziert werden. Das Erdgeschoss bleibt als grosszügige, offene Fläche erhalten und ist künftig als Atelier vorgesehen.
Kreative Lebendigkeit als Basis zukünftiger Siedlungsidentität
Das Projekt vereint beispielhaft zentrale Themen einer zeitgemässen Arealentwicklung: die intelligente Nutzung begrenzter Flächen, den respektvollen Umgang mit dem Bestand sowie die Schaffung vielfältiger und bezahlbarer Wohnformen. Durch gemeinschaftlich gedachte Freiräume wird zudem das soziale Zusammenleben und die Nachbarschaft als Gemeinschaft gestärkt.

















































