Das Gesamtprojekt
Gleich drei Neubauten wurden auf dem Tierparkareal an der Parkstrasse in Goldau realisiert: Die Besucherhalle, daneben das Verwaltungsgebäude sowie ein sechsgeschossiges Wohngebäude mit Restaurant und Tierpark-Shop im Erdgeschoss. Verbunden sind die Gebäude über eine vorgelagerte Piazza. Die Tragkonstruktionen wurden primär in Holzbauweise erstellt. Das Ziel war es, natürliche und ökologische Bauprodukte zu verwenden. So wurde ausschliesslich Schweizer Holz eingesetzt und als solches zertifiziert.
Verschmelzung von Natur und Geschichte
Schon von weitem stechen die eindrücklichen Holzstützen und das zickzackförmige Dach der Besucherhalle ins Auge. Inspiriert haben sich die Architekten von marty architektur ag hinsichtlich Form und Farbe an der wilden und einzigartigen Natur im Tierpark sowie am Bergsturz von Goldau, welchen die Form des Daches widerspiegelt. Getragen wird das Dach von insgesamt 17 Holzstützen in Form von Baustämmen mit abgehenden Ästen. Das Haupttragsystem besteht aus Holzbindern auf Stützen und eingespannten Stahlträgern. Zwischen dem Haupttragsystem befinden sich Balkendecken. Die Dachkonstruktion ähnelt in ihrer Form so einem verwobenen Spinnennetz. Die Komplexität des Daches aufgrund der insgesamt über 80 verschieden geneigten Flächen hat die Planung des Tragsystems besonders spannend für uns gemacht.
In Projekten wie diesem, bei denen das Tragwerk einen grossen Anteil an der Architektur des Gebäudes ausmacht, ist die frühzeitige Abstimmung mit dem Architekturbüro von grossem Wert. So können Ideen und Pläne von Beginn an optimal aufeinander abgestimmt und möglichst effizient ein gemeinsamer Entwurf erarbeitet werden.
«Dank der engen Zusammenarbeit schon von Projektbeginn an konnten wir die Vision der Architekten berücksichtigen und umsetzen»
Wo das «Erlebnis Tierpark» beginnt
Der über 60 Jahre alte Eingang des Tierparks hatte dringenden Erneuerungsbedarf, da er die Bedürfnisse der Bauherrschaft nicht mehr abdeckte. Dies zeigte sich vor allem an stark frequentierten Tagen im Sommer, wenn sich die Besucherströme an der viel befahrenen Strasse entlangschlängelten. Gelöst wurde das Problem durch einen zweiteiligen Eingangsbereich. Zum einen wurde die neue Besucherhalle nach hinten versetzt gebaut. Mit dem so entstandenen Vorplatz wurde ein grosszügiger Ankunftsort geschaffen, der Raum zum Verweilen bietet und gleichzeitig die Verkehrssicherheit gewährleistet. Zum anderen wurde die neue Eingangshalle an sich vergrössert, sodass auch bei Regenwetter viele Leute Platz haben. Das üppige Vordach aus Holz spendet darüber hinaus Regen- und Sonnenschutz.
Links und rechts von der Eingangshalle befinden sich die zwei Erlebnishallen. In der Bergsturzhalle wird an das tragische Ereignis von 1806 erinnert. Hier können Besucher den Bergsturz unter anderem in einem Simulator in Echtzeit nacherleben. Im Zauberwald können sich die kleinen Tierfreunde dagegen auf die Suche nach den magischen Wesen machen, die durch den Bergsturz freigelassen wurden und nur von Kindern sichtbar sind. Wie der Name vermuten lässt, wurde auch bei der Gestaltung dieses naturnahen Spieleparadieses auf das Material Holz gesetzt.
Umsetzung des Wärmeschutzes
Aufgrund der hohen Unterhaltskosten der alten Gebäude sollte bei den Neubauten eine nachhaltige Bau- und Unterhaltsweise realisiert werden. Dazu zählt auch eine energiesparende Wärmedämmung im Winter sowie der sommerliche Wärmeschutz. Durch eine spezielle Verglasung der grossen Fensterfronten inkl. Folie mit g-Wert unter 30% ist dafür gesorgt, dass geringe Solargewinne erzeugt werden und die Besucherhallen so im Sommer nicht aufheizen. Im Winter wird das Gebäude dagegen mit Radiatoren und thermoaktiven Bauteilsystemen (TABS) temperiert, sodass auch zu kalten Jahreszeiten im Bereich der Besucherströme eine angenehme Temperatur von ca. 18°C herrscht.
«Die Gebäudehülle entspricht den Anforderungen von Minergie 2022.1 und realisiert somit ca. 20% bessere Werte, als es die gesetzlichen Anforderungen im Kanton Schwyz zum Zeitpunkt des Baubeginns vorgesehen haben»
Holzbauweise auch bei Wohn- und Verwaltungsgebäude
Aus Dorfrichtung kommend ist es zunächst das ca. 20 Meter hohe Wohngebäude am Anfang der Piazza, das mit seiner auffallenden Holzfassade den Blick auf sich zieht. Insgesamt 29 Mietwohnungen befinden sich hinter den als Sichtschutz dienenden Holzbrüstungen. Die Glasfassade im Erdgeschoss signalisiert den öffentlich zugänglichen Restaurantbereich.
Nicht nur den Besuchern und Besucherinnen wird ab sofort ein ganz neues Tierparkerlebnis geboten. Mit dem neuen Verwaltungsgebäude wurden auch zeitgemässe Büroräumlichkeiten für die Mitarbeitenden geschaffen. Auf dem massiven Sockel bauen zwei Holzgeschosse auf, welche ohne tragende Innenwände, dafür mit Hohlkästen aus Holz mit einer Spannweite von 6.8 Metern realisiert wurden. Die Fassadenelemente aus Schweizer Lärchenholz dienen als Sicht- und Sonnenschutz.
Im Jahre 2025 wird der Natur- und Tierpark Goldau sein 100-jähriges Jubiläum feiern. Wir freuen uns, dass mit unserer Unterstützung in der Tragwerksplanung und Bauphysik ein tolles neues Erlebnis nicht nur für die Besucher, sondern auch für alle Mitarbeitenden geschaffen werden konnte.
Spannende Facts & Figures
Planungs- und Bauzeit: ca. 4 Jahre
Bauherr: Stiftung des Natur- und Tierparks Goldau
Architektur: marty architektur ag, Schwyz
Tragwerksplanung Holzbau und Bauphysik: PIRMIN JUNG Schweiz AG
Holzbau: Strüby Holzbau AG, Seewen (Besucherhalle), Schmidlin Holzbau AG, Steinen (Verwaltungsgebäude), Kost Holzbau AG, Küssnacht (Wohnhaus)
Gesamtkosten: 31 Mio. Fr.

























