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Erkenntnisse aus der Studie «Industrielle Wertschöpfungskette Altholz»

Sursee, November 2024

Die Studie zur industriellen Wertschöpfungskette von Altholz zeigt auf, dass jährlich etwa zwei Millionen Kubikmeter Holzabfälle in der Bauwirtschaft anfallen, die bisher überwiegend thermisch verwertet werden. Die Untersuchung verdeutlicht das enorme Potenzial, Altholz durch verbesserte Demontage und frühzeitige Planung wiederzuverwenden und so die CO2-Bindung im Material zu verlängern. Um die Nachhaltigkeit im Holzbau signifikant zu steigern, bedarf es einer Optimierung der Kreislaufprozesse. Im Folgenden werden die zentralen Erkenntnisse der Studie vorgestellt.

Hintergrund und Ausgangslage

Jährlich fallen in der Bauwirtschaft rund eine halbe Million Tonnen Holzabfälle an. Dazu kommen weitere Holzabfälle aus Verpackungen und anderen Quellen. Das total anfallende Altholz liegt bei rund 2 Millionen Kubikmetern. Eine grosse Menge, welche genutzt werden sollte. Gerade in Bezug auf die langfristige CO2-Speicherung, welche während dem Wachstum im Holz eingelagert wird, würde die Umweltauswirkungen im Vergleich von Neubaumaterialen erheblich reduzieren – auch wenn Holz als natürlicher Baustoff gegenüber anderen Materialien bezüglich Ökobilanz hervorragend dasteht. Altholz aus dem Bauwesen wird zu einem grossen Teil der thermischen Verwertung zugeführt und damit Energie gewonnen. Ziel wäre es aber, Altholzbauteile möglichst oft wieder zu verwenden so lange als möglich in einer hohen Güte einzusetzen. Genau hier setzt unsere Studie zur Entwicklung einer industriellen Wertschöpfungskette für Altholz an. Unser Projekt, gefördert durch den Circular Building Industry Innovation Booster (CBI-Booster) von Innosuisse, zielte darauf ab, den aktuellen Weg von Altholz aus dem Bauwesen hinsichtlich Erhaltung im industriellen Kreislauf aufzuzeigen, zu analysieren und zu verbessern. Immer mit dem Ziel im Hinterkopf, die Nachhaltigkeit im Sinne des zirkulären Bauens mit Holz zu steigern und die Ressourcen zu schonen. Nachfolgend werden die Erkenntnisse der Studie aufgeführt. Entstanden ist zudem eine übersichtliche Grafik, die die Wertschöpfungskette Altholz darstellt. Die Ergebnisse und Erkenntnisse der Studie basieren auf einer umfangreichen Literaturrecherche und Interviews mit Akteuren der Wertschöpfungskette. Die explorative Studie deckt aktuelle Chancen und Barrieren auf.

  • Die vereinfachte Darstellung der industriellen Wertschöpfungskette Altholz in der Schweiz. Der dunkelgrüne Kreislauf zeigt die höhere Güte der Kaskade. Der natürliche Kreislauf wird braun dargestellt. Quelle: Eigene Darstellung.
    Die vereinfachte Darstellung der industriellen Wertschöpfungskette Altholz in der Schweiz. Der dunkelgrüne Kreislauf zeigt die höhere Güte der Kaskade. Der natürliche Kreislauf wird braun dargestellt. Quelle: Eigene Darstellung.

Erkenntnisse und Ergebnisse

1. Potential für Holz(rück)bauten nimmt zu

Bis heute wurden im Holzbaubereich hauptsächlich alte Scheuen, Bauernhäuser und ähnliches zurückgebaut. Der Rückbau modernerer Holzbauten in grossen Mengen, grösstenteils in Rahmenbauweise, wird in naher Zukunft auf uns zukommen. Gemäss AEA – Holzbau Österreich wird das Potential für Altholz ab 2055 exponentiell zunehmen (siehe Grafik). In der Schweiz wird ein sehr ähnliches Bild vermutet.

  • Darstellung des Potentials des Abbruchholzes in Mio m3 in den verschiedenen Bauperioden von 1900 bis 2100 in Österreich. Quelle: Austrian Energy Agency, gesehen in: Kalt G. & Strimitzer L. (2017): Holzbau in Österreich: Klimaschutz und ökologische Aspekte.
    Darstellung des Potentials des Abbruchholzes in Mio m3 in den verschiedenen Bauperioden von 1900 bis 2100 in Österreich. Quelle: Austrian Energy Agency, gesehen in: Kalt G. & Strimitzer L. (2017): Holzbau in Österreich: Klimaschutz und ökologische Aspekte.

