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Verantwortung ĂĽbernehmen und zukunftsweisend bauen

Sursee, Dezember 2025

Die spürbare Klimaveränderung sowie die zunehmenden Naturkatastrophen setzen ein klares Zeichen dafür, dass wir mit unserer Erde und unserer Umwelt viel sorgfältiger umzugehen haben. In der Schweiz verursachen wir rund 90 Millionen Tonnen Abfall jährlich, wovon 70 Millionen Tonnen Abfall aus der Bauwirtschaft stammen, 9 Millionen Tonnen davon aus dem Hochbau. Gerade in der Bauwirtschaft können wir Verantwortung übernehmen, eine Hebelwirkung erzeugen und die graue Energie senken.

Genau diese Verantwortung übernimmt PIRMIN JUNG im Bereich der Nachhaltigkeitsplanung und im zirkulären Bauen. Als Planer:innen nehmen wir eine zentrale Rolle wahr. Die Studie zur industriellen Wertschöpfungskette Altholz IWAH hat gezeigt, dass Holz stark verkleinert aus dem Rückbau kommt. Damit in Zukunft grössere Stücke zurückgewonnen und im Sinne der Kaskadennutzung besser und in möglichst hoher Güte wiedereingesetzt werden können, müssen wir rückbauorientiert planen. Beim kreislaufgerechten Bauen denken wir also nach dem «Design for Disassembly»-Prinzip, was so viel heisst wie Entwerfen für die Demontage. Zentrale Ziele sind nebst der höchst möglichen Rückbaubarkeit auch das möglichst geringe Abfallaufkommen und der kleinstmögliche Ressourcenverlust. Dabei ist die Systemtrennung sehr wichtig – Systeme mit unterschiedlichen Nutzungszeiten müssen unabhängig voneinander ausgetauscht, revidiert, verändert oder rückgebaut werden können. Wir unterscheiden zwischen dem Primärsystem, welches die Konstruktion und das Tragwerk beinhaltet und dem Sekundärsystem, welches die Hüllen, Bekleidungen und die Technik umfasst. Das Denken nach dem «Design for Disassembly»-Prinzip zieht sich bei uns von der Projektbearbeitung, über die Konstruktion bis hin zur Bauwerksdokumentation.

  • Grafik: Kaskadennutzung einfach erklärt.
    Grafik: Kaskadennutzung einfach erklärt.

Demontierbar ist nicht gleich trennbar

Hierarchisch betrachtet, unterscheiden wir im Holzbau die Ebenen Gebäude, Bauteilelemente und Material. Wobei auf der Ebene Material Bauprodukte und die Rohstoffe in einer Gruppe zusammengefasst werden. In Bezug auf den Rückbau unterscheiden wir die Demontierbarkeit und die Trennbarkeit. Während die Demontierbarkeit die Montage in umgekehrter Reihenfolge bezeichnet, geht die Trennbarkeit eine Stufe tiefer. Sie bezieht sich darauf, ob sich Materialien, also einzelne Bauprodukte und Rohstoffe, sortenrein aus den Bauteilelementen separieren lassen.

Entscheidend in beiden Fällen ist aber, dass die Auffindbarkeit, die Erreichbarkeit und die Zugänglichkeit zu den Teilen gegeben sind. Erreicht wird dies nur, wenn bereits bei der Planung und beim Aufbau entsprechend gedacht wird. So werden beispielsweise Massivholzdecken mit Splittschüttung anstelle von Holz-Beton-Verbundkonstruktionen (HBV), in welchen die Installationen in der Regel im Beton eingelegt werden, verwendet. Die Installationsschicht wird nicht innerhalb, sondern ausserhalb der Tragschicht angebracht. Damit wird die Zugänglichkeit der Installationen in der Splittebene gegeben und die Demontage und die Wiederverwendung vereinfacht ermöglicht. Ganz nach dem Scherschichtenmodell nach Stewart Brand, welches aufzeigt, dass Bekleidungen oder Installationen von der Primärstruktur getrennt werden müssen, um so eine möglichst lange Nutzungsdauer der Tragstruktur zu gewährleisten. Dies mit dem Hintergrund, dass darin der Hauptanteil der bei der Erstellung ausgestossenen CO₂-Emissionen und Rohstoffressourcen enthalten ist.

  • Grafik: Hierarchie im Holzbau, Demontage und Trennbarkeit
    Grafik: Hierarchie im Holzbau, Demontage und Trennbarkeit

Verbindungen im Fokus

Besondere Bedeutung kommt auch den Verbindungsmitteln zu – diese sollen einfach, aber auch robust und dauerhaft sein. Bei den Verbindungen unterscheiden wir zwischen gesteckten, geschraubten, genagelten oder geklammerten und geklebten Lösungen. Die gesteckten Verbindungsmittel sind klassische zimmermannsmässige Verbindungen wie Zapfen und Überblattung, Holznägel oder Schwalbenschwanzverbindungen. Diese lassen sich sehr einfach voneinander trennen und sind zudem materialhomogen, was bedeutet, dass eine Trennung der Verbindung durch einen Sägeschnitt möglich ist, beziehungsweise das Verbindungsmittel auch im Material verbleiben kann, ohne es zu «verunreinigen». Bei geschraubten Lösungen wird unter anderem die Ausdrehbarkeit mit zunehmender Oberfläche und Gewindelänge erschwert, da die Kontaktfläche mit dem Holz vergrössert wird, was einen höheren Reibwiderstand und ein erschwertes Ausdrehen zur Folge hat. Genagelte oder geklammerte Lösungen sind hinsichtlich Rückbau schwieriger eingestuft, dadurch, dass sie normalerweise mit Druckluft eingeschossen werden und so für den Auszug nicht mehr greifbar sind. Geklebte Verbindungen werden als nicht reversibel gesehen.

