Um den wachsenden Bedarf an forstbetrieblichen Flächen zu decken, wurde in Annweiler ein neuer Forstbetriebshof errichtet. Das Projekt umfasst eine große Werkhalle, Werkstätten, Verwaltungs- und Besprechungsräume sowie einen Ausstellungsbereich. Ein besonderes Merkmal ist die extensive Verwendung von Kastanienholz als Bau- und Nutzholz. Innovativ ist die Verwendung von Edelkastanienholz als tragendes Holz in einer Konstruktion mit großer Spannweite, die durch eine spezielle Binderkonstruktion unterstützt wird. Die Träger wurden mehrschnittig konzipiert, um Anschlüsse und Verbindungen zu vereinfachen. Der Forstbetriebshof verbindet Ressourcen- und Energieeffizienz durch Grauwassernutzung, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen, eine Biomasseheizung und Elektromobilität. Ergänzt wird dies durch die Verwendung von heimischem Kastanienholz.
Generelle Info
Um den wachsenden Bedarf an forstbetrieblichen Flächen zu decken, wurde in Annweiler ein neuer Forstbetriebshof errichtet. Unter einem Dach vereint sind hier eine Werkhalle, Werkstätten, Verwaltungs- und Besprechungsräume sowie ein Ausstellungsbereich. Prägendes Element ist der extensive Einsatz heimischer Edelkastanie – nicht als Fassadenakzent, sondern als tragendes Holz in großem Maßstab. Für ein Bauwerk dieser Größe und Spannweite ist dies im konstruktiven Bereich bislang eine Rarität.
Tragwerksplanung
Die Edelkastanie bringt als Baustoff große Vorteile mit, da sie dauerhaft und widerstandsfähig sowie regional verfügbar ist. Aufgrund der Sortiernorm stehen jedoch nur begrenzte Querschnittsabmessungen zur Verfügung. Anstatt auf gut verfügbares Nadelholz auszuweichen, haben wir hier das Tragwerk konsequent auf die materialtypischen Eigenschaften von Kastanienholz abgestimmt, um dessen Nutzung zu ermöglichen.
Als Haupttragstruktur kamen aufgelöste Dreigelenkrahmen in Fachwerkbauweise zum Einsatz. Die Konstruktion übersetzt die begrenzten Einzelquerschnitte in ein leistungsfähiges Gesamtsystem mit großen Spannweiten. Dabei sind Druck- und Zugstäbe klar getrennt. Die Kräfte verlaufen nachvollziehbar durch das Tragwerk. Die Binder wurden mehrschnittig konzipiert, um Anschlüsse zu vereinfachen und eine präzise Fügung zu ermöglichen.
Besonderes Augenmerk haben wir auf eine montagegerechte Detailentwicklung gelegt. Einfache, aber dennoch robuste Fügungstechniken wie Versätze oder Zangenverbindungen mit Dübeln besonderer Bauart ermöglichen eine wirtschaftliche Vormontage der Rahmen. Metallische Verbindungsmittel wurden nur dort eingesetzt, wo sie konstruktiv erforderlich waren. Das Tragwerk selbst bleibt von Holz geprägt.
Die Aussteifung in Gebäudequerrichtung erfolgt direkt über die eingangs erwähnte Dreigelenkrahmenkonstruktion. In Längsrichtung übernehmen eine ausgebildete Dachscheibe und zwei aussteifende Außenwände die Horizontallasten.
Die sichtbare Holzkonstruktion trägt zu einem ausgeglichenen Raumklima in Werkhalle und Werkstätten bei und schafft zugleich eine direkte Verbindung zur forstlichen Nutzung.
Brandschutz
Das Gebäude ist als freistehender Forsthof der Gebäudeklasse 1 einzustufen. Aufgrund dieser Einstufung ergeben sich keine weitergehenden bauordnungsrechtlichen Anforderungen an den baulichen Brandschutz. Dennoch wurde das Tragwerk in Holzbauweise hinsichtlich seines Brandverhaltens bewertet und konstruktiv so geplant, dass ein robustes und nachvollziehbares Sicherheitsniveau erreicht wird.
Bauphysik und Nachhaltigkeit
Bauphysikalisch wurde der Forsthof als Effizienzgebäude EG 55 konzipiert. Die wärmeschutztechnische Qualität der Gebäudehülle erfüllt damit energetische Anforderungen bei gleichzeitig wirtschaftlicher Konstruktion. In Verbindung mit einer luftdichten Gebäudehülle entsteht ein energetisch optimiertes, dauerhaft funktionssicheres Gebäude, das den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz im ländlichen Kontext angemessen entspricht.
Innovation
Das Tragwerk aus Edelkastanie ist somit Teil eines übergeordneten Ansatzes, der regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege und eine Bauweise, die Materialherkunft und -nutzung in Einklang bringt, umfasst. Während Nadelholz den klassischen Ingenieurholzbau dominiert, zeigt das Projekt in Annweiler, dass regional verfügbares Laubholz bei entsprechender Systemwahl wirtschaftlich und leistungsfähig eingesetzt werden kann. Dabei war nicht die Maximierung einzelner Querschnitte entscheidend, sondern die Entwicklung eines Tragwerks, das aus kleineren Dimensionen ein tragfähiges Ganzes formt.
Projektinformationen
- Standort
- 76855 Annweiler am Trifels
- Fertigstellung
- 2025
- Bauherrschaft
- Trifels Natur GmbH 76855 Annweiler
- Architektur
- Entwurf: Sieveke Architekten BDA 54295 Trier Planung, Umsetzung und AusfĂĽhrung: marcbetz architekten - Dipl.-Ing. Architekt Marc Betz 76829 Landau
- Holzbau
- CLTECH GmbH & Co. KG 67661 Kaiserslautern
- Fotografie
- Sven Hasselbach
- Bauart
- Industrie und Gewerbe BĂĽro und Verwaltung
- Bauzeit
- 2023 - 2025
- Gebäudegrundfläche
- 672 m2
- Grösste Spannweite
- Decke: 20 m
- Verbautes Holz
- für Gebäude und Außengelände 150 m3 Vollholz 100 m3 Brettschichtholz/Konstruktionsvollholz ~3´000 m2 Holzplatten
- Fertigstellung
- 2025




















