Start der digitalen Transformation im Team der Bauphysik
Ursprünglich gestartet haben die ersten Optimierungsmassnahmen mit digitalen Werkzeugen in der Bauphysik-Abteilung, welche die Fachgebiete Wärme-/Feuchteschutz, Lärmschutz, Schallschutz, Raumakustik, Ökologie und Nachhaltigkeit abdeckt. Dies aufgrund des Bewusstseins, dass in diesem Dienstleistungsbereich verhältnismässig die meisten das Gebäudegesamtsystem beeinflussenden Informationen be- und verarbeitet werden und digitale Methoden daher die umfassendsten Auswirkungen auf Gebäude als Gesamtsysteme haben. Darauf aufbauend wurden über die Jahre auch in den anderen beiden Dienstleitungsbereichen, Tragwerksplanung und Brandschutz, diverse Optimierungen erarbeitet. Die dabei gewonnene Kernerkenntnis ist, dass der Fokus bei der Einführung von neuen digitalen Werkzeugen oft stark auf die Effizienzsteigerung einzelner Bearbeitungsschritte gelegt wird und deren Effektivität im Gesamtprozess aber kaum beachtet wird. Bei der Evaluierung von möglichen Software-Tools sollte nicht nur darauf fokussiert werden, ob damit einzelne Arbeitsschritt deutlich schneller und einfacher gehen, sondern, ob die zu verarbeitenden Grundlageinformationen in einem gängigen Format in das Tool importiert und verarbeitet und die in dem Tool erarbeiteten Resultate in einer Form ausgegeben und visuell dargestellt werden können, die für nachfolgende Arbeitsschritte im Planungsteam weiterverwend- und bearbeitbar ist. Der meiste Aufwand oder die meisten Fehler entstehen nämlich beim Übertragen oder Interpretieren von Informationen vom einen Arbeitsschritt zum nächsten. Aber genau diese Informations-Schnittstellen sind auch die relevantesten bei der Entwicklung von nachhaltigen, zukunftsfähigen Gebäuden.
Konkrete Ziele definieren
Weitere Grundlage ist das Verständnis, dass für die Planung, Erstellung und Nutzung eines nachhaltigen Gebäudes die Betrachtung desselben als Gesamtsystem unter Berücksichtigung seiner soziologischen, ökologischen und ökonomischen Kontexte und Wechselwirkungen notwendig ist. Damit dies gelingen kann, ist es in einem ersten Schritt wichtig, die konkreten Ziele des Auftraggebers sowie der späteren Nutzer aus deren jeweiligen Sicht bezüglich des zu erstellenden Gebäudes zu definieren. Weiter ist ausschlaggebend, dass frühzeitig im Projekt ein umfassendes und kompetentes Planungsteam einbezogen wird, im welchem in einem engen Vertrauensverhältnis zusammengearbeitet wird. Sowohl Auftraggeber als auch spätere Nutzer sollten dabei als Teil des Planungsteams verstanden und entsprechend einbezogen werden. Die für das Gebäude von der Auftraggeber- und Nutzerseite formulierten Ziele sollten bei Beginn der Projektbearbeitung von den verschiedenen Planenden aus ihrer jeweiligen fachlichen Sicht analysiert und verifiziert werden.
Umsetzen bisheriger Erfahrungen am neuen Firmenhauptsitz
Bei der Konzipierung, Planung und Realisierung des neuen Firmenhauptsitzes «Haus des Holzes» nutzt PIRMIN JUNG nun die Chance, auf all die bisherigen Erfahrungen mit digitalem Planen und Bauen aufzubauen und zusätzliche, vertiefte Erfahrungen zu sammeln.
Im Bewusstsein, dass zwischen den verschiedenen Projektrahmenbedingungen und Planungsdisziplinen unzählige sich überkreuzende Abhängigkeiten bestehen und die Projektentwicklung daher zwangsläufig in iterativen Prozessen erflogt, wurde eine Informationsstruktur entwickelt, welche es ermöglicht, die gegenseitigen Abhängigkeiten datenbasiert visuell darzustellen. Dazu wurden virtuelle, ineinander verschachtelte Datenkontainer geschaffen, welche nach Auffassung des Projektteams allen Hochbauprojekten gemein sind: «Grundstück», «Gebäude», «Zonen», «Systeme», «Bauteile», «Räume», «Ausstattungen».