Nennenswert ist, dass es nicht gute oder schlechte Verbindungsmittel gibt, je nach Projektziel sind diese jedoch mehr oder weniger geeignet. Innerhalb der Planung, welche digital erfolgt, werden die detaillierten Informationen über die verwendeten Bauteile und Verbindungsmittel direkt in die Dokumentation eingepflegt und die Gebäude in 3D-Modellen gezeichnet. In der Regel werden 2D-Zeichnungen ausgegeben, um so beispielsweise den Montageplan für die Baustelle bereitzustellen. Mit dem Einpflegen aller notwendigen Informationen und Details zu den einzelnen Bauteilen ist die Bauwerksdokumentation für das zirkuläre Bauen grösstenteils gemacht. Die erstellten Pläne müssen später im Falle eines Rückbaus rückwärts gedacht werden.

Wiederverwendung ist unser Ziel

Dem ressourcenschonenden Umgang mit Baustoffen ist grosse Beachtung zu schenken. Im Grundsatz wird beim Rückbau von Bauteilen und deren weiteren Verbleib zwischen Wiederverwendung, Wiederverwertung, Weiterverwendung und Weiterverwertung unterschieden. Das Ziel ist es, rückgebaute Teile so zu verwenden oder zu verwerten, dass möglichst wenig graue Energie entsteht und hochwertige Produkte für den exakt gleichen Zweck wiederverwendet werden können. Und genau darauf – auf der Wiederverwendung – liegt unser Fokus.

  • Grafik: Unterscheidung von Wiederverwendung, Wiederverwertung, Weiterverwendung, Weiterverwertung
    Grafik: Unterscheidung von Wiederverwendung, Wiederverwertung, Weiterverwendung, Weiterverwertung

Zum ressourcenschonenden Bauen gehört aber auch, von Beginn an die ideale Kombination der unterschiedlichen Materialien zum Einsatz zu bringen. Ein kleines Beispiel anhand von Deckenaufbauten: Ob nun liegende Brettschichtholzelemente (160 mm) oder Brettstapelelemente kombiniert mit einer Dreischichtplatte (160 mm + 19 mm) oder Brettstapelelemente mit einer Gipsfaserplatte (160 mm + 15 mm) aufgebaut werden, macht anforderungstechnisch keinen Unterschied. Aber durch die Wahl der Materialien und der Konstruktionsweisen lassen sich Ressourcen und Emissionen einsparen – im erwähnten Beispiel ist die Variante mit den liegenden Brettschichtholzelementen den beiden anderen Varianten vorzuziehen, weil circa 10 Prozent weniger CO₂-Emissionen je Quadratmeter Decke verursacht werden.

Veränderungen in der Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft hat sich in den letzten Jahren verändert. Das Bewusstsein für die Klima-Thematik und die Voraussetzung des ressourcenschonenden Bauens ist deutlich gestiegen. Auch der Bund hat mit Gesetzesgrundlagen dafür gesorgt, dass ökologische Aspekte nicht nur Anklang finden, sondern bei öffentlichen Aufträgen in den jeweiligen Projekten geprüft und, wo möglich, berücksichtigt werden müssen. Es ist eine klare Tendenz zum zirkulären Bauen zu verzeichnen, die Relevanz steigt, das Potenzial ist aber dennoch immens gross. Kreislauffähige Baustoffe sind stärker gefragt, denn je.

Umfrage zum zirkulären Bauen

Im Rahmen einer Bachelorarbeit und in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern haben wir eine Umfrage zum zirkulären Bauen bei gut 1'000 Architekturbüros im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Untersucht wurde dabei einerseits die heutige Relevanz der Kreislauffähigkeit in Projekten, aber auch, wie die Relevanz in zehn Jahren eingeschätzt wird. Des Weiteren stand im Zentrum, wie stark heute mit zirkulären Bauweisen geplant wird, wie umfangreich der Erfahrungsschatz und das Wissen in diesem Bereich sind und welche Herausforderungen sich beim zirkulären Bauen stellen.

Es hat sich gezeigt, dass das Interesse am zirkulären Bauen zwar gross ist, jedoch bei über der Hälfte aller Architekturbüros die Erfahrungswerte und das Wissen noch fehlen. Bei den Übrigen fühlen sich ein Drittel in der Thematik wirklich fit. Über alle Fragen hinweg hat sich herauskristallisiert, dass Vorträge, Workshops und Expertenchecks sehr bedeutend und wichtig sind und generell grosse Beliebtheit geniessen.

Leitfaden für das zirkuläre Bauen

Mit Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) im Rahmen des Aktionsplans Holz hat PIRMIN JUNG Schweiz AG einen Leitfaden für das zirkuläre Bauen erarbeitet. Der Leitfaden ist seit April 2026 auf ARAMIS, der Forschungsdatenbank der Schweizer Bundesverwaltung, verfügbar: PIRMIN JUNG - Leitfaden kreislauffähiges Bauen

PIRMIN JUNG begleitet Projekte in den Bereichen Tragwerksplanung, Brandschutz, Bauphysik, Nachhaltigkeitsplanung und zirkuläres Bauen.