"Machbar und realistisch"
Laut der ingenieurtechnischen Machbarkeitsstudie, an der wir mitwirken konnten, ist die Errichtung einer 325 Meter langen und sechs Meter breiten Hängebrücke zwischen den an beiden Rheinufern erhaltenen, historischen Doppeltürmen «machbar und realistisch». Neue schlanke Pfeiler sollen an den Ufern jeweils hinter den denkmalgeschützten historischen Brückentürmen stehen und die filigrane Hängebrücke tragen.
Ein Ort mit Geschichte
Über die historische Brücke von Remagen konnte im Zweiten Weltkrieg die US-Armee am 7. März 1945 nach dem Rückzug der Wehrmacht aus Frankreich hier erstmals den Rhein in Richtung Osten überqueren, ohne dass das Bauwerk wie geplant von den Deutschen zerstört wurde. Erst zehn Tage später stürzte die Brücke am 17. März ein. Seit dieser historischen Zerstörung stehen an beiden Rheinufern nur noch jeweils die Brückentürme. In den beiden linksrheinischen Brückentürmen befindet sich heute ein Friedensmuseum.
Wege über den Rhein
Wer heute bei Remagen über den Rhein möchte, muss einen nicht unerheblichen Umweg in Kauf nehmen oder auf eine der wenigen Fährverbindungen ausweichen. Diese fahren aber nicht rund um die Uhr und sind auch – während vergangener Dürreperioden oder bei Hochwasser – immer vom aktuellem Wasserstand abhängig. Oft ist nur der Umweg über eine der beiden Brücken in Bonn oder Neuwied die einzige Lösung.
Die Idee der neuen Brücke
So entstand 2018 gemeinsam in den umliegenden Gemeinden die Idee einer „neuen Brücke von Remagen“. Diese soll aber, anders als die ursprüngliche Eisenbahnbrücke, ausschließlich als Fußgänger- und Radverkehrsbrücke genutzt werden.
In Notfällen soll die neue Brücke zwischen dem linksrheinischen Remagen und dem gegenüberliegenden Erpel auch von Blaulichtwagen befahrbar sein, definitv aber keine Autobrücke werden.
Überwältigende Mehrheit ist für eine neue Brücke
Bei einer Online-Befragung der Hochschule Koblenz von mehr als 3500 Bürgerinnen und Bürger haben sich teilweise sogar bis zu 90 Prozent für die neue Hängebrücke ausgesprochen. Die überwältigende Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass sich eine neue Brücke positiv auf die Kommunen und die Region auswirkt.
Diese Brücke liegt offenbar genau im Zeitgeist.
Nur wenige Vorbehalte gegen die Brücke
Vorbehalte gab es wenige - lediglich in Form von Hinweisen und Anforderungen an die zukünftige Brücke.
Die Kosten sollen im Rahmen bleiben und die Anbindung in Bezug auf Verkehr, Parkplätze und Barrierefreiheit soll im Interesse der Anwohner gut durchdacht sein. Ausserdem ergab sich der Wunsch der Befragten, dass die neue Brücke zurückhaltend und nachhaltig gestaltet werden soll und dennoch etwas Besonderes sein soll. In der Gestaltung der Brücke soll die Geschichte mit der Zukunft verbunden sein.
Die Brücke kann einen wichtigen Beitrag zu klimafreundlicher und nachhaltiger Mobilität in der Region leisten.
Analyse der städtebaulichen und planerischen Rahmenbedingungen
Die TU Kaiserslautern hat nach dieser positiven Rückmeldung aus der Bevölkerung im Rahmen einer Machbarkeitsstudie dann die Projektidee der Schaffung eines Fuß- und Radweges zwischen Erpel und Remagen über den Rhein untersucht und entwickelt. Neben dem Bezug zur historischen Bedeutung des Ortes, sollte ein Schwerpunkt auch auf dem touristischen Mehrwert für die Region liegen.
Untersuchung raumplanerischer Aspekte
Anschließend wurden auch noch raumplanerische Aspekte hinsichtlich der städtebaulichen Anbindung und Einbettung des geplanten Brückenprojekts näher untersucht und analysiert. Das Masterstudienprojekt der TU Kaiserslautern konnte hier die Ziele und Chancen dieser neuen Verbindung dokumentieren und zeigt auf, wie viele Vorteile eine solche Brücke bringen kann.
Zentraler Erkenntnispunkt ist durchweg, dass diese neue Brücke viele positive Veränderung für die Menschen schaffen kann.
Aber ist eine solche Brücke ingenieurtechnisch machbar?