2. Demontage wird an Bedeutung gewinnen

Mit dem Ziel, Holz möglichst lange im Kreislauf zu behalten wir die Demontage der Holzkonstruktionen immer wichtiger werden. Dabei sollen die Holzkonstruktionen in möglichst grossen Stücken rückgebaut werden. In der Studie zeigte sich, dass Holz beim Rückbau oft stark verkleinert wird, was die Wiederverwendung erschwert. Hürden dabei sind der effiziente, konventionelle Rückbau und (personelle oder finanzielle) Ressourcen. Holz wird dabei zum Nebenprodukt und kann spielend einfach entsorgt werden. «Auseinandernehmen kann man alles, es fragt sich mit welchem Aufwand», so die Studienteilnehmenden aus dem Bereich Holzbau und ergänzen: «Die vorsichtige Demontage und der Aufwand für die Aufbereitung des Altholzes verlangt nach einer gewissen Bereitschaft mehr zu investieren». Im Gegensatz gibt es aber bereits einige Holzbauunternehmen, die ein kleines Altholzlager führen oder das Altholz für den Eigengebrauch z.B. für Schiftungen, kleine Möbelaufträge etc. bereits nutzen. Auch besteht ein funktionierender Markt für Altholz mit Fokus auf Design.

3. Architektur/Planung übernehmen eine zentrale Rolle

Der Architektur und den Planungsunternehmen stehen eine zentrale Rolle zu. Sie fungieren als Berater der Bauherrschaft und sie koordinieren die verschiedenen Akteure im Kreislauf. Sie agieren mit einer grossen Hebelwirkung v.a. wenn es darum geht frühzeitig Wiederverwendungspotentiale zu erkennen und zu planen. Denn gerade die frühzeitige Planung einer Demontage mit genügend Zeitressourcen sowie die vorausschauende Planung der Wiederverwendung ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg eines solchen Projektes. Dabei unterstützen sie gemeinsam mit Planungsbüros die Bauherrschaft beim Erreichen der nachhaltigen Ziele. So können Erfahrungen gesammelt, Prozesse entwickelt, optimiert und standardisiert werden. Standardisierungen in Rastermassen, Stützenraster, Spannweiten und Fensteröffnungen können helfen die Ressource zu schonen und industrielle Kreislaufprozesse zu entwickeln.

4. Stärkung der Kaskadennutzung von (Alt-) Holz

«Holz hat eine gute Ökobilanz als Primärrohstoff, weshalb die Wiederverwendung von Holz auf die Ökobilanzierung in der Regel keine grosse Hebelwirkung hat. », so Andreas Haug vom baubüro in situ. Er ergänzt «ein haushälterischer Umgang mit der Ressource Holz ist trotzdem unabdingbar».

Zurzeit gibt es in der Schweiz nur eine offizielle stoffliche Verwertung für Altholz, das ist die Herstellung von Spanplatten. Ein Studienteilnehmer aus einem Rückbauunternehmen gibt an: «Die Anforderungen an die stoffliche Verwertung für die Spanplattenproduktion sind hoch. » Ein Studienteilnehmer aus der Recyclingbranche ergänzt: «Altholz aus dem Aussenbereich fällt gemäss Sortierregeln in die kontaminierte Kategorie. Falls unbekannt ist, aus welchem Bereich das rückgebaute Holz kommt, wird es aus Sicherheitsgründen auch in die kontaminierte Kategorie sortiert.“ Auch die Altholzaufbereitung steht vor Herausforderungen wie individuellen Holzbausystemen, verschiedenen Verbindungsstücke oder anhaftende Fremdstoffe v.a. Metalle. Diese Hürden und die kleine Stückelung der Rückbauten führen dazu, dass eben viel Altholz thermisch verwertet wird. Eine Weiterentwicklung der Prozesse zur Förderung der Kaskadennutzung von Altholz ist ein möglicher Weg. Der Fokus soll dabei weiterhin auf der Demontage und der frühzeitigen Planung bleiben, damit die Hürden abgebaut und die Erreichung der Klimaziele möglich werden.

