In Hamburg durften wir die Aufstockung zweier baugleicher Gebäude realisieren. Die Häuser aus den 50er Jahren mit je fünf Geschossen wurden um zwei weitere Wohngeschosse in Holzrahmenbauweise mit Holz-Beton-Verbunddecken aufgestockt. Die neue, doppelte Decke dient als Boden für die Aufstockung. Das Flachdach wurde aus Brettsperrholz gefertigt. Aufgrund der Veränderung der Gebäudeklasse von GK 4 auf GK 5 mussten einerseits die baurechtlichen Brandschutzanforderungen erfüllt und andererseits die erhöhten Lasten in das Bauwerk und das Fundament eingeleitet werden. Die Aussteifung erfolgte in vielen kleinen Elementen, um die einzuleitenden Aussteifungskräfte zu reduzieren. Die Bewohnerinnen und Bewohner konnten während der Aufstockung in ihren Wohnungen bleiben. Zusätzlich wurden die vorgestellten Balkone neu angebracht.
Generelle Info
In Hamburg wurden im Wientapper Weg zwei baugleiche Wohnhäuser von 1963 durchdacht weitergebaut – und zwar nicht in die Breite, sondern in die Höhe. Die bestehenden fünfgeschossigen Gebäude wurden jeweils um zwei zusätzliche Wohngeschosse in Holztafelbauweise aufgestockt. Auf den ersten Blick erscheint es wie eine klassische Nachverdichtung. In der Umsetzung erwies es sich dann aber als anspruchsvolle Verbindung aus Bestand, Baurecht und Tragwerksinnovation.
Tragwerksplanung
Die Aufstockung war mit anspruchsvollen statischen Anforderungen an den Bestand und die neue Konstruktion verbunden. Im Zentrum der Tragwerksplanung stand ein effizientes Aussteifungskonzept, das die Anzahl der vertikalen Zugverankerungen minimiert und einen Großteil der Kräfte über das Eigengewicht der Konstruktion ableitet. Da die bestehende Dachdecke die neuen Lasten und das bestehende Mauerwerk konzentrierte Punktlasten nicht aufnehmen konnten, wurde für den Lastabtrag und die Lastverteilung eine zusätzliche Zwischendecke in Brettsperrholzbauweise entwickelt. Die Kombination aus Holztafelbauwänden und Brettsperrholzelementen ermöglichte eine präzise abgestimmte, leichte und zugleich leistungsfähige Tragstruktur, die auf die Anforderungen des Bauens im Bestand zugeschnitten ist.
Auch konstruktiv wurde das System konsequent auf die Anforderungen des mehrgeschossigen Holzbaus abgestimmt. Die HBV-Decke sowie die Dachdecke aus Brettsperrholz bilden robuste und leistungsfähige Deckensysteme. Sämtliche Wände wurden in Holztafelbauweise mit zwei Lagen Gipsfaserplatten à 18 Millimeter ausgeführt.
Ergänzend zur Aufstockung wurden die Treppenhäuser modernisiert, Aufzüge integriert und die bestehenden Balkone durch großzügige, thermisch getrennte Balkonanlagen ersetzt. Die Holztafelbauweise erwies sich dabei nicht nur als ressourcenschonende und wirtschaftliche Lösung, sondern ermöglichte dank des hohen Vorfertigungsgrads auch einen zügigen Bauablauf mit reduzierten Eingriffen in den Bestand.
Brandschutz
Aufgrund der Veränderung der Gebäudeklasse von GK 4 auf GK 5 mussten die baurechtlichen Brandschutzanforderungen sowohl an die Neubauteile wie auch an den Bestand erfüllt werden. Die entsprechenden Nachweise hierfür wurden gesamthaft erbracht. Das Brandschutzkonzept wurde von Dehne & Kruse erstellt. In enger Zusammenarbeit konnten die Bauteile so dimensioniert werden, dass die Konstruktion einen 90-minütigen Brandwiderstand erbringt.
Innovation
Das Projekt zählt zu den ersten Aufstockungen in Deutschland, die bis an die Hochhausgrenze heranreichen und gleichzeitig die Anforderungen der Gebäudeklasse 5 erfüllen. Insbesondere in Ballungsräumen wie Hamburg setzt dieses Vorhaben einen klaren Maßstab. Hier wurden die Potenziale des Holzbaus unter maximalen Anforderungen ausgelotet: hohe Brandschutzanforderungen, begrenzte Tragreserven im Bestand und gleichzeitig der Anspruch an eine effiziente, vorgefertigte Bauweise. So entstand neuer Wohnraum, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.
Projektinformationen
- Standort
- Im Wientapper Weg 18+20 22589 Hamburg
- Fertigstellung
- 2016
- Bauherrschaft
- d.i.i. GRUPPE
- Architektur
- Entwurf (LPH 1-4) mann+schneberger Architekten BDA 55131 Mainz AusfĂĽhrung (LPH 5-8) Mertens Koll Architekten Part mbB 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
- Bauart
- Wohnen
- Geschosse
- 5 (Bestand) + 2 Vollgeschosse (Aufstockung)
- zusätzliche Wohneinheiten
- 16 (8 pro Haus).
- Bauzeit
- 2016 - 2017
- Geschossfläche
- 4´504 m2
- Gebäudevolumen
- 7´600 m3
- Grösste Spannweite
- 5,7 m
- Kosten Holzbau
- KG 300 2 Mio EUR (brutto)
- Baujahr Bestand
- 1963
- Fertigstellung
- 2016














