Am Mittwoch, 19. Mai 2021 verlieh die Schweizer Baudokumentation zum achten Mal den Arc-Award, den Schweizer-Architekturaward. An der virtuellen Preisverleihung gewann unser Projekt Haus des Holzes in der Kategorie BIM: zukunftsweisende Entwicklungen den ersten Preis. 331 Projekte wurden zwischen April 2020 und Januar 2021 eingereicht. Achtzehn davon waren nun für einen der Preise in den verschiedenen Kategorien nominiert.
Das Vorzeigeprojekt für das digitale Bauen mit Holz
Mit unserem neuen Firmensitz Haus des Holzes in Sursee verfolgen wir verschiedene Ziele. Einerseits wollen wir zeigen, wie man zukünftig Bauen soll. Das wegweisende Bauprojekt berücksichtigt die Nachhaltigkeit gesamtheitlich in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Andererseits versuchen der Architekt Marc Syfrig und Bauherr Pirmin Jung im Haus des Holzes die Eigenschaften von Holz zu nutzen und verschiedene innovative Technologien in hoher Qualität zusammen zu fügen. Und als weiteren Aspekt setzen wir das digitale Planen und Bauen um. Seit 2013 befassen wir uns als Ingenieurbüro für Holzbau, Brandschutz und Bauphysik mit der Implementierung von VDC (Virtual Design and Construction) und BIM in unsere Arbeitsabläufe. Bisher haben wir viele Erfahrungen zu Potenzial, Grenzen und Abhängigkeiten von diesen Methoden gesammelt und viele interne Abläufe effektiver gestaltet. Da wir üblicherweise in den Projektorganisationen in der Rolle von Fachplanenden agieren, können wir diese Erfahrungen aber nur sehr beschränkt in Projekte einbringen. Bei der Planung und Ausführung unseres neuen Firmensitzes sind wir nun aber mit dem BIM-Management im Lead, setzen unser bisher erarbeitetes VDC-Know-how um und bauen unsere Erfahrungen weiter aus.
Herzlichen Dank an das gesamte Projektteam
"Die Freude ist riesig, dass wir den Arc-Award gewinnen durften", sagt Pirmin Jung, Bauherr des Projektes und fügt an: "Es ist ein grosser Dank und eine schöne Wertschätzung für das gesamte Projektteam und für die tolle Zusammenarbeit. Das Projekt Haus des Holzes ist eine Teamleistung. Als nächsten Schritt ist es spannend, das (digitale) Projekt auf die Baustelle zu bringen gemeinsam mit den Unternehmern zusammen da weiter zu bauen bis zum Bezug im Sommer 2022 - ohne Pläne, sondern wirklich nur mit dem BIM-Modell."
Der Standard der Zukunft
Birgitta Schock, Jurypräsidentin des Arc-Awards, Architektin und Vorstandsmitglied bei SIA, dem Netzwerk digital und Fellow von "buildingSMART International", lobte das Projekt in den höchsten Tönen: "Es ist eine wirklich gute Eingabe, auf den Punkt gebracht und unglaublich überzeugend. Im Zentrum steht ein ausgefeilter und sehr verständlicher Abhängigkeitsbaum. Die Projektverfasser konnten komplexe Abhängigkeiten, abhängige Entscheide flüssig darstellen, das ist das Wichtigste in einem solchen Prozess. Ein exzellentes Beispiel der Zusammenarbeit und der Prozessoptimierung."
"PIRMIN JUNG schaffte somit ein Regelsystem, wenn's nach der Jury ginge, müsste das zum Standard für alle Projektdokumentationen werden."
Einblick in den Prozess des digitalen Bauens im Haus des Holzes
Die Laudatio von Jurymitglied Martin A. Fischer, Professor für Bauingenieurswesen und Umwelttechnik an der Stanford University in Kalifornien und Director des Center for Integrated Facility Engineering (CIFE), beschreibt das Projekt aus Sicht von VDC&BIM sehr umfassend und treffend:
Die Planung des "Haus des Holzes" demonstriert, wie ein integriertes Projektteam durch die offene Kommunikation mittels BIM eine anspruchsvolle Bauaufgabe gut meistern kann. Die Zusammenarbeit erfolgte über VDC (BIM-Methode).
Die Firma PIRMIN JUNG ist normalerweise als Fachplaner für Holzbau in Bauprojekten involviert. Beim Bau des "Haus des Holzes" fungierte sie aber als Bauherr. Diese Möglichkeit nutzte die Firma, um BIM in innovativer und zukunftsweisender Form einzusetzen. Die Projektziele wurden holistisch und spezifisch definiert. Gemeinsam entschied das Team, wie das Gebäude nachhaltig erstellt, genutzt und betrieben werden könnte. Dabei wurden auch die dafür notwendigen projektspezifischen Datenstrukturen erstellt.
Beispielsweise strukturieren ineinander verschachtelte Datencontainer die Informationen zu den Bauteilen, Räumen, Gebäude, Grundstück etc. und verbinden sie mit den Projektzielen. So wird die typische Projekthierarchie durch ein Projektsystem ersetzt. Je nach Projektziel übernehmen dabei die passenden Fachplaner die leitende Rolle. Dieses Projektsystem erlaubt und erfordert eine produktive Zusammenarbeit beim Erstellen der gemeinsamen Projektinformationsbasis. Das schafft ein Klima des Zusammenhalts im Projektteam. Die Informationsstruktur dieses Projekts zeigt gegenseitige Abhängigkeiten auf und stellt visuell dar, wo noch Informationen fehlen. Dies erlaubt den Projektteilnehmern, die Planung mit den richtigen Prioritäten voranzutreiben. Durch Prozessmetriken wird dem Team auch gezeigt, wie es sich noch am ehesten verbessern kann.
Dieses Projekt ist zukunftsweisend, weil es nicht nur BIM im Rahmen der typischen Arbeitsprozesse einsetzt, sondern ein neues BIM-basiertes System zur Projektplanung vorstellt.