Ausblick und Empfehlungen

Wie können wir das erreichen?

  1. Möglichst früh Architekt bzw. Planungsbüro in Prozess involvieren und die Möglichkeiten aufzeigen.
  2. Gebäudepark erhalten und damit Abfall vermeiden.

Falls ein Rückbau notwendig ist: Die Neubauten langfristig planen und veränderliche Bedürfnisse berücksichtigen, wie z. B. Materialqualitäten hinsichtlich ihrer Zirkularität prüfen, langfristige Konstruktionen, Bauteile, Produkte und Stoffe beachten oder den Bestand als eigenes Materiallager nutzen und kreative Lösungen entwickeln – z. B. für Konstruktionen ohne statische Anforderungen, Innenausbau und akustische Massnahmen, Möbel oder die Umgebung.

«Das Ziel der Wertschöpfungskette Altholz muss zukünftig sein, das Holz erst in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen, wenn es mehrere Kaskaden durchlaufen hat.»

  • Corina Schärli, Bauphysik und Nachhaltigkeit
    Corina Schärli, Bauphysik und Nachhaltigkeit

PIRMIN JUNG als Vorreiter des kreislauffähigen Bauens

Wie geht es nun weiter? Wir von PIRMIN JUNG engagieren uns in verschiedensten Projekten, Netzwerken und Vereinen, um die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Dafür haben wir unser Dienstleistungsangebot um den Bereich Zirkuläres Bauen erweitert. Unser Team setzt alles daran, Lieferketten und Prozesse im Rückbau von Altholz zu optimieren und so die Wiederverwendung im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu fördern. Zudem sammeln wir gemeinsam mit Architekturbüros weitere Erfahrungen an Praxisbeispielen. Unsere Studie für das Bundesamt für Umwelt (BAFU) mit dem Titel «Rückbau und Wiederverwendung von Holzbauten» hat einen wichtigen Beitrag zum zirkulären Bauen geleistet. Die oben beschriebenen Ergebnisse und Erkenntnisse dienen als richtungsweisende Basis für weitere Untersuchungen, Bachelorarbeiten und fliessen direkt in aktuelle Projekte ein. In einem nächsten Schritt entwickeln wir einen Leitfaden für den zirkulären Holzbau, der aufzeigen soll, wie Holzbauprojekte hinsichtlich Kreislauffähigkeit optimiert werden können. Hierbei werden wir vom Aktionsplan Holz unterstützt, welcher die Ressourcenpolitik des Bundes umsetzt. Darüber hinaus teilen und mehren wir Wissen in Form von Referaten, Vorträgen oder Schulungen.

  • Wohn- und Gewerbegebäude Lysbüchel, Basel | Fotografie: Loeliger Strub Architektur
    Wohn- und Gewerbegebäude Lysbüchel, Basel | Fotografie: Loeliger Strub Architektur
  • Wohn- und Gewerbehaus Haus des Holzes, Sursee | Fotografie: PIRMIN JUNG Schweiz AG
    Wohn- und Gewerbehaus Haus des Holzes, Sursee | Fotografie: PIRMIN JUNG Schweiz AG
  • Wohnüberbauung Sagi, Niederuster | Fotografie: EM2N Architekten ETH/SIA
    Wohnüberbauung Sagi, Niederuster | Fotografie: EM2N Architekten ETH/SIA
  • Atelier Turmstrasse, Schlieren | Fotografie: baubüro in situ ag & Martin Zeller
    Atelier Turmstrasse, Schlieren | Fotografie: baubüro in situ ag & Martin Zeller

Wir bleiben dran und sind überzeugt, dass die Verlängerung der stofflichen Nutzung von Holz im industriellen Kreislauf dem übergeordneten Ziel dient, das während der Wachstumsphase des Baumes absorbierte CO2 länger im Werkstoff Holz zu binden. Durch kreative Lösungen und engagierte Umsetzung können wir gemeinsam einen bedeutenden Beitrag zur Nachhaltigkeit und zur Reduktion des CO2-Ausstosses leisten.

Machen auch Sie den nächsten Schritt für eine bessere Zukunft. Wir freuen uns, Sie bei Ihrem Projekt zu unterstützen und spannende Lösungen zu entwickeln. Profitieren auch Sie von unseren Erfahrungen in Theorie und Praxis. Unser Team im Zirkulären Bauen steht bei Fragen oder Anliegen gerne zur Verfügung.