Nachdem die Zustimmung aus der Bevölkerung vorliegt und die übergeordneten Rahmenbedingungen ermittelt wurden, musste nun die ingenieurtechnische Machbarkeit einer derart weit gespannten Fußgänger- und Radverkehrsbrücke in Erfahrung gebracht werden. Auf der Basis der vorangegangenen Untersuchungen wurden hier Grundsatzlösungen für die konstruktive Durchbildung des Bauwerks und seine unmittelbare Zuwegung erarbeitet und entwickelt werden.
Hier konnten wir der Stadt Remagen und den Projektentwicklern mit unserem Fachwissen über Brücken und deren Tragwerksplanung unterstützend zur Seite stehen und wertvollen Input liefern.
Technische und rechtliche Anforderungen
Um ein solches Bauvorhaben zu realisieren, müssen im Vorfeld diverse technische und rechtliche Anforderungen berücksichtigt werden. Dazu gehören hier unter anderem die Rahmenbedingungen aus Querung des Rheins, der Bundesstraßen und der Bahngleise. Weiter sind Grundsätze für eine bauliche Durchführung, dem Denkmal-, Natur- und Artenschutz sowie einer Anzahl vieler weiterer Punkte zu beachten.
Auch die Herausforderungen aus den vorliegenden geologischen Begebenheiten mit unterschiedlichen Geländehöhen zwischen Remagen und Erpel mussten natürlich berücksichtigt werden.
Das Ziel der Studie
Das Ziel der Studie bestand darin, die grundsätzliche ingenieurtechnische Machbarkeit der Fuß- und Radwegbrücke aufzuzeigen und mit welchen Baukosten für ein solches Bauwerk zu rechnen ist.
Neben diesen übergeordneten Punkten wurden in den konstruktiven Grundsatzlösungen noch die Vor- und Nachteile verschiedener Brückentypen - von Einfeldträgern über Bogenbrücken bis hin zu Hängebrücken mit Pylon - gegenübergestellt und sorgfältig abgewogen.
Die ingenieurtechnische Voruntersuchung bestätigt die Realisierbarkeit
Die ingenieurtechnischen Voruntersuchungen der Machbarkeitsstudie bestätigt eine grundsätzliche Realisierbarkeit des Projektes an dieser Stelle in statisch-konstruktiver Hinsicht.
Mehr Informationen auch in der Ergebnispräsentation der Machbarkeitsstudie.
Favorisiert ist nun eine Hängebrücke mit hinter den historischen Brückentürmen positionierten Einzelpylonen. Die Geh- und Fahrbahn soll dabei in der Achse der historischen Brücke liegen und auf den alten Brückenwiderlagern aufliegen.
Bei einer solchen Brücke handelt es sich nicht nur um eine Verbindung von A nach B.
Mit den durchgeführten Befragungen, Studien und Erkenntnissen sind wir der Verwirklichung der neuen Brücke einen großen Schritt näher gekommen und die Initiatoren des Projektes arbeiten intensiv an der Beseitigung noch offener Punkte und Klärung aller Fragen, damit die Brücke hoffentlich bald Realität werden kann.
Fazit: Die Brücke ist gewünscht und findet in der Bevölkerung große Zustimmung. Sie bringt die Region voran und erschließt vor allem in den Bereichen Mobilität, Tourismus und Kultur viele Vorteile.
Vorteile einer neuen Fußgänger- und Radverkehrsbrücke auf einen Blick
- Schaffung einer direkten und klimafreundlichen Verbindung beidseits des Rheins
- Verkürzung der Reisezeiten und Förderung des nachhaltigen Verkehrs
- Ausbau bestehender Infrastruktur
- Stärkung und Wiederbelebung der Verbindungen der Gemeinden
- Kürzere Rettungswege
- Sanierung und Instandsetzung der Denkmäler
- Schaffung funktionaler Verbindungen und kürzerer Wege
- Stärkung kultureller und touristischer Zusammenarbeit und Kooperation
Facts & Figures
Brückenlänge: 325 m
Rampenlänge: 240 m
Brückenhöhe: 13,65 m über HSW
Fahrbahnbreite: 6 m
Geschätzte Baukosten: etwa 22 Mio. Euro netto rein für den Überbau – ohne Rampen, Zuwegungen usw.
Herausforderungen: stützenfreie Überspannung des Rheins, Rampen und Zuwegung unter Berücksichtigung vorhandener Strukturen, Treppen- und Aufzugsanlagen
Quellen: Stadt Remagen, Masterarbeit Jan Eric Rauch, TU Kaiserslautern, Friedensmuseum Remagen, Dan Hummel, BORAPA Ingenieurgesellschaft, wikipedia

