Datenkontainer mit Projektzielen
Auf jedem Datenkontainer gibt es aufgrund der Projektziele Grenz-/Zielwerte (Soll), Prozesswerte (erforderliche Zwischenresultate für die interdisziplinäre Zusammenarbeit) sowie Leistungswerte (Ist). Dabei bilden die Werte auf den Datengefässen «Grundstück», «Gebäude» und «Zonen» die äusseren Projektparameter und diejenigen auf «Räumen» und «Ausstattungen» die inneren. Die verschiedenen Projektziele teilen sich jeweils in verschiedenen Kombinationen diese unterschiedlichen Werte, was die gegenseitigen Abhängigkeiten ausmacht. Das zu erstellende Gebäude wird schlussendlich in den dazwischenliegenden Datenkontainern «Systeme» und «Bauteile» abgebildet. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde bei der Planung mit der Erhebung, Erarbeitung und Verifizierung der inneren und äusseren Projektparameter, also der Projektzielrelevanten Grenz- und Zielwerte auf den Datenkontainern «Räume» und «Ausstattungen» sowie «Grundstück», «Gebäude» und «Zonen», gestartet. Nachdem diese erarbeitet waren, wurden davon die Grenz- und Zielwerte für die «Systeme» und« Bauteile» abgeleitet. Darauf abgestimmt konnten die effektiven Lösungsvorschläge für die verschiedenen Gebäudesysteme wie Tragwerk, Gebäudetechnik, Fassade, usw. und Bauteilaufbauten erarbeitet werden.
Um die Abhängigkeiten visuell nachvollziehbar prüfen zu können, wurden für die verschiedenen Anwendungsfälle pro Projektdatenkontainer unterschiedliche BIM-Modelle erstellt. Damit können die enthaltenen Informationen visuell dargestellt und nachvollziehbar gemacht werden. Damit wird die BIM-Technologie genutzt, um Informationen sichtbar und allen am Projekt beteiligten zugänglich und verständlich zu machen. Die vielfältigen Aufgaben, Fragestellungen und Informationen, welche bei der Erarbeitung eines nachhaltigen Gebäudes im Sinne eines Gesamtsystems können so optimal digital unterstützt und die gegenseitigen Abhängigkeiten und Wechselwirkungen schnell nachvollzogen werden.
Kurzvorstellung Haus des Holzes
Im luzernischen Sursee entsteht ein sechsgeschossiges Dienstleistung- und Wohngebäude mit rund 100 Arbeitsplätzen in nachhaltiger Bauweise aus Holz. Das «Haus des Holzes» wird die neue Heimat für die Mitarbeitenden von PIRMIN JUNG. Ausschlaggebend für den Neubau war in erster Linie die engen Platzverhältnisse im aktuellen Firmensitz in Rain. Um auch in Zukunft für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv zu bleiben und ein optimales Arbeitsumfeld für Team- und Projektbearbeitung zu schaffen, wurde das «Haus des Holzes» am neuen Standort in Sursee entwickelt. Ziel ist es, eine Vorbildfunktion zu übernehmen und aufzuzeigen, wie man in Zukunft bauen sollte, um die Umwelt und damit auch das Klima zu schonen. Das Gebäude ist also ein wegweisendes Bauprojekt, das die Nachhaltigkeit gesamtheitlich in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt berücksichtigt und nach den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft entsteht. Die Zusammenarbeit innerhalb des Planungsteam erfolgt partnerschaftlich und teamorientiert nach den Grundsätzen von VDC (BIM-Methode).
Weitere, spannende Informationen zum Haus des Holzes finden Sie hier.
Projektpartner
- Bauherr: PIRMIN JUNG Immobilien AG, Rain
- Gesamtprojektleitung/Baumanagement: Jung Meyerhans AG, Rain
- BIM-Manager/-Koordinator: PIRMIN JUNG Schweiz AG, Rain
- Architektur: marc syfrig arch eth sia bsa, Luzern
- Tragwerksplanung Holzbau: PIRMIN JUNG Schweiz AG, Rain
- Bauphysik / Akustik / Nachhaltigkeit: PIRMIN JUNG Schweiz AG, Rain
- Brandschutz: PIRMIN JUNG Schweiz AG, Rain
- Bauingenieur Tief- / Massivbau: Kost + Partner AG, Sursee
- HLKS-Ingenieur: Wirkungsgrad Ingenieure AG, Luzern
- Elektro-Ingenieur / Gebäudeautomation: SCHERLER AG, Luzern
- Landschaftsarchitektur: LAND SCHAFFT GmbH, Sursee















